Fluch des blutigen Schatzes


‘They came out of the grave to get revenge.’


Originaltitel: Scalps (1983)
Regie: Fred Olen Ray Drehbuch: T.L. Lankford, Fred Olen Ray & John Ray
Darsteller: Jo-Ann Robinson, Richard Hench, Roger Maycock FSK: 18


Wo ’A Fred Olen Ray Film’ drauf steht, da ist entweder höchst unterhaltsamer Genre-Schwachsinn drin, oder schnell abgedrehter Müll, den eigentlich niemand braucht. ’Scalps’, das ist die große Überraschung, passt weder in die erste, noch in die zweite Kategorie.

“Alas, poor Yorick!“
Prof. Machen plant mit Studenten einen Ausflug in die Wüste, um ein paar Indianerrelikte auszugraben. Doch ein Verbot der Regierung und seine olle Sekretärin hindern ihn daran, selbst an der Expedition teilzunehmen und so machen sich seine Studniks alleine auf den Road Trip in die Ödnis.
Unterwegs treffen die Jugendlichen (die von 30jährigen gespielt werden) in einer Tankstelle auf einen alten Zausel, der ihnen den Rat gibt “Geht nicht dorthin! Das ist ein verfluchter Ort!“. Die Reisenden hätten vorher besser ähnliche Filme geschaut, denn die klischeehafteste aller Movie-Warnungen kommt meist nicht ohne Grund. Der Geist eines uralten Indianerhäuptlings umschwirrt die Ausgrabungsstätte und bemächtigt sich bald des Körpers eines Studenten, um den anderen die Kopfhaut von der Platte zu schneiden…

“Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Ist das der Weg zum Elefantenfriedhof?“

Da kieckste!
Schau, schau! Trotz des Namens Fred Olen Ray, eines Kurzauftrittes von Forrest J. Ackerman und einer sporadisch ins Bild hüpfenden Löwen-Maske direkt aus dem ’Zauberer von Oz’ ist ’Fluch des blutigen Schatzes’ ein erschreckend unalberner Film.
Für FOR-Verhältnisse geht es hier nämlich recht düster und bizarr zu. Ersteres ist der unheilvollen Atmosphäre und schauriger (wenn auch teils nerviger, weil dauerhafter) Gruselmusik zu verdanken. Bizarr sind vor allem die Zwischenschnitte von Monsterfratzen und ähnlichen Hokus Pokus-Gestalten, die entgegen Olen Rays Willen später vom Vertrieb eingefügt wurden.
An blutigen Zutaten (zuallererst natürlich den deftigen Skalpierungen) fehlt es dem Film nicht, in der deutschen Fassung bekommt man davon jedoch herzlich wenig zu sehen. Leider ist ’Scalps’ zeitweise auch hoffnungslos unterbelichtet, so daß oft nur schwer zu erkennen ist, was auf dem Schirm gerade vor sich geht. Schade, bei dem interessanten Setting.
Bei letzterem kommen sogar Erinnerungen an den ersten ’Tanz der Teufel’ und ’Hügel der blutigen Augen’ auf, ohne dass Olen Ray jedoch die cineastische Brillanz von Raimi oder den morbiden Thrill von Craven erreicht.

Attack of the Schulterklopf-Zombie!

Aber Olen Ray ist Olen Ray und das ist auch gut so. Seine Schauspieler mögen nicht aus dem Theater kommen, seine Tricks nicht von Fachleuten gefertigt sein und seine Drehbücher in wenigen Stunden einer launigen Nacht verfasst worden sein, dennoch ist ’Fluch des blutigen Schatzes’ ein kurzweiliger, spannender Horror-Trip, dem nur weniges fehlt, um eine Klasse höher mitzuspielen.


Hudson