Savage Streets - Straße der Gewalt


‘The gang war of the sexes!’


Originaltitel: Savage Streets (1984)
Regie: Danny Steinmann Drehbuch: Danny Steinmann & Norman Yonemoto
Darsteller: Linda Blair, John Vernon, Robert Dryer FSK: unbekannt


“Hey Brenda, warum steht deine Mama auf solche Mistblätter?”
“Das lenkt sie davon ab, dass sie in zwei Schichten arbeiten muss, um Vaters Beerdigung zu bezahlen.“

Ja, Brenda (Linda Blair) hat’s nicht leicht. Mama ist nie da, Papa liegt irgendwo unbegraben herum und Schwesterchen Heather (Linnea Quigley) ist taubstumm.

Boypower
Halt findet Brenda in ihrer Gang, den ’Satins’. Diese taffe Mädeltruppe lässt sich nix gefallen, schon gar nicht von den ’Scars’, einer widerlichen Straßengang, die sich in Leder schmeißen, schlecht frisieren und noch schlechter schminken und sich auch gern mal gegenseitig anspucken. Nachdem die ’Satins’ sich den Spaß erlaubt haben, die Ludenschleuder der Jungs ’auszuborgen’, sinnen diese auf Rache. Als Opfer wird ausgerechnet Heather auserkoren, die von ihnen am nächsten Tag in der Umkleide der Sporthalle vergewaltigt wird. Das reicht natürlich nicht, um die Typen als abscheuliche Bastarde zu etablieren, deswegen müssen sie in einem Zappelschuppen noch ein paar ihrer Freunde brutal vermöbeln und ausgerechnet die ’Satin’-Braut, die kurz vor ihrer Hochzeit steht, von einer Brücke schmeißen. Jetzt ist es soweit. Alle wollen Rache. Du, ich, die ’Satins’ und vor allem Linda Blair…

Girlpower
Da sehen wir sie also, wie sie zuerst nackt in der Badewanne sinniert (ihre Haare sind sogar im nassen Zustand pompös!) und dann zu den Klängen einer schremmeligen 80s-Rock-Nummer (’There’s a time for Revenge. And your time has come. Justice for all, justice for all, you get what you give, when you’ve broken the law.’) in einer Bekleidungsmontage zum Racheungetüm mit Armbrust wird und wie wild auf die Straße prescht (die Zeit, sich die Haare zu machen, hat sie dann aber doch noch).
Linda Blair, die als ’Frisurverbrechen in Menschengestalt’ Karriere machte, ist hier einmal mehr als pausbäckiger Running Gag des Genrefilms unterwegs. Mit rauchiger Synchro, exorbitanter Haarpracht und mehr Watte im Maul als ’Don Corleone’ gibt sie uns das nette Straßenluder, das zur erbarmungslosen Rächerin wird. Eine ’Tolle’ Leistung, aber hierbei ist halt nur die Haar-’Tolle’ gemeint.
Auch sonst gibt’s hier keine Acting-Greatness zu vermelden. Die Rolle von John Vernon (’Killer Klowns from outer Space’) ist auf ein paar unpassend wirkende Sprüche (“Uns brennt der Schwanz!“ “Dann fickt einen Eisberg.“) begrenzt und wurde völlig verschenkt. Nur Linnea Quigley (’Sorority Babes in the Slimeball Bowl-O-Rama’) kann sich dank akzeptabler Leistung aus der Affäre ziehen.

Ähm... Mehlpower?
Dann sind da noch die schmierigen Punks. Und ja, das sind sie womöglich auch im echten Leben gewesen, denn niemand spielt schmierige Punks besser als schmierige Punks. Und die hier sind ganz besonders schmierig (“Das zählt nich, wenn man nur seinen Vater geküsst hat. Vor allem, wenn er tot ist. Ich hingegen steh voll im Saft.“)
Als Salz in der Suppe eines solchen Rape’n’Revenge-Schwachsinns dürften sie einigen Exploitation-Freaks zum Aufgeilen reichen.
Aber mit so einem Scheiß ist man bei mir einfach an der völlig falschen Adresse. Wer in sein Drehbuch unbedingt eine Szene einbringen muss, in der ein paar spackige Punkdödel ein behindertes Mädchen vergewaltigen, um dem Publikum einen Kick zu verpassen, gehört das in die Kategorie ’Fuck off, you Bastards!’, aus der untersten Schublade der Kotz-Kommode. Wo Exploitation knattert, gibt es ist natürlich nicht nur brutale Aktivitäten (Armbrust-Action, Bärenfalle-Action, Brennstoff-Action) und Sprüche (“Leck mich wo’s am schwärzesten ist!“) aller Art, sondern auch nackte Haut im Dutzend billiger. Ein gutes Drittel des Films scheint sich in der Mädchendusche/-umkleide abzuspielen (Catfights inklusive). Blöd nur, dass die Cheerleader-Fruppen dieses Machwerks nicht allzu appetitlich ausschauen.

"Und ihr werdet ganz sicher nie wieder in einem solchen Film mitsielen?"
"Nein, neeeiiin!"

Fazit: Ein filmisches Ärgernis in allen Belangen, mit einer lächerlichen Linda Blair die meint, sie wäre Abel Ferraras ’Mrs. 45’. Aber mit Filmen wie diesem hier würde Ferrara nicht einmal sein Klo kitten. ’Savage Streets’ dürfte nur für Hardcore-80s-Exploitation-Fans und Liebhaber kauziger Hairspray-Rockmucke zu ertragen sein. Aber wirklich nur auf dem niedrigsten aller Niveaus!


Hudson