Sadomania – Hölle der Lust


‘Das Liebescamp der teuflischen Exzesse’


Originaltitel: Sadomania - Hölle der Lust (1981) Regie: Jesus Franco
Drehbuch: Jesus Franco & Günter Ebert FSK: keine Jugendfreigabe
Darsteller: Ajita Wilson, Andrea Guzon, Ursula Buchfellner


Women in Cages!

“That's all you are, an animal in a cage!”

Jess Franco muss man niemandem mehr vorstellen. Als Macher von bis heute beinahe 200 Filmen im Exploitation-Bereich ist er jedem Freund des unterschlagenen Films vermutlich mindestens ein Mal unter die Nase gekommen. Die qualitative Spannweite seiner Arbeit reicht dabei von visuellen Meisterwerken bis zur filmischen Jauchegrube. Sadomania dürfte filmisch gesehen Francos Mittelklasse darstellen. Zwar ist der Film weder wirklich gut, noch absurd genug, um als völliger Lacher durchzugehen, aber dennoch so reißerisch und sleazig, dass er verdammt gut zu unterhalten weiss. Und wenn Sexploitation-Könner Jess Franco reißerischen Sleaze macht, wisst ihr, was auf euch zu kommt: They're all naked, all the time.

“Well, what a surprise. The hero returns to rescue the princess from the evil dragon. Do you know what I’m gonna do with you?”
“I can imagine. The dragon probably eats the hero.”
“Yes, that’s true. But not the way you think... take his clothes off!”

Women in Chains!!

Sadomania ist, wie man unschwer erkennen kann, ein Women-in-Prison Film. Er stammt aus dem Jahr 1981, und ist damit längst nicht der erste Genre-Beitrag - auch nicht, von Franco selbst, der bereits in den späten 70ern Streifen mit subtilen Titeln wie 'Frauengefängnis', 'Das Frauenhaus', 'Frauen für Zellblock 9' oder den sogar ziemlich empfehlenswerten 'Greta - Haus ohne Männer' (aka Wanda, the Wicked Warden) mit Dyanne 'Ilsa' Thorne drehte. Wodurch der Film punkten kann, ist nicht etwa seine Originalität (da will ich euch keine falschen Hoffnungen machen!), sondern sein enormer Camp-Anteil. Der Film trieft nur so vor den Elementen, die das Bahnhofskino jener Tage groß gemacht haben. Einige ganz besonders sleazige Szenen sind hier z.B. die Vergewaltigung durch einen Schäferhund (natürlich nur angedeutet), ein unbarmherziger Arenen-Kampf (na gut, eigentlich findet er am Strand statt) zwischen Blonde Bimbo mit Schwert vs. Black Mamba mit Speer, eine Nadel/Nippel -Folter (die Technik ist noch bekannt aus 'Greta - Haus ohne Männer'), eine Close Up-Sex Szene, bei der ich mir nicht sicher war WAS ich da sehe, massenhaft Lesben-Spiele (“That’s all you lesbians think about, isn’t it?”) und eine 'Insel der Verdammten'-hafte Menschenjagd, bei der die Gefangene eine Minute Vorsprung bekommt, um dann von der Wärterin mit dem Gewehr gejagt und schließlich von Gummi-Alligatoren verspeist zu werden. Ansonsten gibt es das Standard-Programm - Prostutition, Bitch Fights, Peitschen, Frauen in Ketten und Käfigen, und am Schönsten, die Arbeiten im Steinbruch. Was ich an diesem Film so mag, ist dass alle Frauen fast in jeder Szene stets oben ohne sind und in Hot Pants rumlaufen. Ob es nun die lieblichen Sträflinge oder die dicken Wärterinnen mit Maschinengewehren sind. Alle sind konstant Brust-frei und tragen abgeschnittene Jeans (was natürlich auch für so manchen schönen Ass-Shot und eine Brust-Anzahl im dreistelligen Bereich sorgt).
Und um das ganze wasserdicht zu machen, hat man hier tatsächlich keine Mühen gescheut, so gut wie alle Gefangenen mit wirklich hübschen Frauen zu besetzen.

Women in chain link fences!!!

Darunter finden sich beispielsweise die bayrische Schönheit Ursula Buchfellner (bekannt aus dem früheren Sleaze-Installment 'Der Kurpfuscher und seine fixen Töchter', die für Franco bereits eine 'Jungfrau unter Kannibalen' gespielt hat), Uta Koepke (die abgesehen von diesem Film bloß noch in 'Drei Schwedinnen auf der Reeperbahn' zu bewundern war) als Main Girl oder die ebenfalls deutsche Gina Janssen. Vor allem die Blondinen-Quote ist außerordentlich hoch, was es anfangs tatsächlich schwierig gestaltet, im Auge zu behalten, wer hier eigentlich wer ist. Nicht blond ist hingegen Magda, die sadistische, schwarze Wärterin - gespielt von Ajita Wilson. Wilson, die leider nur 6 Jahre nach 'Sadomania' an den Folgen eines Autounfalls starb, ist als Mann zur Welt gekommen (in dieses Alter-Ego schlüpft sie übrigens auch für eine kurze Szene des Films), und schaffte es nach einer Geschlechtsumwandlung als Porno- und später -Schmuddelstar eine verführerische Figur hinzulegen. In diesem Film überzeugt sie mit einer eigenartigen Mischung aus Pam Grier und Grace Jones. Sonstige Highlights in der Besetzung stellen übrigens Nebenrollen von Wörthersee-Star Otto Retzer und Make-Up Ikone Marie Luise Lusewitz - beide sind dem geneigten Flausenleser natürlich aus dem Klassiker 'Zärtlich, aber frech wie Oskar' bekannt - sowie Jess Franco hisself, als schwuler Zuhälter dar.

Der Jess, der Franco!

“You two hate each other, and I should give you the satisfaction of fighting each other. And the one who wins gets a pardon.”
“And what if we don’t fight?”
“I’ll throw you to the crocodiles!”

Was den Soundtrack angeht variiert die Musik von verrückten Stücken, die genausogut in 'Vier Fäuste gegen Rio' laufen könnten, einem fast Spaghetti-Western haften Titel und sogar ein bisschen Klassik im Abspann.
Was es noch zu bemängeln gibt, ist dass trotz des hohen Sleaze Anteils die Gewalt stellenweise recht kurz kommt. Vor allem bei den Shoot-Outs zum Finale hin war Franco mal wieder ziemlich sparsam mit dem Kunstblut - aber das ist er ja immer, wenn er nicht gerade einen reinrassigen Splatterfilm dreht. Nun ja, bei einem Film voller Hot Pants und Gummi-Gators möchte ich auch nicht kleinlich sein.

“I know what we’re doing is unhuman, but I just don’t give a damn!”

Crocs in Heat II: Crocos rip my flesh

Fazit: 'Sadomania - Hölle der Lust' ist ein Film, ebenso exploitativ und reißerisch wie sein Titel. Hier wird in Sachen Sleaze die buchstäbliche Frontseite geboten, was zwar nicht unbedingt was Neues ist, mich aber trotzdem bei Laune hält. Sicher, die Figuren sind nicht so überzeugend wie in manch anderem Genre-Vertreter, und auch bei der fünften Szene mit Weichzeichner wird aus 'Sadominia' kein Arthouse-Film, aber unterhaltsames Sensationskino kriegen wir trotzdem zu sehen.


Spooner