Sabata


‘The man with gunsight eyes comes to kill!’


Originaltitel: Ehi amico... c'è Sabata, hai chiuso! (1969)
Regie: Gianfranco Parolini Drehbuch: Gianfranco Parolini & Renato Izzo
Darsteller: Lee van Cleef, William Berger, Ignazio Spalla FSK: 16


“Nein, das klappt nicht. Auf diese Entfernung trifft nicht einmal die beste Winchester!“ Sagt der Bankräuber, als er die Silhouette des Fremden auf der Bergspitze anvisiert hat. Keine 2 Sekunden später steckt eine Kugel aus genau dessen Flinte in seinem Schädel.

Mit Sabata ist nicht zu spaßen! Nachdem er den Schuft und seine Diebesbande plus Raubgut in der soeben überfallenen Stadt abgeladen, und die Belohnung kassiert hat, winkt natürlich jede Menge Ärger aus allen erdenklichen Ecken. Aber wie sagte ich schon im Satz zuvor:
Mit Sabata ist nicht zu spaßen!

Dieser Typ kann kein Wodka-Fässchen trüben!

Nach ’Sartana’, ’Django’ und etlichen anderen rotzenden, schwitzenden und schießwütigen Halodris des Frontiers, kam 1970 mit Gianfranco Parolinis (hier unter dem Synonym Frank Kramer) ’Sabata’ ein frischer, ironischer Wind und schubste die Western-Strohhexe voran.
Klar ist die Story gespickt mit Wendungen, Verrat und Hinterlist, wie beinahe jeder dritte Film dieser Sparte, aber ’Sabata’ scheint überall noch einen drauf zu packen.
Bevor man zu Atem gekommen ist, peitschen schon wieder die nächsten Kugeln durch den Staub. Nett anzusehende Kamara-Tricks, spaßig-spannende Gimmicks und ulkige Situationen (“Hey, Sabata! Wenn ich aufgehört hab zu lachen, bist du tot!“) gibt es hier zuhauf.
Der Film steht und fällt jedoch mit dem großartigen Lee van Cleef.
Nehmt mich ruhig auf’s Korn, aber wenn ich die freie Wahl hätte, aus dem Pott lebender, wie toter Schauspieler zu greifen, um die Hauptrolle eines Spaghetti-Westerns zu besetzen, ich würde mich ohne zu zögern für ihn entscheiden. (Verdammt noch eins, der Mann hat seinen Einstand in ’Zwölf Uhr Mittags’ gehabt… ’Zwölf Uhr Mittags’!!!)

Ein dicker Sidekick macht
sich immer gut, da wirkt
man selbst viel schlanker.
Van Cleef beweist (leider viel zu selten), dass er es mühelos fertig bringt, einen solchen Film einzig auf seinen Schultern zu tragen. Und zwar als Protagonist, denn einen Helden, wie man die Hauptfigur vielleicht anderswo nennt, gibt es in diesem Genre bekanntlich nicht.
Seine Pose im finalen Duell ist unsterblich geworden. Achtet auf den Umriß seiner Figur, denn ihr habt dieses Bild sicher 100 mal in diversen Medien kopiert gesehen.
Der saufende, speckige und sprücheklopfende Sidekick Carrincho und der stumme Indianer (mit dem cleveren Namen Indio) sind würdige Fußabtreter für diese Ikone.
Genre-Prinz William Berger (’ER-Stärker als Feuer und Eisen’) macht ebenfalls keine schlechte Figur als zwiespältiger Halunke Banjo, von dessen Waffen-Arsenal der gute Robert Rodriguez sich für seine ’Mexiko-Trilogie’ ganz sicher ein oder zwei Kniffe ausgeborgt hat.
Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass Franco Ressel (’Vier Fäuste für eine Hallaluja’) als exzentrisch geschminkter Schuft ’Stengel’ eher seltsam anzusehen ist, als durch großes Spiel zu überzeugen.
Marcello Giombinis (’Rurik der Wikinger’) Musik ist exzellent. Er vertonte auch eines der beiden Sequels, die 1971 (wieder unter Parolinis Regie) folgten. Eins mit Yul Brunner und dem DDR-Cowboy Dean Reed, das zweite wieder mit Van Cleef und Reiner Schöne.

“Jeder Schuss ein Treffer… Hm, sagen wir jeder zweite!“

Spielt das Lied vom Tod: Banjo

’Sabata’ ist Western-Kino in Reinkultur und braucht sich vor seinen bekannteren Genre-Vettern keineswegs zu verstecken. Und das nicht nur, weil Lee van Cleefs Darstellung der Titelfigur großartig ist. Zu empfehlen!

Nool