Rush


‘A one man army to save the world!’


Originaltitel: Rush (1983)
Regie: Tonino Ricci Drehbuch: Tito Carpi & Tonino Ricci
Darsteller: Luigi Mezzanotte, Gordon Mitchell, Laura Trotter FSK: ungeprüft


Na los, weil wir’s nicht anders gewohnt sind, auch heute den obligatorischen Vortext aus den Credits:

“Nich mal in Ruhe kacken
kann man in der Endzeit!“
“Eine große Katastrophe hat die Erde verwüstet. Der Tod hielt reiche Ernte. Die Überlebenden vegetieren dahin, kämpfen verzweifelt um ihre Extistenz und ihre Freiheit. Denn die neue sogenannte ’Weltregierung’ besteht aus einer Clique skrupelloser Banditen. Schwerbewaffnet machen sie Jagd auf Männer und Frauen und stecken sie in Arbeitslager. Dort wird Rauschgift angebaut, das zweimal wöchentlich verteilt wird und alle nehmen müssen. Apathisch dämmern die Menschen dahin. So ist es möglich, dass ein paar hundert Soldaten die letzten 2 Millionen im Schach halten können. Einige widersetzen sich den Anordnungen der Behörden, aber es ist sinnlos. An Flucht ist nicht zu denken. Wie auch? Die Felder verwüstet, die Städte zerstört, die Wälder verbrannt. An zwei, drei Stellen auf der Erde hat die Weltregierung den Boden reaktiviert und Bäume gepflanzt. Zu diesen Wäldern haben nur ein paar Bonzen Zutritt. Außer ihnen darf keiner eine Pflanze besitzen. Die Toten werden von den Lebenden beneidet. Die Hölle kann nicht schlimmer sein.“

Hui, das war ausführlich. Aber, wie wir alle wissen, sind diese Voice-Over auch das ausführlichste, was italienische Endzeit-Filme aus den Achtzigern zu bieten haben.
Und dann geht’s auch schon los.

’Gewächshaus Joe’
Seine Bohnen aß der Tod
Wir sehen eine Armee von Gasmasken-Jockeys, die in den Ruinen einer zerbombten Stadt nach ’Schmarotzern’ sucht. Um jene aufzuspüren benutzen sie Geräte, die aussehen, wie Metalldetektoren (nur dass diese Menschen statt Metall aufspüren. Klar oder?). Unter den Flüchtigen ist auch Rush (laut Cover: Ein Mann wie ein Erdbeben), ein widerspenstiger Outlaw mit Ölfilm über dem gestählten Body. Letzterer nutzt ihm jedoch nicht allzu viel. Die Soldaten sacken auch ihn ein und stecken ihn ins Arbeitslager zum Unkraut jäten und Grubber schwingen. Doch Rush hat schon einmal eine Meute zum Widerstand geführt und nachdem alle Lager-Klischees abgearbeitet sind, heißt es schließlich auch hier: “Der Pöbel erhebt sich!“

Ohweh, ohweh.
Lager-Koller im Gewächshaus, Militär-Aufmärsche auf stillgelegtem Brauerei-Gelände, Moped-Action über idyllische Waldwege, Solar-Buggy-Rodeln durch Kiesgruben-Sets und Ballereien in der Höhle aus den Sandalen-Filmen mit Lou Ferrigno.

Übung...
Warum müssen die Italiener immer so übertreiben und sich dann doch nur lächerlich machen? Vielleicht liegt’s am Grappa oder am steten Zwang, in die Fußstapfen von Michelangelo treten zu müssen, wer weiß. Jedenfalls haben sie in den guten alten Achtzigern (neben einigen recht wertvollen Beiträgen) einiges an Genre-Blödsinn verzapft, den man weder ernst nehmen, noch gutgläubig konsumieren kann. ’Rush’ ist einer der unzähligen Trash-Guppies im Fahrwasser des ’Road Warriors’ und bietet zwar den oben aufgezählten Reichtum an P.A.-Örtlichkeiten, jedoch nichts, was diese befriedigend zusammenkitten kann.
In den Hauptrollen: Luigi Mezzanotte (’Thor – Der unbesiegbare Barbar’), Gordon Mitchell (’Der Mann mit der Kugelpeitsche’) und ein kleiner Glatzkopp in Reiterhosen.
In den Nebenrollen: Schlecht gekleidete Italiener/innen mit Milchpelle-artigem Strahlenbrand.
In den Filmrollen: Eine aufgesetzte Spaß-Synchro (“Lass die Knarre fallen!“ “Was scheißen werd ich dir!“), ein entfernt amüsantes Nonstop-Action-Gewitter zum Finale und eine mutierte Plasteratte.

“Ruhe oder ich beam dich in die Hölle, du Kröte!“

...macht den Meister.

’Ein Mann wie ein Erdbeben’? Der Spruch muss vor der ’Richter-Skala’ erfunden worden sein. ’Rush’ lässt gerade mal Götterspeise wackeln. Erschütternd ist lediglich die Einfallslosigkeit aller Beteiligten. Ich zittere, ich zittere.

Hudson