Return to Sleepaway Camp


‘Kids can be so mean.’


Originaltitel: Return to Sleepaway Camp (2008)
Regie & Drehbuch: Robert Hiltzik
Darsteller: Vincent Pastore, Michael Gibney, Paul DeAngelo FSK: 18


Robert Hiltzik hat in seinem Leben zwei Filme gedreht. Der erste war der allseits beliebte Kult-Slasher 'Sleepaway Camp' im Jahre 1983, der zweite war der fün...vierte Teil der daraus entstandenen Reihe, 'Return to Sleepaway Camp', ganze 25 Jahre später. Mit den anderen Sequels (Teil II & III mit Pamela Springsteen und dem nie fertig gestellten vierten Teil), die einen eher humorvollen, aber äußerst unterhaltsamen Weg eingeschlagen haben, hatte Hiltzik nichts zu tun.
Relativ groß war eigentlich die Vorfreude, 25 Jahre nach dem Original eine direkte Fortsetzung vom Regisseur und Schöpfer der Reihe selbst zu sehen. Sogar einige der alten Darsteller aus dem ersten Teil sind zurückgekehrt, um wieder in ihre alten Rollen zu schlüpfen, und man hatte vorab tatsächlich den Eindruck, dass einen hier ein Retro-Slasher mit 80s-Feeling erwartet. Wie nett.

Our heroes...

Die Realität sieht leider anders aus. In der Realität ist 'Return to Sleepaway Camp' leider genau das Gegenteil eines 'Retro'-Slashers mit 80s-Feeling. Der Film ist sogar ein ziemlich ideales Beispiel dafür, wieso wir diese Filme vor 20 oder 30 Jahren geliebt haben und die Exemplare von heute nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Sicher, es gibt ein paar Anspielungen ans Original. Sicher, ein paar der Kids sehen wirklich aus wie Nerds aus einem 80s-Teeniefilm. Sicher, man wollte an die Fans der alten Schule appellieren. Aber erreicht hat man nichts damit. Alles, was die Slasher-Streifen aus den 80ern (und glaubt mir, auch da gibt es reichlich schwarze Schafe) so liebenswert gemacht hat, wird hier nahezu vergewaltigt. Man will kaum glauben, dass 'Sleepaway Camp' Teil 1 und dieser Film den gleichen Regisseur und Autor haben, wenn man sich beide Filme im Vergleich ansieht. Wo der erste Teil zwar fluchende, stichelnde Teens und natürlich auch ein paar unsympathische Figuren hatte, hat er doch über eine Hand voll richtige Charaktere verfügt, die man am Ende des Tages irgendwie mochte. Klar, wir mochten die Kids nicht, die auf Angela rumgehackt haben.

Thanks for ruining the
character of Ricky for me
Aber zumindest haben wir dabei mit Angela gefühlt, und hatten ein paar Figuren, mit denen man sich identifizieren konnte. In ‚Return’ gibt es KEINEN, aber auch wirklich KEINEN Charakter, der auch nur HALBWEGS sympathisch ist. Und genau das ist das Problem, welches das Slasher-Genre heute im Vergleich zu damals hat. Waren die Figuren damals auch nur auch paar dumme Kids, hatten sie doch noch irgendwelche menschlichen Qualitäten. 25 Jahre später, und ich wage zu behaupten, dass die Slasherfilme sich hier trauriger Weise am echten Leben orientieren, sind die jungen Leute, die hier die Protagonisten geben, eine Bande widerlicher, unsympathischer Wichser, die man schon nach den ersten 5 Minuten auf die blutigste Weise sterben sehen möchte.

Für WEN sollen wir denn hier fiebern? Für Allen, den fettleibigen Vollspacko, der irgendwo zwischen Biff Tannen und Carrie White agiert? Vielleicht, würde er nicht den ganzen Film mit Weinen, Motzen und gemobbt werden verbringen, und vor allen Dingen, würde er sich nicht SELBST wie ein komplettes Arschloch allen anderen gegenüber verhalten (seine Catch Phrase ist „Your ass stinks!“).

YOUR ASS STINKS!
Oder etwa für die Kids, die ihn ärgern und in ihrer Freizeit gern Frösche häuten (seriously, what the fuck?!)? Der Tromaville Health Club hatte verdammt noch mal sympathischere Mitglieder als dieses Camp. (Und DIE haben Kinder überfahren.) Nein wirklich, selten hat mich ein Film mit seinen Figuren so sehr genervt, wie 'Return to Sleepaway Camp'. Dies ist der Grund, wieso Filme mit jungen Protagonisten früher funktioniert haben, und heute nicht mehr. Und es ist ja nicht so, dass das dritte Sequel zu 'Camp des Grauens' ein nihilistischer Streifen über eine kalte Welt ist. Es handelt sich hier um einen albernen Slasherfilm. Es gibt keinen Grund dafür, in einem Film dieser Art JEDEN Charakter zu einem Arschloch zu machen.

Die einzige Figur, auf dessen Seite man hier zwangsweise sein muss, ist der (anonyme ... hello, Angela!) Killer. Immerhin erleichtert er uns hin und wieder (allerdings viel zu selten) um ein paar der nervtötenden Blagen. Und wenn wir schon dabei sind, kommt man wohl nicht drum herum, ein paar Worte über die Morde zu verlieren. Wenn der Film so was wie ein Highlight hat, sind es wahrscheinlich die Kills.

At least it's better for your eyes
than watching this movie...
Das heißt leider noch nicht, dass diese viel taugen - aber sie lenken einen wenigstens für ein paar kurze Momente vom unerträglichen Rest des Films ab. Leider tritt der Killer nicht besonders oft in Aktion - wenn er es jedoch tut, gibt es zwei, drei Morde, die tatsächlich anschaulich gemacht sind. Der Küchengehilfe, der seinen Kopf ins brodelnde Fritteusenfett halten darf, ist ein schöner Special Effect und eine nette Anspielung an den Suppen-Pedo im ersten Teil (und ein schöner Diebstahl vom ‚Toxic Avenger’). Auch die nahezu klassische Mordmethode vom Käfig voller gefräßiger Ratten auf dem Kopf ist schön (wenn man denn nicht direkt wegschneiden würde). Der schönste Tod ist wahrscheinlich der finale Mord, welcher durch die Frosch-Szene quasi ge-foreshadowed wird (so ähnlich ging's auch Rikki-Hos kleinem Kumpel im Knast).

Ein weiterer großer Kritikpunkt, neben den zu wenigen Kills, ist übrigens, dass der Film keinerlei Nudity bietet. Wenn wir wenigstens ab und an mit ein paar nackten Brüsten für unsere Geduld entschädigt würden... Aber nein, es gibt nichts zu sehen. Zero breasts, zero ass. Die Mädchen, die allesamt nach den modernen Disney-Channel-Sitcoms aussehen, behalten ihre Kleidung zu jedem Zeitpunkt an. An dieser Stelle möchte ich noch mal ein Lob an 'Sleepaway Camp II: Unhappy Campers' aussprechen, der einen der höchsten Breast Counts in irgendeinem Slasherfilm überhaupt hat, und generell ein tausend Mal besserer Film ist, als dieser hier. Cheers, Sleepaway Camp II!

Macht euch keine Hoffnung. Die Bluse bleibt an.

Fazit: Das vielleicht Traurigste ist, dass dieser Film im Prinzip VERSUCHT, wie ein 80s-Slasher zu funktionierten, damit aber ein trauriges Zeugnis über unsere Zeit, die Jugend von heute und moderne Horrorfilme als solches ablegt. Ich hab auch nicht ganz verstanden, ob der Film trotz allem Over Acting ernst gemeint war, oder eine Parodie werden sollte. Das Ergebnis ist in beiden Fällen gleich peinlich und unangenehm. Ich hab keine Lust mehr. Spart es Euch einfach. Im Ernst. Seht Euch IRGENDEINEN Slasher aus den 80ern an, und er wird um ein Vielfaches besser sein, als 'Return to fucking Sleepaway Camp'. Die wenigen Gore-Effekte sind vielleicht nett, aber die gibt es auch irgendwo anders, und zwar mehr und besser. Die letzten 20 Sekunden mögen auch lustig sein, aber da ist eine Versöhnung leider schon viel zu spät. Ich hoffe Robert Hiltzik hat seine Lektion gelernt, und macht nie wieder einen Film außerhalb der 80er.



PS: Ach ja, ein Highlight gab es noch: Isaac Hayes hat eine Mini-Rolle als Chefkoch (*insert Joke Drum here*) des Camps, verschwindet aber so schnell, wie er gekommen ist.

PPS: Eines muss ich noch gestehen: Ich hab den Twist nicht kommen sehen. Auch wenn dieser Film einer der schlechtesten Slasher ist, die ich je gesehen habe ... aber da hatte er mich.



Spooner