Roller Blade


‘Skate or die!’


Originaltitel: Roller Blade (1986)
Regie: Donald G. Jackson Drehbuch: Donald G. Jackson & Randall Frakes
Darsteller: Suzanne Solari, Jeff Hutchinson. Shaun M. Davidson FSK: 18


“Die Stadt der verlorenen Engel. Das zweite dunkle Zeitalter.“

Joa, Endzeit, ne?

Genau, aber nicht irgendeine, sondern ’Produced, Photographed & Directed by Donald G. Jackson’ und wenn einem das nichts sagt, dann muss ich wohl mit zwei Stichwörtern kommen: ’Quak, quak!’
That’s right, folks! Der Regisseur der ’Frogtown’-Filme (selbst mehr oder weniger ergiebige Ausflüge ins Reich der Postapokalypse) schickte noch vor dem ’Hunter’ Sam Hell einen Haufen minderbemittelter Rollschuhfahrer in die verstrahlte Zone und machte einen Film daraus, der in Sachen Stümperei damals wahrscheinlich neue Maßstäbe setzte.
So… wo war ich stehen geblieben? Ach ja: Rollschuhfahrende Idioten. Ja, prima Synopsis. Könnte man so stehen lassen und niemand würde sich beschweren. Aber da ich’s bei solchen Träsch-Granaten immer ein wenig ausführlicher mache, gebe ich die Story mal in weiteren Sätzen wieder.

La chica bonita
In der nicht allzu fernen Zukunft nach dem 2. Weltkrieg liegt alles in Schutt und Asche. Autos gibt’s nicht mehr (das ganze Benzin hat wahrscheinlich Mad Max geklaut) und da (im Gegensatz zu allem anderen) die Gehwege noch intakt sind, haben sich die Überbleibsel der ehemaligen Zivilisationen dazu entschlossen, sich auf Rollschuhen fortzubewegen. In dieser Welt lebt der ’Kosmische Orden der Heiligen Klingen’, eine Nonnen-Kommune in seltsamen Gewändern und mit noch seltsameren Hüten. Solche Gestalten brauchen natürlich einen würdigen (sprich: ebenbürtig bekloppten) Gegenspieler. Enter the evil Saticoy, einer sprechenden Gummipuppe, die von Arne Elsholz (Tom Hanks und Bill Murrays deutscher Synchonstimme) vertont wird. Einer sorglos herumrollenden Blondine bietet dieses Kautschukvieh ein paar neue Batterien für ihren Walkman an, wenn sie im Gegenzug dazu ein paar Punks umlegt. Genau das tut sie auch, während in einer anderen, völlig sinnentleerten Szene einer Roller-Nonne die Kehle durchgeschnitten wird. Bevor ihr jetzt ’Zeter und Mordio’ schreit, lasst euch gesagt sein, dass kurz darauf Schwester Sharon, eine wundersame Heilerin herbeirollert, ihr Switchblade-Knife an die Wunde hält und spricht: “Durch diesen heiligen Stahl sollst du geheilt werden.“ Und mit einem magischen Tingeling und einem purpurnen Smilie, welches auf dem Bildschirm erscheint (i shit you not!) tritt dann tatsächlich die Heilung ein. (diese Szene wiederholt sich im weiteren Verlauf der Handlung noch ein um’s andere Mal). Die Blondine hat nun einen neuen Auftrag. Sie soll den Orden infiltrieren und einen magischen Kristall klauen, was ihr nach ein paar Switchblades und Rollschuhübungen dann auch schließlich gelingt.
Währenddessen schickt Saticoy ein paar andere maskierte Drömelköpfe los, um Chris, den Sohn von Marshall Goodman, einem tollen Endzeit-Bullen, zu entführen. Dieses Bürschchen ist angeblich eine Art Auserwählter und so machen sich Schwester Sharon und Marshall Goodman gemeinsam auf den Weg, um Chris und Kristall zu retten…

Na, alles noch locker flockig in der Birne oder qualmt’s schon?

Was zum... ?!
Wartet mal ab, bis ihr die dazu gehörigen Bilder seht, und euch wird richtig warm um’s Hirn! Zu einer Zeit, als selbst jeder Popelfilm noch auf Zelluloid gebannt wurde, griff Jackson zum damals brandneuen Medium Video. Das sieht zwar scheisse aus und macht absolut nix her, ist dafür aber umso billiger.
Bei einem Budget von angeblich 5000 $ ging natürlich alles für die Rollschuhe und das Catering drauf. Eine echte Ausstattung oder richtige Schauspieler sucht man hier vergeblich. In Nebenrollen sind immerhin Fred Olen Rays Muse Michelle Bauer und ihre ’Geheimnis des Grabmals vom Nil’-Kollegin Katina Garner zu sehen. Hin und wieder ein fesch-doofer Spruch (“Halt die Flatterbacken, du Affenfurz.“) und der Rest kommt von allein. Denn scheinbar war Donald G. Jackson nicht mal klar, wie albern es aussieht, wenn erwachsene Männer unbeholfen auf Rollschuhen herumeiern (von dem Typen, der den ganzen Film über einen Aldi-Einkaufswagen vor sich her rollert, fang ich gar nicht erst an).
Die dazugehörige Musik ist für das Jahr 1985 schon fast fortschrittlich, denn solche Klänge kennt man eigentlich nur aus Videospielen der frühen Neunziger.

“Ich fühl mich irgendwie berufen, Mann. Wir finden deinen Sohn und hauen diesen dreckigen Stinktieren auf die Nuss.“
“Möge der gütige Himmel unseren Kreuzzug schützen. “
“So banal kann man’s auch ausdrücken.“

KKK: The Cherry Years

Fazit: Dilettantismus Wow! Dass Jackson nach diesem Machwe… nein Naschwerk aus Puh je wieder einen Fuß in der Branche fassen konnte, ist ein Witz. Aber ein guter, denn mit ’Hell comes to Frogtown’ bewies er ein Jahr später, dass er’s auch anders kann. Aber ich schweife ab. ’Rollerblade’ ist mit Sicherheit eine der grottigsten Schotterfahrten durch 90 Minuten Nonstop-Blödsinn, an denen ich je teilhaben durfte. Jeder von euch dürfte wissen, wie er diese Information nutzen sollte.


Hudson