Robin Hood und seine lüsternen Mädchen



Originaltitel: Robin Hood und seine lüsternen Mädchen (1969)
Regie: Richard Kanter & Erwin C. Dietrich
Drehbuch: Richard Kanter & Lawrence Morse
Darsteller: Ralph Jenkins, Heidi Frey, Bambi Allen FSK: 18


Yeah, those blokes again...

“Und morgen, wenn er ein großes Fest für alle seine Getreuen gibt, um Robin Hoods Gefangennahme zu feiern, hängen Marian und ihr Vater trotzdem am Galgen.”
“Heute Abend schon hängen sie, oder?”
“Ich glaube morgen erst.”
“Hmmm.”

'Robin Hood und seine lüsternen Mädchen' zählt zu den frühen Werken von Schweizer Sleaze-Fabrikateur Erwin C. Dietrich, der im Zeitraum von 1968 bis 1983 mehr als 40 Erotikstreifen (darunter vielversprechende Titel wie 'In 80 Betten um die Welt', 'Gefangene Frauen - Nackt hinter Gittern', 'Die Blonde mit dem süßen Busen' oder die allseits beliebte 'Sechs Schwedinnen'-Reihe) abgedreht hat. Da der Film zwei Regisseure hatte und noch dazu eine deutsch-amerikanische Co-Produktion war, bin ich mir zwar nicht ganz sicher, wieviel tatsächlich von Dietrich stammt - ich schätze aber, dass es in erster Linie sein Film war. Nach dem Russ Meyer und die Nudie-Welle in den 50er Jahren das Tor für nackte Haut auf der Leinwand geöffnet hatten, sahen die glorreichen Filmemacher dieser Zeit es offenbar als ihre Pflicht an, auch sämtliche literarischen und klassischen Figuren im Exploitation-Gewand neu aufleben zu lassen (wir werden innerhalb dieser Reihe noch einige dieser Kandidaten unter die Lupe nehmen).

Man beachte das Leitmotiv der Verführung...

Wer sich nun eine ausführliche Inhaltsangabe wünscht, dem kann gesagt sein, dass man der Vorlage hier größtenteils treu geblieben ist. Robin Hood, der als junger Knabe den Anschlag von Prinz John auf seine Familie überlebt hat, führt mit seiner versauten Bande fernab des Gesetzes ein schönes Leben im Wald. Prinz John, der die Rückkehr seines Bruders Richard auf den Königsthron fürchtet, möchte das von Robin erbeutete Gold bekommen, um so eine Armee gegen seinen Bruder aufstellen und sein Terror-Regime weiterführen zu können. Um Robin eine Falle zu stellen, schickt er seine damalige Geliebte Marian als Lockvogel in den Wald. Als die Beiden in einen Hinterhalt geraten, wird Marian in den Folterkeller verfrachtet und es kommt zum Showdown. So viel in der Kurz-Version. Denkt euch haufenweise Brüste dazu.

... es zieht sich wie ein roter Faden durch den Film...

Die größte Überraschung beim Betrachten von 'Robin Hood und seine lüsternen Mädchen' ist, dass dieser Film sich tatsächlich relativ ernst nimmt, während man beim Titel Klamauk in Reinkultur erwartet. Die Story wird straight gespielt und obwohl sie mit Sex (& sogar einer Prise Gewalt) gewürzt wird, selten so albern, wie der erste Blick vermuten lässt. Auch die Akteure (die meisten haben ihre filmische Laufbahn mit diesem Film sowohl begonnen als auch beendet) spielen wahrlich um ihr Leben. Zwar macht das Geschehen stellenweise großen Spaß, doch sollte man keine völlige Klamotte erwarten. Komödiantische Szenen sind, vor allem unter Robins Gefolgsleuten, allerdings trotzdem vorhanden. Die lustigste Stelle ist wohl, wenn Bruder Tuck allein im Wald steht und stöhnt, bis plötzlich eine nackte Blondine unter seiner Kutte hervorkriecht, die er mit den Worten "Führe immer den Namen des Herren im Munde!" verabschiedet. Hm ja, was sagte ich vorhin über 'ernst nehmen'? Ein weiterer heiter-trashiger Moment ist zum Beispiel die erste Szene mit Robin und Little John, die sich beim Stock-Fight anfreunden. Keiner der beiden sagt ein Wort, beide lachen sich bloß debil an und bekämpfen sich mit Stöcken. Das ist wahre Männerfreundschaft!

...und zwar in all seinen Facetten!

Doch nun zum wichtigen Teil. Kein Review der Filmflausen-Sleaze-Saga wäre vollständig, ohne einen genaueren Blick auf die, nun ja, unziemlichen Elemente des Films zu werfen! Und da haben wir tatsächlich einen Volltreffer gelandet. Dafür, dass dieser Film von 1969 ist, geht's ganz schön zur Sache und es werden mehr Melonen ausgepackt als beim örtlichen Obsthändler. Neben zahlreichen Szenen mit Robin (Ralph Jenkins - der übrigens eher nach Ross Antony aussieht, als nach Robin Hood und dessen einziger anderer Filmcredit im fast 10 Jahre später erschienenen Pornostreifen 'Desires Within Young Girls' auftaucht) und seinen nackerten Gespielinnen, wird von Seite der Bösen vergewaltigt was das Zeug hält (was den Comedy-Faktor zwar doch irgendwie mindert, für Exploitation-Freunde aber nicht weniger unterhaltsam sein dürfte) und zum Finale hin wurden meine Erwartungen in einer ausgiebigen Women-in-Prison-Szene sogar übertroffen. Wie aus dem Nichts fährt der Film hier das volle Programm auf. Wenn Marian ins Verließ kommt, gibt es Lesbian Bimbo-Folter in Chains Deluxe. Ihre Gegenspielerin (die übrigens nur noch in Lederstrapsen rumläuft) kettet sie nicht nur nackt an, sondern bindet sie auch längs über eine Nagelwand, um sie dann mit einer Feder zu kitzeln. Die gesamte Sequenz ist Exploitation pur und ein unverhofftes Fest für die, die sie zu schätzen wissen. Dee Lockwood (die im gleichen Jahr noch 'Das geheime Sexualleben von Romeo und Julia' und 'Die Liebesorgien des Heinrich VIII.' drehte - sie war wohl auf historische Sex-Retellings spezialisiert) als Marian ist nebenbei auch die hübscheste unter vielen hübschen Darstellerinnen in diesem Film - mit ein bisschen mehr Oberweite könnte man sie beinahe mit Uschi Digard vergleichen. Sonstige Register die im Sleaze-Repertuar gezogen werden umfassen übrigens Ritter-Rape, übers Knie legen (nackt), Strip-Orgie, ein bisschen Girl on Girl und Schambehaarung en masse.

Join the Sherwood Forces!

Fazit: 'Robin Hood und seine lüsternen Mädchen' macht als exploitative Robin Hood Variante schon Einiges her, ist durch seine etwas unausgegorene Stimmung (die wenigen Slapstick Elemente passen kaum zum insgesamt ernsteren Ton des Films) und wenige Spannung ausserhalb der Nacktszenen nicht völlig überzeugend. Auf der Sleaze-Skala vergebe ich 8,5 Punkte - fürs Filmvergnügen als Solches ist das aber nicht ganz drin. Jeder, der ein offenes Herz (oder eine offene Hose) für Filme dieses Schlages hat, sollte es trotzdem wagen.



PS:

Das hier ist tatsächlich der erste Film,
bei dem ich einen Credit für 'Geräusche' sehe!


Spooner