Truck Driver


‘One game kills time - The other kills people!’


Originaltitel: Road Games (1981) Regie: Richard Franklin
Drehbuch: Everett De Roche & Richard Franklin
Darsteller: Stacy Keach, Jamie Lee Curtis, Marion Edward FSK: 12


’Truck Driver’ - Da werden Erinnerungen wach. Die späten Achtziger. Der erste Videorekorder im Haus. Eltern fort. Schwester zum Spielen in die Ecke gesteckt und ran an die Glotze. ’Truck Driver’. Kein Film für Buben mit Entchen auf der Schürze. Ich hatte ein Batman-Tanktop. Los geht’s.

Er ist kein Truck Driver und das ist kein Hund.

Pat Quid (Stacey Keach) fährt Trucks durchs australische Outback. Das heißt aber nicht, dass er ein Truck Driver ist, wie er all jenen weismachen will, die er auf der Kutsche mitfahren lässt. Und normalerweise nimmt er ja auch niemanden mit. Aber Pat hält sich kaum an seine eigenen Regeln, wenn die Langweile auf der Straße seinen Schädel zu sprengen droht. Selbstgespräche und Spinnereien nicht mitgerechnet, hat Pat einfach zu viel Fantasie. Da kommen Gerüchte um einen Serienkiller, der das Outback zur Zeit angeblich unsicher macht, gerade recht. Schon hat Pat den ersten Verdächtigen ausgemacht. Ein Mini-Van-Besitzer, der ihm eine schnuckelige Anhalterin und das letzten freie Motel-Ztimmer meilenweit wegschnappt. Bald verdichten sich die Hinweise und Pats Fantasie schlägt Haken. Bei der jungen Anhalterin Pamela (Jamie Lee Curtis) stoßen seine wilden Spekulationen zunächst auf Interesse, doch dann ist auch sie verschwunden und plötzlich steht Pat auf der Liste der Mordverdächtigen ganz oben…

Der Ursprung des "Andere Saiten aufziehen"-Spruches?

Ein irrer Garotten-Killer, das trostlose Outback Australiens und das damalige Genre-Babe Jamie Lee Curtis in der weiblichen Hauptrolle… Man könnte meinen, bei ’Truck Driver’ handele es sich um einen waschechten Slasher mit Road Movie-Allüren. Doch diese Kategorisierung täte dem Film großes Unrecht.
’Road Games’ (so der mal wieder viel passendere Originaltitel), wird oft als “’Das Fenster zum Hof’ im Truck durchs Outback“ bezeichnet und dieser Vergleich trifft es schon eher, nicht zuletzt weil Regisseur Richard Franklin (der zwei Jahre später ’Psycho 2’ inszenierte) ein großer Hitchcock-Fan war. Franklin legt keinen Wert auf derbes Bildschirm-Gemetzel und plumpes Blutvergießen. Der Zuschauer wird im Bezug auf die Zuverlässigkeit der Spekulationen des Truck Drivers im Dunkeln gelassen. Was genau haben wir geglaubt dort zu sehen? Ist der durch Isolation und Hirngespinste geplagte Driver längst über den Rand der Zurechnungsfähigkeit geschlittert? Bis zum Puls hochtreibenden Finale bleibt uns der Film die Antwort schuldig.

"Ich glaube nicht, das Stacy ein Männername ist."
"Na und? Meinst du Jamie, Lee und Curtis sind Frauennamen?"

Stacy ’Mike Hammer’ Keachs grandiose Performance, Franklins straffe Inszenierung, die atmosphärische Fotografie von ’Long Weekend’ Kameramann Vincent Morton und die tolle Musik von Aussie-Komponist Brian May (’Mad Max 2’) verpassen ’Road Games’ die Klasse, die ihn zum (zu Unrecht übersehenen) Ausnahme-Thriller machen. Eine kleine Oase von Charakterspiel, dichter Atmosphäre und blanker Spannung in der Wüstenlandschaft ewig gleicher Slasher von der 80er-Stange.


Hudson