The Riffs III - Die Ratten von Manhattan


‘Mutants of a nuclear disaster’


Originaltitel: Rats - Notte di terrore (1984)
Regie: Bruno Mattei & Claudio Fragasso
Drehbuch: Claudio Fragasso, Bruno Mattei & Hervé Piccini
Darsteller: Ottaviano Dell'Acqua, Geretta Geretta, Massimo Vanni FSK: 18


“Wo sie aufkreuzen geht der Tod mit ‘ner mächtig großen Harke durch.” Na und wo solche Trailer-Sprüche walten, sind Endzeit-Junkies kaum zu halten! ’Riffs III’ hat nichts mit den beiden ’Riffs’-Filmen zu tun, sondern wurde vom deutschen Verleih einfach umbenannt (O-Titel: ’Rats: Night of Terror’). Was dabei herauskam, lest ihr hier.

Am Ende aller Dinge, nach der Atombombe:

Endzeitsport: Public Popping
Auf der Suche nach Futter und einer halbwegs sicheren Unterkunft, findet eine (nennen wir sie ’intellektuell benachteiligte’) Biker-Gang ein Lager mit Lebensmitteln (Zucker, Mehl, Videospiele) und toten Leuten. Das Gebäude offenbahrt sich als Laboratorium, in dem geforscht wurde, um ein Leben auf der nuklear verseuchten Erde möglich zu machen. Im Keller wachsen alle möglichen Pflanzen, die von destilliertem Regenwasser versorgt werden. (Na Mensch, haben die echt ’ne Biohazard-Distille erfunden?) Die anfängliche Freude verpufft bald, als klar wird, dass der Ort vor mutierten Ratten wimmelt, die sich allgemach an den Eindringlingen gütlich tun…

Bruno Mattei. Wenn ich diesen Namen lese, muss ich zwangsweise an die grottigsten Italo-Schlocker der letzten 30 Jahre denken. Sei es sein ’Aliens’-Rip Off ’Contaminator’ oder der ’Predator’-Verschnitt ’Roboman’, der Mann würgt einen solch unglaublichen Sondermüll hervor, dass einem bei allzu tiefschürfender Betrachtung ganz anders werden kann. Dass hier auch noch ein Script von Claudio ’Troll 2’ Fragasso vorliegt, sagt eigentlich mehr, als 1000 Worte kundtun könnten.
Trotzdem: Die Idee, Tierhorror mit Endzeit zu vermischen, finde ich persönlich gar nicht so bescheuert. (Na gut; ich finde sie bescheuert, aber ’bescheuert’ heißt ja oft auch unterhaltsam!)
Da gibt es zum Beispiel eine Szene, in der ein sturzbesoffener Typ in einem Gulli nach seiner Pulle angelt, als plötzlich eimerweise Ratten aus dem dritten Stockwerk gegenüber auf ihn fallen. Kurz darauf wird seine Beischlaf-Lady im Schlafsack von den Nagern vernascht, nur weil sie das Camping-Utensil nicht aufbekommt. Dann kommen auch schon ihre Gefährten und werden gerade noch Zeuge davon, wie ihr eine Ratte aus dem Mund kraucht und ein weiterer (von den Viechern überschwemmter) Kumpan zur Tür hereinstürzt und schreit: “Töte mich!“. Da lässt sich der Mann mit dem Flammenwerfer (!!!) natürlich nicht lang bitten. Was ich euch damit sagen will?

Mund auf; Augen zu!
Okay, noch ein Beispiel: Als die nervigste Figur des Films in einem ihrer gefühlten 265 Panikanfälle zum einzigen nicht verriegelten Fenster rennt und mit ihrem Gekreische dutzende Ratten anlockt (die ihr natürlich ins Gesicht fliegen!), wird die dem Wahnsinn nahe Rockerbraut von den Untieren befreit, wieder eingedeckt und wieder befreit und dann das Fenster blitzschnell vernagelt, nur um 2 Sekunden später mit etlichen Ladungen aus der Schrotflinte perforiert zu werden (schließlich sind da ja immer noch Ratten!) Na, mitgeschnitten?
Ja! Der Film ist so dämlich, dass man pausenlos auf dem Teppich hin und her kugelt und viel zu sehr damit beschäftigt ist, den Lachdrang unter Kontrolle zu bekommen. Hinzu kommen die Mattei-üblichen Szenen-Klaus aus bekannten Genre-Filmen (hier mal wieder ’Aliens’) und Charaktere, die hust*archetypische*hust Namen wie King, Chocolate, Taurus, Video und Lucifer tragen.
Die Darsteller teilen sich auf in hysterisch schreiende Weiber und Testosteron-gesteuerte Alpha-Männchen, die neben einer üppigen Haartracht, Nieten-Kleidung und zuckenden Gebärden vor allem eines verbindet, nämlich die lustige Tatsache, dass sie von den Ratten nicht nur gefressen, sondern auch locker an die Wand gespielt werden.

Die Holländer und ihre Lagerfeuer...

"Aber wir wollten doch nur nach Coney Island!"

Synthie-Sounds aus ’Dr. Phibes’ verrosteter Spuk-Orgel, idiotische Dialoge, ’interessantes’ Katakomben-Setting, amateurhafte Splatter-Einlagen und ein Ende, das mir einen stürmischen Applaus abrang, ergeben einen depperten und deshalb (jedoch auch nur deshalb) unterhaltsamen Genre-Mix. Natürlich nur auf dem, unter Trash-Fans beliebten, Kopfschüttel-Niveau.
Aber warum ausgerechnet immer irgendwelche hirnlosen Biker-Banden den Atomkrieg überleben, muss mir irgendwann mal jemand erklären.

Hudson