The Riffs II - Flucht aus der Bronx



Originaltitel: Fuga dal Bronx (1983)
Regie: Enzo G. Castellari Drehbuch: Tito Carpi & Enzo G. Castellari
Darsteller: Mark Gregory, Henry Silva, Valeria D'Obici FSK: 18


“Verlassen sie die Bronx. Tragen sie sich ein für ein neues Zuhause im zauberhaften New Mexico!“

Zynisch? Na dann wartet mal auf die Ansage, die folgt, nachdem der Brutaltrupp die ersten Leichen aus unserem Lieblingsghetto schleift:

“Verlassen sie die Bronx. Leisten sie unseren Anweisungen Folge und verlassen sie die Bronx. Dieser Stadtteil ist unbewohnbar und wird abgerissen. Sie haben nichts zu befürchten. Verlassen sie ihre Wohnungen. Verlassen sie ihre Wohnungen. Die Regierung stellt ihnen neue komfortable Wohnungen zur Verfügung. Sie werden gebeten, die Bronx zu verlassen und sich in die Listen einzutragen. Gehen sie zu den Sammelstellen und lassen sie sich eintragen. Verlassen sie die Bronx! Leisten sie unseren Forderungen Folge und VERLASSEN SIE DIE BRONX! JEDER WIDERSTAND IST SINNLOS!“

Heißer Typ mit Tiger im Tank

Die Jungs von der Regierung meinen es ernst und zwar mit Schmackes und ’nem Flammenwerfer. Die Bronx soll geräumt werden, weil der skrupellose Konzern ’General Constructions’ das ganze Viertel aufgekauft hat, um dort ein konsumträchtiges Utopia aufzubauen. Aber nichts da, ihr Pappköppe, die Bronx ist immer noch in der Hand der Gangs, die sich leider mittlerweile in die Kanalisation zurückgezogen haben.
Unter ihnen verweilt auch Trash, Anführer der ’Riffs’, der ehemals heißesten Streetgang in ganz fuckin’ New York. Naja, bis sie in Teil 1 völlig ausgelöscht wurde.

Macht seinem Namen alle Ehre:
TRASH!
Trash ist den Beat ’em up-Beamten schon ein Begriff, deswegen greifen sie zu ganz fiesen Methoden und fackeln gnadenlos seinen Vater (Romano Puppo, ’Sinbad – Herr der Sieben Meere’) und seine Mutter ab. Das schreit nach Rache. Doch allein ist Trash (den alle ’Träsch’ nennen) aufgeschmissen. Er muss die verstreuten Banden vereinen und gegen die Staatsmacht anführen. Dabei erhält er Hilfe von der Fotoreporterin Moon Grey, die dem ganzen Schindluder längst auf der Spur ist und auch schon die UNO informiert hat (uuuuuuh).
Gemeinsam kommt man auf einen irren Plan: Der Präsident der General Construction Company soll entführt werden. Um dieses Wahnsinnsunternehmen anzugehen muss ein Fachmann her: Stryke (Giancarlo Prete, ’Tag des Falken’), der Einbrecherkönig unter den Tunnelratten. Doch auch ’General Constructions’ hat einen Superschleifer im Gepäck, den mörderischen Wrangler (Henry Silva) und der will die Ratten ein für allemal aus der Bronx raus haben…

Peng! Peng! Wieder einer weniger. Jeder Schuss ein Treffer. Das heißt, wenn er aus Trashs Wumme kommt. Der zielt nämlich so gut, dass er im Laufe der Handlung viele Frauen zu Witwen und noch mehr Kinder zu Waisen macht.

Maggie Messer
Selbst Schuld. Warum müssen sich die feinen New Yorker Herrschaften auch in auffallende Silber-Anzüge pressen, die Rübe unter einem anonymen Motorrad-Helm verstecken und sich mit allerlei Schießgewehr von einem Sadisten durch die Bronx schleifen lassen (“Unsere Spezialität ist der Terror!“). Das kann ja nur schiefgehen und zwar oft auf die brutalst mögliche Weise. Zimperlich geht Enzo G. Castellari (’Last Jaws’) auch im zweiten Teil seiner Bronx-Saga nicht zu Werke. Dem trashfesten Zuschauer wird über 80 Minuten ein blutgetränktes Ghetto-Gemälde mit explosiven Action-Motiven präsentiert, dessen Body Count locker die 150er-Marke knackt. Hier wird geballert und geknallert und geschossen und Blut vergossen, bis die nächste Minute beginnt und der gleiche Zirkus von vorne losgeht. Langweilig ist die Chose dabei fast nie. Hier und da mal ein paar Hänger, das kann ein Film mit solchen Eiern locker wegstecken. Sympathische Gestalten mit flockiger Haarpracht dienen uns als Dreh- und Angelpunkt, Henry Silva glänzt als Bösewicht und auch Deutschlands Synchro-Elite ist wieder am Start (T. Danneberg spricht H. Silva, M. Lehmann spricht ’Stryke’ und A. Elsholz spricht so ziemlich jeden zweiten Angestlellten der GC-Corporation).

Apocalympics

Fazit: Extrabreites Vor-Endzeit-Gangspektakel, das sich wohltuend vom üblen Einerlei der postapokalyptischen Wüstenreißer abhebt und mächtig auf die Tube drückt, wenn’s um fiese Feuergefechte, fetzige Mucke, Ghetto-Lokal-Kolorit und voluminöse Frisuren geht. Die Empfehlung geht an jeden Action-Liebhaber mit Trash-Resistenz und die Randgruppe der Endzeit-Narren. Kein Quatsch, das Teil fetzt ohne nenneswerte Abstriche!


Hudson