Die Rache der Eierköpfe


‘It's time for the odd to get even!’


Originaltitel: Revenge of the Nerds (1984) Regie: Jeff Kanew
Drehbuch: Jeff Buhai, Tim Metcalfe, Miguel Tejada-Flores & Steve Zacharias
Darsteller: Robert Carradine, Anthony Edwards, Timothy Busfield FSK: 16


“Bist du kurzsichtig oder weitsichtig?“
“Kurzsichtig.“
“Genau wie ich. Wollen wir die Brillen tauschen?“

Für Lewis und Glilbert soll auf dem Adamson-College ein neues Leben beginnen. Doch Lewis und Gilbert sind waschechte ’Nerds’, Strebertypen, wie sie im Buche stehen. Das äußert sich zuallererst in ihrem Erscheinungsbild:

Nerd Alert!

Kaum angekommen, werden die beiden schon Opfer der ersten ‘Scheißer! Scheißer! Scheißer!’-Sprechchöre aus dem Mund des lokalen Prollkrautstampfers Ekel (Donald Gibb) und seinen biersaufenden Alpha-Beta Verbindungs-Kumpanen (u.a. Ted McGinley). Herzlich willkommen am Campus! Das erste, was im neuen Zimmer angebracht wird, ist ein Poster vom C64. Doch die Idylle soll nicht lange halten.
Nach einem schief gegangenen Supersprit-Feuerball-Fun-Spektakel brennt das Verbindungshaus der Alpha-Beta Fratboys nieder. Da bald ein neues Spiel ansteht und Coach Harris (John Goodman) seine Athleten nicht im Freien übernachten lassen kann, wird ein Ansturm auf die Quartiere der Freshmen angezettelt. Eine Montage später sind die alten Bewohner unter erneuten “Scheißer! Scheißer! Scheißer!“-Rufen gewaltsam entfernt und finden ihre neue Unterkunft in einer Sporthalle. Der einzige Ausweg: Eine Mitgliedschaft bei der Verbindung. Darauf haben die Bölkbratzen von Alpha-Beta nur gewartet. Gnadenlos werden Lewis, Gilbert und ihre Kumpis zur Minna gemacht, bis die Jungs endgültig die Schnauze voll von der Schikane haben und zurückschlagen… auf ihre Art.

Jefferson, Dan & Jackson - The Early Years

“Kau mir kein Ohr ab, du Sack. Na klar kannst du deine Schmetterlingssammlung mitnehmen. Die will keiner hier sehen!“

Ach schön. ’Revenge of the Nerds’ ist ein Paradebeispiel für die College-Komödie und nach ’Animal House’ einer der witzigsten Vertreter seiner Gattung. Sympathische Eierköppe (nur echt mit Hornbrille, geschmierten Haaren und der Hose bis unter die Achseln gezogen!) und astreine Sperrmüllliesen (zu dick, zu groß, zu haarig, einfach fantastisch!), gelungene Gags jedweder Machart und egal welchen Niveaus, sowie der charmante Kampf der scheinbar Unterlegenen gegen die Diktatur der Arroganz machen den Film zu einer echten Perle. Die Besetzung ist erstklassig, bis hin in die kleinsten Nebenrollen (James Cromwell, Bernie Casey).

Smart minds, stupid faces.
Die Auswahl an Nerds ist geradezu atemberaubend. Vom tuntigen Schwarzen, über den hässlichen Musiker, den trotteligen Japaner, den popelnden Kiffer bis hin zum minderjährigen Wunderkind werden alle Streber-Klischees bedient (und darüber hinaus auch noch mit witzigen Namen a la ’Arnold Parkdackel’ versehen). Auf der anderen Seite gibt’s urigen Waldschrat-Charme in Form von ’Bloodsport’-Brösel Donald Gibb und Schönling-Schecken, dargestellt von ’Jefferson D’Arcy’ himself, Ted McGinley, der wie kein zweiter einen Pullover um die Schultern schlingt.
So unterschiedlich die Nerds und Jocks im äußeren Erscheinungsbild auch erscheinen, schaut man hinter die Fassade, ähneln sich die Vögel in punkto Freizeit-Aktivität doch ungemein. Zunächst einmal sieht man die Nerds kaum bei echten Nerd-Aktivitäten (abgesehen von einer Szene in der Anthony Edwards mittels derbem Hacken auf einer Tastatur eine Animation für seine Herzdame zimmert, ’s klar, ’ne?). Letztenendes sieht man aber beide Fraktionen meist nur beim Saufen und Spaß machen. Kommt schon, Leute. Vertragt euch und fetet einfach zusammen!
Highlight für uns Teutonen ist übrigens ein mal mehr die deutsche Synchro, die mit ihren grenzdebilen Sprüchen bei Flausköpfen und Brüllaffen gleichermaßen gut ankommt. Und wenn bei mir eines Extrapunkte gibt, dann ein Titeltrack, der den Namen des Filmes im Refrain hat:

“Beautiful people, haven’t you heard. The joke’s on you. It’s Revenge of the Nerds! It wont be long. Mark my words. The time has come. It’s Revenge of the Nerds!“

RIEWÄNSCH!

Fazit: Nicht nur ein Film für alle Streberleichen, die auf ein langjähriges Martyrium durch Sportasse und die (angeblich) coolen Leute zurückblicken. ’Die Rache der Eierköpfe’ ist schlicht und einfach witzig genug, um die meisten darauf folgenden (und oft aalglatten und versucht hippen) Neuauflagen späterer Dekaden in den Turnbeutel zu stecken. HarHarHarHar.


Hudson