Retroactive - Gefangene der Zeit


‘On a lonely Texas road, time, space and murder are about to collide.’


Originaltitel: Retroactive (1997) Regie: Louis Morneau
Drehbuch: Michael Hamilton-Wright, Robert Strauss & Phillip Badger
Darsteller: James Belushi, Kylie Travis, Shannon Whirry FSK: 16


Bad, Bad Belushi
Stell' dir vor, du könntest in der Zeit zurückreisen und irgendein verpfuschtes Kapitel in deinem Leben wieder hinbiegen. Bei diesem Angebot gibt es zwei Gruppen von Menschen. Die erste sitzt schon in der Zeitschleuder und fragt, wo der dicke rote Knopf ist. Die zweite legt den Kopf zur Seite und ermahnt die Übereifrigen zur Vorsicht: „Das kann nur in die Hose gehen. Mit der Zeit spielt man nicht.“

Und im Fall von 'Retroactive' hätte die zweite Gruppe recht, soviel kann verraten werden, doch Zeitreiseingenieur Brian (Frank Whaley 'Plup Fiction') und Polizeipsychologin Karen (Kylie Travis, die in den 90ern mit Carrie Ann Moss in 'Models Inc.' um die Wette zickte) wissen's besser.
In der Texanischen Wüste arbeitet Brian in einem abgelegenem Labor (Lagerhalle), in dem er das Zeitreisen an Ratten testet. Das war bisher eher erfolglos, warum der Laden auch dicht gemacht werden soll. Er ist der Letzte, der dann das Licht ausmacht. Doch da geschieht es:

Auch kein Mauerblümchen:
Kylie 'Kickass' Travis
Eine Ratte reist zurück in der Zeit, ganze 20 Minuten. Zur gleichen Zeit setzt Karen, die nach einem misslungenen Geiseldrama von Chicago in ihre Heimat Texas zurückkehrt, ihr Auto gegen ein Billboard. Die Karre is hin und ausgerechnet Frank (James Belushi) und sein Frauchen Rayanne (Nastassja-Kinski-Double Shannon Whirry) gabeln sie in der Einöde auf. Man muss keine Psychologin sein, um zu merken, dass es zwischen Frank und Rayanne kriselt. Allein Franks Sideburns haben einen Credit für sich verdient und sind der beste Hinweis dafür, was für ein schlimmer Finger er ist. Außerdem sah man ihn einige Minuten zuvor in der Wüste ein krummes Ding abziehen und nun muss die Kohle dafür von einer nahegelegenen Tankstelle besorgt werden. Als chauvinistischer Choleriker mit einer vorlauten Studierten auf der Rückbank sowieso kurz vor der Explosion bringt der Polizist, der ihn wegen überhöhter Geschwindigkeit anhält, das Fass schon an die Grenzen des Fassungsvermögens. Als er dann an der Tanke Beweisfotos für die Affäre seiner Frau mit dem lokalen Mexikaner (Jesse Borrego 'Blood in blood out') erhält, schwappt's über und Rayanne muss sterben. Karen kann in die Wüste fliehen und stolpert in Brians Zeitreiselabor. Als sie von der Wundermaschine erfährt, hat sie eine Super-Idee. Sie überredet Brian, sie zurückzuschicken, um „alles wieder gut zu machen“. Und damit beginnt der Ärger. Es ereignen sich die immer gleichen zwanzig Minuten, und obwohl Karen mit ihrer Erinnerung zurückreist, gelingt es ihr nicht die Situation zu retten, ganz im Gegenteil. Mit jedem Versuch wird’s schlimmer, bis zu einem vorläufigen Finale, bei dem die Tankstelle explodiert.

Ein echter Nerd lässt sich in
Stresssituationen auch nicht
von einer offenen Bluse ablenken
Regisseur Louis Morneau, der uns mit Perlen wie 'Bats – Fliedende Teufel' und 'Carnosaurus - Attack of the Raptors' beschenkte, lieferte hier eindeutig seinen besten Streifen ab, einen spannenden und teilweise sehr komischen Höllentrip mit soliden Schauspielleistungen und passablen Effekten (Das Bild dreht sich spiralisch hinter einem Farbfilter, wann immer gezeitreist wird). Effekte braucht's auch nicht, um die Geschichte zu erzählen, denn die spielt sich auf der Straße ab. Belushi als sexistisches Großmaul steckt natürlich alle in die Tasche und mit Tankstellenwart M. Emmet Walsh ist ein waschechtes Hollywood-Urgestein an Bord. Sehr löblich finde ich den Zug, dass dem Zuschauer unnötiger Science-Speak erspart wird. Zeitreisen funktioniert und damit basta. Das Spiel von Kylie Travis wirkt bisweilen etwas holzig, aber sie hat das Schauspielern auch vor mehr als zehn Jahren aufgegeben. Die Synchro ist 90er-Standard bis auf die Stimme von Whaley, die einfach nicht passen will.


Frollein Müller