Resident Evil


“From the Director of Mortal Combat and Event Horizon.
A secret experiment. A deadly virus. A fatal mistake.“


Originaltitel: Resident Evil Regie & Drehbuch: Paul W. S. Anderson
Darsteller: Milla Jovovich, Michelle Rodriguez, Colin Salmon FSK: 16


Im ’Umbrella’ Labor ist der Teufel los. Ein tödliches Virus wird offenbar mutwillig freigesetzt und lässt den Supercomputer des Labors, genannt Red Queen’, sofort alle Sicherheitsmaßnahmen vollziehen. Kurzerhand wird die gesamte Belegschaft aus Kontaminationsvorbeugungsmassnahmen eliminiert.

Crash, Boom, Klirr...
Dann sind wir auch schon im vertrauten Herrenhaus des Videospiels. Doch was ist das? Kein Chris, keine Jill, nein eine gewisse Alice (Milla Jovovichist) ist unsere Protagonistin. Die hat ihr Gedächtnis verloren und gerade mal zwei Minuten Zeit, sich in dem sterilen Anwesen umzuschaue(r)n, da kommen auch schon die Truppen (leider nicht die S.T.A.R.s), und schleppen sie in einen geheimen Bahnhof unter der Villa. Von hier aus geht es zum Untergrundkomplex der Umbrella Corporation, dem sogenannten ’Hive’.
Dort angekommen erleben die harten Jungs und Mädels eine böse Überraschung. Alle von der ’Red Queen’ getöteten Angestellten wurden durch den sogenannten T-Virus reanimiert und schlurfen jetzt als hungrige, aggressive Untote durch die Gänge des gesamten Komplexes. Und auch die ’Red Queen’ hat einiges gegen das Eindringen in ihre heiligen Hallen einzuwenden. Eine wilde Hatz beginnt…

…oder wenigstens das, was ’Videospiel zu Film’-Verwurster Paul W.S. Anderson darunter versteht. Nach der zerfrästen ’Mortal Kombat’ Verfilmung gelang es ihm tatsächlich, Regie und Drehbuch-Lizenz zu den äußerst populären ’Resident Evil’ Spielen in die unegalen Griffel zu bekommen. Und das, obwohl Altmeister George A. Romero bereits ein mehr als brauchbares Script verfasst hatte und selbst für die Regie zur Verfügung stand.

Schlürf, Tock, Sabber...
Hm, mal sehen, lieber Bernd Eichinger (Produzent), wie sie entschieden haben:
Auf der einen Seite eine Ikone des Horrors, der den modernen Zombiefilm Ende der 60er quasi erfunden hat, Genre Klassiker wie ’Die Nacht der lebenden Toten’ und ’Zombie’ auf dem Kerbholz hat und ein Script schrieb, das sich auch noch korrekt an Story und Charaktere des Spiels hielt und somit alle Fans befriedigt hätte … oder … ein grünschnäbliger Hippster, der schon ein Videogame Franchise in den Sand gesetzt hat, eine offensichtliche ’Style over Substance’ Attitüde an den Tag legt und ein 0815/’Aliens’ Ripoff- Script zusammenschludert, das mit der Grundidee der Spieleserie gerade mal den Namen und die Zombies gemeinsam hat?
Der vorliegende Film ’Resident Evil’ ist das Ergebnis dieser Eichinger-Fehlentscheidung und nicht nur alle Fans heulen auf, sondern auch der jeder halbwegs anspruchsvolle Sci-Fi/Horror-Freak, der etwas anständiges vor den Kieker kriegen will.
Die Optik stimmt, das muss man Anderson lassen. Wenn auch größtenteils im Hochglanz strahlend, was eigentlich völlig unpassend für die düster dreckige Atmosphäre des Materials ist (ok, es gibt einen dreckigen Tunnel. Whoopi-fuckin-do!).

"Nein, jetzt
reite ich das Rohr!"
Die Schauspieler sind auf die für solche Filme typischen Charaktere verteilt: Bösärschiger Sarge (Colin Salmon, ’AvP’), ein ’Vasquez’- Verschnitt (Michelle Rodriquez; PS: Toll, Baby, wie du es fast 90 Minuten lang schaffst, so finster von unten nach oben dreinzuschauen. An Jeannette Goldsteins echte Coolness kommste aber nicht mal ansatzweise ran!) und ’Girlie-turned-Actress’ Heike Makatsch hält auch kurz ihr Nase ins Bild, der Rest ist Zombiefutter.
Martial Arts Einlagen von Milla, der obligatorische (und inzwischen 100fach parodierte) Matrix-Shit … 'tschuldigung: Shot, fiese Verschwörungen, verkorkste Gen-Experimente, grapschende, geifernde CGI-maskierte Zombiehorden, viele Buhmomente und das gute alte Drama, gebissen worden zu sein.
Mehr ist nicht drin und selbst das ist äußerst dünn geraten.
Bekenntnisse an die Fans werden nicht viele gemacht. Der ’Licker’ ist ganz nett, die finale ’Nemesis’ Anspielung ebenfalls, das war’s aber auch schon.
Wie in den letzten Jahren in ähnlichen Genre-Mix-Filmen üblich, wird das Ganze von hämmernder Techno und drömmelnder Metal Mucke ’musikalisch’ unterlegt. Das einzig Vielversprechende ist die letzte Einstellung des Films, die uns direkt an den ’04er Nachfolger weiterleitet, der dann auch tatsächlich um einiges spassiger ist.

Mensch, Michi. Lach doch mal!

Ich gebe zu, dass meine persönliche Perspektive durch etliche Stunden im Herrenhaus des Spieles beeinflusst wurde. Ohne meine oben erwähnten Ausführungen zu revidieren, kann ich allen Mainstream-Honks zugestehen, dass sie wohl ihren Spass an dem ’Reißer’ haben werden. Totzdem gilt:
’Resident Evil’ ist eine weitere Videospielverfilmung, die in die Obhut eines unterdurchschnittlich begabten Regisseurs gegeben wurde und somit im Gros ihres Genres gnadenlos untergeht.
Aber welch anderes Urteil habt ihr erwartet, von einem Typen, dessen Alias direkt aus dem Film stammt, der eben jenes Genre definiert, ja, ich würde fast sagen; erfunden hat. Also, tut euch selbst einen Gefallen und kuckt lieber nochmal ’Aliens’!

Hudson