Filmflausen.de - Die Glotzgutachter
                          



Reptilian


‘Bigger. Badder. Meaner.’


Originaltitel: 2001 Yonggary (1999)
Regie: Hyung-rae Shim Drehbuch: Marty Poole & Hyung-rae Shim
Darsteller: Dan Cashman, Bruce Cornwell, Dennis Howard FSK: 16


Erinnert sich noch jemand an die Riesenmonster-Trash-Klamotte ’Godzillas Todespranke’ aka ’Monster des Schreckens’ aka ’Gotschilla’? Anno 2001 kamen einige Knallköppe aus Korea auf die Idee, dem Film eine moderne Fortsetzung zu spendieren, ohne jedoch auf dessen goldige B-Movie-Values Rücksicht zu nehmen.

“Und siehst du was?“
“Ja, er ist nackt!“
Eine Ansammlung von Fachidioten (ein böser Wissenschaftler, den die Gier plagt, ein lässiger Fotograf, dem alle naselang der Film aus der Knipse gerissen wird, ein alter Professor mit Sympathie-Bonus und eine Frau, deren Bedeutung, außer eben der, eine weibliche Hauptrolle zu bieten, sich mir nicht erschließt) ist dabei, die Überreste des legendären Monsters Yonggary auszubuddeln.
Was sie nicht wissen: Im Orbit schwebt ein Raumschiff, von dem aus schleimige Rubber-Aliens die Wiederbelebung des Yonggary dirigieren. Die warten nur darauf, dass die depperten Menschen das Gerippe wieder zusammenpuzzeln, um einen dicken Energiestrahl drauf abzufeuern. Gesagt, getan. Yonggary erwacht und fängt an, alles platt zu walzen. Das Militär kommt herbei, sabbelt dümmliche Befehle (“Seargent, sichern sie die Gegend!“ Prust!) und schickt seine Flugzeuge in den Aerial Combat mit der Riesenechse. Diese ist schon auf dem Weg in die Stadt und spielt die besten Szenen aus Roland Emmerichs ’Godzilla’ nach…

“Gegen dieses Monster ist Godzilla ein Lämmchen.“

Zunächst wunderte ich mich, dass in dieser koreanischen Produktion nur Bleichgesichter mitwirken, und das Monster aus einem Playstation-Intro zu stammen schien. Kurze Zeit später wunderte ich mich über gar nix mehr.
’Reptilian’ soll angeblich eine Hommage an die alten ’Man-in-Suit’-Filme sein, nur dann hätten die Macher vielleicht auch die Eier haben sollen, die Gummi-Panzer aus der Rumpelkammer zu kramen und den Film nicht mit zwielichtigen Minus-Effekten aus dem Rechner vollzueimern.

Einfach zum Kotzen, dieser Planet
Wie schon erwähnt weist ’Yonnggary 2001’ einige Parrallelen zu Emmerichs ’Godzilla’ und auch ’Independence Day’ auf. Da werden sogar ganze Einstellungen und Designs kopiert. Im Vergleich hierzu sind die Epen des schwäbischen Spielbergle aber ein Beispiel narrativer Filmkunst, auch wenn es bei letzterem (noch) keinen Fight zwischen Raketen-Rucksack-Hoschis & Riesenmonstern gab (der einzige Pluspunkt von ’Reptilian’).
Wie schön, dass einer der Protagonisten den Mist für uns gleich selbst zusammenfasst:
“Das ist echt zu hart. Wir haben hier diesen total überdrehten Ober-Professor, einen fanatischen alten Mann, der einen guten Führer in einem Museum abgeben würde, eine nette aber zickige Schnecke, mehr Abgekratzte als in einem Tarantino-Streifen und eine abgewrackte, blöde Monster-Echse.“
Der aus einigen Hollywood-Produktionen bekannte Nebendarsteller Harrison Young ist noch der einzige, der diesem Ensemble einen Hauch von Würde verleiht. Die restlichen Akteure sind Pappkameraden, die zum Schulterzucken einladen und sich durch sinnfreie Wortwechsel definieren. Immerhin gibt es im Finale noch ein zweites Monster, mit dem sich Datenmenge Yonggary durch die Straßen klöppeln kann.

“Sehen sie nur, die Haut und der Geruch. Das habe ich noch nie gerochen. Das muss das Alter sein.“

“Mayday, Mayday, wir sind in sein Erbrochenes geraten!“

Schwacher Start, zähe Mitte, befriedigendes Ende. Dazwischen dumme Sprüche, konspiratives Militär-Gehabe und Effekte aus dem 3.5 Zoll-Laufwerk. Und das alles anstelle von satter ’Monster-macht-Playmobil-Stadt-platt’-Action a la TOHO. Das hat keiner nötig. Do you?


Hudson