Renaissance



Originaltitel: Renaissance (2006) Regie: Christian Volckman
Drehbuch: Alexandre de La Patellière & Mathieu Delaporte
engl. Stimmen: Daniel Craig, Ian Holm, Catherine McCormack FSK: 18


Ach ja, die gute alte Zukunft…
Über der Stadt (in diesem Fall Paris) schweben riesige Videoleinwände auf denen von ewiger Jugend und Schönheit gesprochen wird, transparente Displays, Computerbildschirme und Projektionsflächen tauchen, durch eine Handbewegung aktiviert, mit leisem Piepen aus dem Nichts auf und die ausnahmslos stilsichere und elegante Bevölkerung wandelt durch eine sterile Umgebung aus Stahl, Beton und Glas, während ein Großkonzern (hier Avalon) im Hintergrund die Fäden zieht.
Für diese Firma arbeitet und forscht die ebenso junge wie intelligente Wissenschaftlerin Ilona Tasuiev. Als sie eines nachts entführt wird, betraut man den eigenwilligen Cop Barthélémy Karas mit der Lösung des Falls. Hilfe bekommt er dabei von Bislane, Ilonas Schwester.
Die Nachforschungen gestalten sich äußerst schwierig, da alle, die Auskünfte geben könnten mittlerweile tot oder verschwunden sind. Zudem wird bald klar, dass die ganze Sache ein größeres Ausmaß hat als erwartet und die alten Film Noir-Kenner unter euch dürften wissen, dass zum Ende hin noch mit ordentlichen Enthüllungen zu rechnen ist.

Keine Zukunft ohne die Wunderwelten einer High-Tech-Architektur

Die Handlung wird in ausschließlich schwarz-weiß gehaltenen Bildern inszeniert, so entsteht gleich auf den ersten Blick eine große Ähnlichkeit zu ’Sin City’. Nur geht ’Renaissance’ noch einen Schritt weiter. Während Robert Rodriguez echte Schauspieler zum Einsatz kommen ließ, setzt Christian Volckman bei ’Renaissance’ auf per Motion Capturing erzeugte Bilder. Zudem werden bei der Darstellung der Charaktere wirklich nur schwarze und weiße Flächen verwendet (Graustufen gibt es höchstens bei Autos und Architektur), so dass Konturen und Gesichtszüge nur durch Schatten entstehen. Das ist zwar optisch sehr interessant, verlangt dem Zuschauer aber auch gleichzeitig höchste Konzentration ab. Anfangs fällt es sehr schwer, Gesichter wiederzuerkennen und auch Gesichtsausdrücke sind nicht immer gut auszumachen. Überhaupt wirkt alles sehr abstrakt und stilisiert, was natürlich einerseits die dargestellte Gesellschaft charakterisiert, es dem Zuschauer andererseits aber auch sehr schwer macht, einen emotionalen Zugang zum Film zu finden.
So ist es, nachdem die Bewunderung für die Optik wieder abgeklungen ist, nicht leicht, aufmerksam zu bleiben, zumal die Handlung streng einer mittlerweile oft zitierten Formel folgt und Überraschungen und Spannung somit nicht wirklich aufkommen können. Vielleicht wollte Volckman damit erreichen, dass das Visuelle in den Vordergrund gerückt wird, sozusagen ein bewegtes Gemälde, aber da hat er dann eindeutig die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums überschätzt. So beeindruckend dieser neue Stil auch ist, über 105 Minuten schafft er es alleine nicht, den Betrachter zu fesseln.

Keine Hommage an die 'Schwarze serie' ohne Femme Fatales

Ich bin mir auch nicht wirklich sicher, ob diese Darstellung einzig und allein durch Schatten und Kontraste überhaupt für einen abendfüllenden Film geeignet ist. Wie gesagt, ist es schon nur für den Teil des Gehirns, der für die optische Wahrnehmung zuständig ist extrem anstrengend, alles zu verarbeiten und aufzunehmen, weil ja ständig unterbewusst Gesichter, Formen und Gegenstände vervollständigt werden müssen. Aber in diesem Punkt würde ich mit mir reden lassen, vielleicht ist das nur für mein träges Hirn zu viel, mir sind ja auch alle Trailer zu schnell geschnitten.

Pluspunkte kann ’Renaissance’ übrigens noch durch die englische Synchronisation sammeln. Hier sind unter anderem Daniel Craig, Ian Holm und Catherine McCormack mit von der Partie.

Kein 'Future Noir' ohne transparente Displays

Alles in allem lautet mein Fazit also wie folgt: ’Renaissance’ ist ein interessantes, nicht vollständig überzeugendes Experiment, das man sich als echter Filmfreund aber nicht entgehen lassen sollte.

Leone