Die Rückkehr der reitenden Leichen


‘Scream... So They Can Find You’


Originaltitel: Ataque de los muertos sin ojos, El (1973)
Regie & Drehbuch: Amando de Ossorio
Darsteller: Tony Kendall, Fernando Sancho, Esperanza Roy FSK: 18


Ja, da sind sie wieder. Die reitenden Leichen.

"Knights of the Round Table!
Our shows are formidable!"
Und natürlich fängt man auch im 2. Teil der Saga um die verkohlten Schrumpf-Schädel mit einer zünftigen Rückblende ins achso finstere Mittelalter an.
Da sind nämlich gerade ein paar Dorf-Schrate mit Rechen, Mistgabeln und Fackeln (typisches ’Frankenstein’ Equipment, also) unterwegs und schmoren dem bösen, Jungfrauen raubenden Obertempler (wieder so ein alberner ’Jürgen von der Lippe-Verschnitt’, wie in Part 1) und ein paar Schaufenster Puppen in Templer-Kleidung die Augen aus. (Ach deswegen sind die blind!)

Viele, viele Jahre später

Das gleiche Dorf. Andere Schrate. Kurz vor den Festivitäten zum alljährlichen ’Burn those pesky Templar Guys’ Jubiläum kommt es zu einigen zwischenmenschlichen Drama…mitäten, welche uns wohl die hustProtagonistenhust vorstellen sollen (auf die ich aber wegen akuter Einschlaf-Gefahr nicht näher eingehen will).

Ja, wo reiten sie denn?
Ein Pärchen verläuft sich mal wieder in die Ruinen, die wir schon aus Teil eins kennen und als sie gerade schön am ’Frühstücken’ sind, springt der lokale Bucklige aus den Büschen und überschüttet sie mit genre-internen Sprüchen wie “Nur keine Angst, ich bin hier der Wächter!“, “Kennt ihr nicht den Fluch!?“ & “Warum glaubt niemand an den Fluuch!“. Der Depp ist dermaßen in den okkulten Mumpitz vernarrt, dass er dann der Auferstehung der Templer-Gerippe auch noch beiwohnt und es irgendwie schafft, sich (vorerst) nicht von ihnen töten zu lassen. Nach ein paar typischen ’Fuck-Kills’ (nennen wir sie mal so. Gemeint sind jene Morde, kurz nach einem Geschlechtsakt. Nee, die gibt es nicht erst seit ’Scream’, liebe Kids) galoppieren die Leichen dann mit wehenden Gewändern, auf knöchrigen Pferden (von denen ich immer noch nicht weiß, wo sie eigentlich her kommen) in Richtung Happy-Town, wo sie natürlich die Big Party crashen (eigentlich genau das Volksfest, das ich mir als 16-jähriger immer gewünscht habe). Die *räusper* Protagonisten werden in die obligatorische Enge (hier eine Kirche) getrieben und müssen nun sehen, wie sie mit den knöchrigen Untoten fertig werden…

Los geht er, der Ritt durch die Nacht, die (genau wie in Teil 1) gar keine ist, sondern heller Tag der lediglich durch Linsen-Filter verdunkelt wurde.

'Let's make it: All for one!'
Ist euch eigentlich aufgefallen, wie oft ich die Wörter ’wie in Teil 1’ benutzt habe. Ja, wundert euch keinen Schritt weiter, denn es passiert des öfteren genau das Gleiche wie im ersten Teil. Nicht nur die üblichen Archiv-Schnipsel, gleiche Drehorte, Sound FX und die berühmt-berüchtigte Gummi-Hand, nein ganze Einstellungen wurden komplett übernommen. (Was später wohl auch dazu führte, dass einige irre geleitete Film-Fans diesen Brocken hier für ein Re-Make hielten.)
Ich werd mich hüten, hier und jetzt Details zur Rahmen-Handlung preis zu geben. Sagen wir einfach: Was als Teenie in ’Wilde Hilde’s Horror-Show’ als Magnus Opum der europäischen Grusel-Film Geschichte galt, ist heute nur noch ein beizeiten schauriger Jux mit Blut aus dem Tusche-Kasten vom Zeichen-Unterricht bei Frau Phillips (4c).
Ist euch aufgefallen, dass ich schon wieder nichts zur Handlung gesagt habe, obwohl ich es vor nichtmal 10 Sekunden noch großspurig angekündigt hatte? Fragt bitte nicht, es kommt nichts mehr. Wenn man sich (aufgrund des Endes vom Erstling) schon auf eine Invasions-Fortsetzung a la ’Dawn of the Dead’ gefreut hat, wird man jedenfalls enttäuscht sein. Auch ist die bedrückende Atmosphäre des Originals einer eher schmierigen, teils albernen Stimmung gewichen, die vor allem von strunzdummen bis haarsträubenden ’Einlagen’ der menschlichen ’Charaktere’ gezeichnet ist.
Wenn zum Beispiel das plärrende Gör nach ihrem (längst toten) Papi schreit und die Leichen aus der Ferne im arschlahmen Schunkel-Schritt durch die hohle Gasse immer näher wanken, entschließt sich der Held nicht etwa ’Zack: Hin, Zack: Zurück!’ das Blag zu schnappen, nein, er entscheidet sich dafür, die Situation auszuschleichen!!! (was dann letztendendes natürlich wieder ein anderes Leben kostet) JAUL!
Zu guter Letzt wäre da natürlich noch der Bucklige, der gänzlich bescheuert ist (ja, ich weiß, der Charakter soll behindert sein, aber doch nicht soooo behindert!?!?) und auf den schönen Namen ’Modo’ hört (’Eins, zwei, Polizei’… sorry).

Neulich beim Gebraucht-Wagen-Händler:
"Nun geben sie sich endlich einen Ruck, Herr Skeletor!
Lassen sie die alte Mähre hier und nehmen diesen schicken Flitzer!"

Fassen wir zusammen:
Ja, die ’Reitenden Leichen’ sind wieder da. Nein, sie definieren sich nicht mehr durch Angst und Schrecken, sondern eher durch eine schummrige Pappkameradschaft. Ja, das ganze macht schon irgendwie Spass. Nein, das sollte ein Horrfilm eigentlich nicht von sich behaupten können. Vielleicht werdet ihr aber trotzdem von den untoten 'Jockeys from Hell' unterhalten. Denkt daran: Das ’Blutgericht’ und das ’Geisterschiff (!!!) der Reitenden (???) Leichen’ wartet schon bei der nächsten Gerichtsshow/Anlegestelle auf euch.


Hudson