Razorback - Kampfkoloss der Hölle


‘Nine hundred pounds of marauding tusk and muscle!’


Originaltitel: Razorback (1984)
Regie: Russell Mulcahy Drehbuch: Peter Brennan & Everett De Roche
Darsteller: Gregory Harrison, Arkie Whiteley, Bill Kerr FSK: 16


Walkabout Breakfast: Camel & Coke

Wenn es um Tierhorror geht, rollen oft selbst die hartgesottensten Genre-Fans mit den Augen. Wenn jedoch die Ergänzung ’aus Australien’ hinzugefügt wird, rollen sie zurück und ein gewisses Glänzen ist zu erkennen.
Das liegt neben dem besseren Kroko-Horror ’Dark Age’ und dem gespenstigen ’Long Weekend’ vor allem an Russel Mulcahys ’Razorback - Kampfkoloss der Hölle’.
Die Art und Weise der Australier, mit ihren Naturgewalten umzugehen ist eine ganz andere, als die der Amerikaner oder Europäer und das macht sich auch im vorliegenden Film mehr als bemerkbar.
Dass ’Razorback’ keine Gefangenen nimmt, merken wir gleich zu Beginn, als die titelgebende Bestie brachial in das Haus des Outback-Opas Cullen einfällt und dessen Enkel aus dem Bettchen schnappt. Niemand glaubt ihm, doch Cullen hat von nun an nur noch ein Ziel: So viele der einheimischen Super-Wildschweine zu töten wie möglich.

'Mad Max' war keine Ausnahme.
Die Aussies lieben schräge Karren!
Einige Zeit später reist die TV-Journalistin Beth Winters ins Outback, um eine Doku über das Abschlachten der Känguruhs zu drehen. Beth erfährt wenig Freundlichkeit in der roten Steppe und tritt einigen Herrschaften auf die Füße. Als diese sie des Nachts durch die Pampa jagen, stößt man auf den Razorback, der einmal mehr seines Amtes als unhaltbare Killerbestie waltet…


Mehr darf man schon gar nicht mehr verraten, denn ’Razorback’ ist wirklich ein einzigartiges Beispiel des Tierhorrors und schlägt vor allem visuell ganz andere Wege ein, als die 0815 Ableger dieses allzu strapazierten Sub-Genres.
Die Art und Weise mit welcher der ehemalige Videofilmer Mulcahy das australische Outback einfängt, beleuchtet und filmt, ist Futter für die Augen und schafft eine wahnsinnig dichte Atmosphäre. In dieser surrealen Landschaft, nachts von hellem Mondlicht geflutet, tagsüber in mal gleißendes, mal rotes Sonnenlicht getunkt, ist manchmal zwischen Traum und Realität kaum zu unterscheiden und der gigantische Killereber wird zu einer fast glaubwürdigen, übernatürlichen Gewalt. Das Biest ist animatronisch beeindruckend bedrohlich designt und wird dem Zuschauer effektiv häppchenweise kredenzt. Dabei hält sich die Anzahl der Opfer des mordenden Wilschweins und deren Ableben in Sachen Explizität allerdings in Grenzen.

12 Uhr Nachts:
Mondschweinsonate
Egal, denn hier geht es um mehr, als den Kick am Blut. Mulcahy interessiert sich eher für herrlich absurde Szenarien, wie die Traumsequenz, in der Hauptdarsteller Gregory Harrison (erinnert optisch etwas an Steve Guttenberg und John Pankow) am Rande einer riesigen Zickzack-Kluft von einem Pferde-Skelett heimgesucht wird oder jene Szene, in der einem Outback-Bewohner das halbe Wohnzimmer samt Fernsehgerät vom Razorback in die Nacht hinfortgerissen wird. Vor allem zu Beginn schockt der Film mit einigen unerwarteten Wendungen, die auch Auswirkungen auf die Besetzung haben. Vor allem Harrison und Bill Kerr (’Gallipoli’) dienen hier als Sympathieträger, während Chris Haywood (’Farscape’-Zauberer ’Maldis’) und David Argue (’Die BMX-Bande’) das widerliche Brüderpaar geben. Was auch scheinbar in keinem australischen Tierhorror-Streifen fehlen darf, ist eine zünftige Auto-Verfolgungsjagd. Nach ’Long Weekend’ und ’Dark Age’ sehen wir auch hier die Hoschies durch’s Feld heizen. Ist wohl eine lokalpatriotische Verneigung vor ’Mad Max’…

“Ich hab auch den Kot des Razorbacks untersucht.“
“Den Kot?“
“Scheisse… Schweinescheisse!“

12 Uhr Mittags:
High Noon im Outback

’Razorback’ ist ein eindrucksvoller Horrorthriller in unvergleichlicher Naturkulisse, mit visueller Finesse inszeniert und auch noch spannend. Wer mehr will, wird kaum Schwein haben. Australien, Leute… Geht bloß nicht ohne Obelix dorthin!


Hudson