Ragman


‘What are you afraid of? It's only rock and roll...’


Originaltitel: Trick or Treat (1986) Regie: Charles Martin Smith
Drehbuch: Glen Morgan, Michael S. Murphey, Joel Soisson, Rhet Topham & James Wong Darsteller: Marc Price, Tony Fields, Lisa Orgolini FSK: 16


“Die ausgewählten Krieger des Rock führen die Apoklypse.“

Es geht mal wieder um die Macht des Rock ’n’ Roll. Es geht um den jungen Loser Eddie, der von niemandem gemocht und von allen getriezt wird, weil er so ’kaputt’ ist. Und es geht um sein Idol, den Rocksänger Sammi Curr, der nach seinem Tod, durch eine mysteriöse Platte Botschaften aus dem Jenseits an Eddie schickt, die erst dessen Rache an seinen Peinigern dienen sollen, doch bald zu etwas unkontrollierbar Bösem werden.

Was passiert, wenn man alle möglichen Außenseiter-Klischees mit ebenso vielen Rock ’n’ Roll (make that ’Spray ’n’ Roll’!) – Klischees zusammenpackt und Charles Martin Smith (ganz recht, ’Froschauge’ aus ’American Graffiti’) als Regisseur verpflichtet?

Vorsicht:
Stomatologe im Speaker!
Okay, das kommt einer rhetorischen Frage wahrscheinlich sehr nahe, aber ich will euch trotzdem gern erzählen, warum man sich ’Trick or Treat’ getrost anschauen kann, ohne danach mit einem Hairspray-Kater aufzuwachen. Ganz einfach: Der Film bietet reichlich Entertainment-Value, um Couch-Rocker und deren Bräute einen Abend lang zum Lachen zu bringen, vorausgesetzt die Pilsetti-Pyramide steht gleich nebenbei.
Da taucht zum Beispiel schon mal ein Gummimonster aus dem Mixtape auf, eine Musik-Kritikerin wird durch die Glotze geschlonzt und kommt als verkohlter Zwerg auf der anderen Seite raus und die Musik ist sowieso der Knaller (jedenfalls für Anhänger dessen, was man in den Achtzigern so als Rockmusik bezeichnete).
Gene Simmons (als Radio DJ) und Ozzy Osbourne (als Fernsehprediger) zeigen in Kurzauftritten, dass ihr dramatisches Können einiges mehr hergibt (hergab?), als wild über die Bühne zu fegen. Ebenso witzig: In einer der Hauptrollen ist ’Desperate Houseman’ Doug Savant als Bully mit schicker Eighties-Tolle und dickem Kajal zu sehen.
Über die Leistungen der übrigen Darsteller kann man sich nicht beschweren. Extravagantes Highlight ist hier sicherlich das mit Haarspray und Brutzel-Make Up zurecht gemachte Rockmonster Sammy, das auf der Bühne auch mal einer Schlange den Kopf abbeißt oder seine Rock-Axt schwingend auf einem Konzert sein Publikum mittels tödlicher Stromschläge dezimiert.

“Wenn die Kids darauf abfahren, dann besteht die Gefahr, dass sie pervers werden!“

“Eyyyy Leute! Seh ich von hinten auch so scharf aus?!“

Trick or Treat? Von jedem etwas. Es darf gebangt, gegrölt, gekugelt und dazu ordentlich gebechert werden. Achtziger Jahre ’Prost ’n’ Roll’-Horror hat aber auch einfach etwas unwiderstehliches.

Hudson