Die tollen Abenteuer der Queen Kong


‘She's in one of her moods again!’


Originaltitel: Queen Gorilla (1976) Regie: Frank Agrama
Drehbuch: Frank Agrama, Ronald Dobrin, Fabio Piccioni & Robin Dobria
Darsteller: Robin Askwith, Rula Lenska, Valerie Leon FSK: ungeprüft


"Play it, Sam. Play, 'As Furs Go By'!"

“QUEEN KONG, whoo
QUEEN KONG, whoo
Queen Kong is the chick with all the hair!
Queen Kong Queen Kong comes from I don’t know where
Kong, Kong, Kong, Kong, Kong, Kong, Kong Kong, Kong
Queen, Queen, Queen, Queen Queen, Queen, Queen Kong
She’s a genie, who went teenie
She’s a queenie, queenie for my weenie…”

Okay, reicht. Stop!

* denn wer würde sich schon gerne mit dem
hier vergleichen wollen... also, außer ihm?
Wir brauchen wohl keinen Analysten, um anhand des Titels und des eben geschmetterten Liedchens zu entziffern, worum es hier geht. Ganz recht, Freunde: Dies ist die geschlechterverkehrte Version von ’King Kong’. Alles komplett umgeschniedelt:
Filmteam, Crew und Produzent sind hier weiblich und anstelle von Scream Queen Ann Darrow gibt es den unvergleichlichen* Robin Askwith (’Frankensteins Horrorklinik’) in der Rolle des Dummie in Distress. An sich keine verkehrte Idee: Eine mit Humor angereicherte Abenteuersause, mit ein paar kultigen Tricks angereichert und feministischer Message abgeschmeckt. Warum hatte ich vorher noch nie davon gehört?
Ganz einfach, weil alles, was ich nach „keine verkehrte Idee“ geschrieben habe, komplett in die Hose gegangen und bis aufs Rudimentärste verbockt wurde.

”Have you got a Joint. Only one?”
“It’s always only one… Beat it!“
“Well I do beat it, but the pope says it’s wrong.”

Die Gravur ist exemplarisch für das Niveau.
Das fängt schon bei Robin Askwiths (hey, mehr Konsonanten haben wohl nicht mehr reingepasst!?) Darstellung der Hauptfigur an, die selbst in einem besseren Film deplaziert wäre und irgendwo zwischen Kasperle und debilem Doofus rangiert. Gut, man könnte das als satirisches Zerrbild der jahrzehntelangen unwürdigen Darstellung von Frauen in dieser Art von Film verstehen, aber Film muss in erster Linie als Film funktionieren und Figuren auch als solche und beides beißt sich hier gegenseitig in den Arsch.

”Ungabonga Kungalonga, Que sera, sera“
“What she say?”
“She said, you look like Doris Day.”

Mit Charakteren namens Ray Fay, Ima Goodbody und Luce Habit im Gepäck geht’s auf ’nem Boot nach “Bazinga, where they do the Conga”, wo dann ein Tarzanwitz den nächsten ablöst, Feministische Musicalnummern (“The liberating ladies”) sich mit Popkultur-Anspielungen die Klinke in die Hand geben, um dann an der Tür vorbei durch die vierte Wand zu brechen.
Dazu ertönt eine Geräuschkulisse, die von schmierigen Saxophon-Klängen bis hin zu hanebüchenen Benny-Hill-Klängen reicht, untermauert von Gekreische, Gezetere, Gekichere und Geträllere. Alles äußerst unerbaulich, es sei denn man kann die eigene Stille des Herzens gerade nicht ertragen. Den platzenden Kragen muss man in dem Fall allerdings mit in Kauf nehmen.

Alernativcover gefällig?

“Good night, good night. Parting is such sweet sorrow.”
“Oh, how absolutely marvellous. I absolutely love Christopher Marlowe!”
“Oh Ray, you’re magnificent. You’re such a literary iconoclast”
“Oh, par de quoi!”
“Oh, I didn’t know, you speak Italian!”

Sie lesen’s ja selber, meine Damen und Herren, auch die Dialoge reichen nur für den alten Ausruf: Welsch ein Unsinn! Die Tricks sind räudiger als Askwiths Schrittbereich, aber immer noch das Charmanteste an ’Queen Kong’ und dürften Fans von preiswert geformten Monsterbrüsten und giftgrün gestrichenen Dino-Mannequins gefallen. Ich meine, wer bei solchen Spielzeug-Sets wegschaltet, hat einfach keinen Sinn für Humor:

Toys'R'Stuss

“Kong, Kong, Kong, Kong, Kong!“
“They keep saying Kong, Kong, Kong, Kong, Kong, Kong!”
“Yes, that’s true.“
“Well, does this have some underlying meaning, or symbolism or social significance?”

Wenig Humor bzw. nüchterne Einsicht bewiesen auch die beiden Hauptdarsteller, nach Vollendung der Produktion. Als sie das fertige Produkt sahen, färbten sich ihre Schläfen grau ob des dargebrachten Artmutszeugnisses. Bevor die Scham sie zur Salzsäule erstarren lassen konnte, distanzierten sie sich von dem Machwerk. Was aber auch völlig schnurz war, denn wegen Rechte-Querelen , bei denen das parallel gedrehte ’King Kong’ Remake von Dino de Laurentiis die Oberhand gewann, war die vorliegende Gurke nie auf irgendeiner Leinwand zu beklagen.

Speschel Effix

“Don’t be afraid of her! She is just misunderstood, like a lot of women throughout history! […]
You cannot destroy her. For she represents all women everywhere. Women, forced into a mold, to satisfiy the images of male chauvinism. If you destroy this beautiful beast, you’ll destroy a lifetime of female struggle.”

Dass der Aufruf zur Revolution am Ende tatsächlich fruchtet und dutzende von Frauen auf die Straße gehen, um für das Leben und ihre Rechte zu plädieren, ist noch das putzigste Detail der narrativen Narretei.
Doch ’Queen Kong’ ist und bleibt eine vergeblich bemüht witzige, komplett vergeigte Klamotte, die selbst beim berauschten ersten Versuch im gesammelten Flausenkreise nicht zünden wollte.

Ja, das ist das deutsche VHS-Cover.
Nein, ich hab nichts zu ergänzen.
Der zweite Versuch brachte dann diese unglaublich informative und für einen Pulitzer-Preis nominierte Rezension zu Tage. Ich sehe, wir verstehen uns.
Eigentlich schade, denn eine feministisch-satirische Variante des Stoffes drängt sich geradezu auf. Aber da haben die Ladies dann auch besseres verdient, als diesen auf 80 Minuten gezerrten Sketch, der im Kurzformat vielleicht die Schenkelklopf-Maschine kurz zum Zucken gebracht hätte, aber im Filmformat nichts als zusammenhanglos aneinander gereihte Kalauer auf Kirmes-Niveau zu bieten hat.

An dieser Stelle trotzdem noch ein verspätetes Chapeau an Regisseur Frank Agrama. Wer in seiner Vita gerade mal vier Filme zu stehen hat und sich dieses Quartett aus einem türkischen Frauen-Gang-Reißer mit Cüneyt Arkin, einem ’Der Pate’-RipOff mit Richard Harrison, dem vorliegenden Unsinn und ’Die Mumie des Pharao’ zusammensetzt, kriegt in Flausenhausen Narrenfreiheit und einen Platz in der Hängematte auf Lebenszeit.


Hudson