Quatermain - Auf der Suche nach dem Schatz der Könige


‘An action packed adventure, full of laughs and heroics.’


Originaltitel: King Solomon's Mines (1985) Regie: J. Lee Thompson
Drehbuch: H. Rider Haggard, Gene Quintano & James R. Silke
Darsteller: Richard Chamberlain, Sharon Stone, John Rhys-Davies FSK: 16


Hach, die Achtziger Version von H. Rider Haggards ’King Solomon's Mines’, da schwelgt man in kindisch kindlichen Erinnerungen, die gleich neben ’Fünf Hubba Bubba auf einmal in der Gusche’ und ’Cowboy & Indianer auf dem Hinterhof’ in der ’Fond Memories’-Schublade stecken.
Mal kurz die Story runtergekurbelt:

In der Wüste ist Jahrmarkt.
Quatermain, Hauptberuf: Abenteuerer mit dämlichem Hut, begleitet die junge Jesse Huston (Sharon Stone) auf der Suche nach deren Vater, einem Archäologen, der dem Schatz König Salomons auf die Schliche gekommen ist. Ihnen sind allerdings die beiden Schurken, der Deutsche Oberst Bockner (Herbert Lom) und der Araber Dugati (John Rhys-Davies) zuvor gekommen, die Papa Huston entführt haben und ihn zu Salomons Minen zerren. Quatermain, Jesse und ihr schwarzer ’Sidekick’ Umbopo folgen den Schuften durch den schwarzen Kontinent und geraten von einem Schlamassel in den nächsten…

Was des einen Leid, ist des anderen Freud.
Ich weiß, dass ’Quatermain’ in vielen Augen ein seichter Abklatsch des einzig wahren Abenteurers, ’Indiana Jones’ ist. Ich weiß, dass Richard Chamberlain kein Harrison Ford (make no mistake: wir reden über den Ford der 80er!), und dass sein Hut einfach lächerlich ist. Ich weiß, dass der Film komplett absurd ist, die Effekte trashig, die rassistischen Untertöne geschmacklos und Sharon Stone fast genauso sehr nervt, wie Kate Capshaw im ’Tempel des Todes’. Ich weiß das alles und mir fällt dazu nur eine Antwort ein: Na und?
Der Film ist einfach zum Quietschen komisch, rasant inszeniert und herrlich vertont.

Für den Sonnenschirm ist es
schon ein bissel zu spät...
Kurz gesagt: ’Quatermain’ ist ein ’guilty pleasure’, dessen Schwächen (jaja, er kommt nicht an ’Indiana Jones’ ran, aber wer kann schon ’Indy’ das Wasser reichen?) mir ebenso bewusst sind, wie meine Verklärtheit (ich hab den Film in meiner Jugend wohl einmal zu oft gesehen). Gleich zu Beginn fällt dem geneigten Zuhörer schonmal das eingängige Titelthema von Jerry Goldmith auf.
Die flotten Sprüche von Chamberlain (“Da schlägt man und schlägt man und keiner dankt es!“) erinnern teilweise schon an Rainer Brandt. Sein gefälliges Dauergrinsen und der unendliche Vorrat an zigarren-artigen Dynamit-Stangen, die er nach Lust und Laune in der Gegend verteilt, machen ihn zum B-Movie-Sympathen.
Obwohl der Film ganz dreist bei den zwei vorangegangenen Indy-Filmen ’Raiders of the Lost Ark’ und ’Temple of Doom’ abkupfert, ist er schon beinahe als Parodie zu verstehen. Hier gibt es alles, was überall schon mal Verwendung fand: Sümpfe, Krokodile, Kannibalen, Löwen, Fischmonster, Todesfallen, Flugzeug-Dogfights, Berge, die wie Brüste aussehen, Hexen, Deutsche Bösewichter (die keine Nazis sind!), nicht zu vegessen die trashigste Riesen-Spinne aller Zeiten (ja, ich habe ’Ator’ gesehen!) und Schurken, die mit der Tumbheit eines Wasserbüffels gesegnet sind: “Ehrlich gesagt, ich finde dich gar nicht so übel!“
“Du Schwein!“
“Ich habe nicht mit dir gesprochen, sondern mit deinem Vater!“

Vor allem die beiden Superschufte ’Oberst Bockner’ und ’Dugati’ sind einfach herrlich (doof). Wenn Herbert Lom (Inspektor Dreyfus aus der ’Pink Panther’-Reihe) und John ’Gimli’ Rhys-Davies (noch ein Klau aus ’Raiders of the Lost Ark’) sich in die Haare kriegen, ist der Spaß vorprogrammiert:
“Wagner war der größte Komponist der je gelebt hat!“
“Das heißt er ist tot?“
“Er ist in Walhalla!“
“Gelobt sei Allah!“
“Sie knackwurst-essender Angeber!“
“Alberne Pluderhose!“

Das waren noch Zeiten:
Sharon Stone war bekleidet und Richard Chamberlain war straight.

Wenn ’Indy Jones’ der moderne Klassiker des Genres ist, dann ist ’Quatermain’ das, was George Lucas und Steven Spielberg damals inspirierte, den Peitsche schwingenden Archäologen auf die Leinwand zu bringen: Greller, überzeichneter Adventure-Pulp, der von vorne bis hinten zu unterhalten weiß. Und außerdem: In welchem zweiten Film liebt sich das Pärchen in einem umgestürzten Kannibalen-Kochtopp, während ein paar Löwen davor sitzen und zuschauen?
Ich sagte ja schon: Was des einen Leid, ist des anderen Freud.

Hudson