Der Puma Mann


‘Die goldene Maske der Andromeda-Galaxis…
…wer sie besitzt, ist Herrscher der Welt!’


Originaltitel: L'uomo puma (1980) Regie: Alberto De Martino
Drehbuch: Luigi Angelo, Alberto De Martino & Massimo De Rita
Darsteller: Walter George Alton, Donald , Miguel Ángel Fuentes FSK: 12


Es war einmal im Lande der Sagen und Sandalen, der Pizzen und Plagiate, der stiefelförmigen Landmasse namens Rome County, da besann man sich erneut auf ein US-amerikanisches Erfolgsrezept und machte sich einmal mehr daran, eine eigene Version zusammenzuschustern. Thema diesmal: Superheldenfilme.

"E.T. hat angerufen, er will..."
"Wissen wir, wir kommen ihn holen!"

Alberto de Martino, der zuvor mit ’Inferno 2000’ (aka ’Holocaust 2000’ aka ’Das siebenköpfige Ungeheuer’) einen gar nicht mal so verkehrten ’Das Omen’-Nachklapp vom kurzen Brett zimmerte, wurde mit dem Job beauftragt, einen ’Superman’-Verschnitt aufzukochen und die Story, die ihm dazu einfiel…
Naja, die Story beginnt mit einem zur Erde hinabschwebenden Lampion-UFO, von dem aus eine außerirdische Entität zum Publikum (der Menschheit) spricht und ein Artefakt auf der Erde hinterlässt, das… aber lest selbst:

“I speak to all humanity: With this mask, I will always be with you. My son will be its custodian. As will be the sons of his sons. Through the ages, he will have the powers of a man god, the powers of a Pumaman. The Pumaman. The Pumaman. The Pumaman!”

Oh, Donnie, die Bottom 100 auf der
imdb haste echt nicht verdient.
In der folgenden Szene (viele, viele hundert Jahre später) wird dann auch schon auf eher unbeeindruckende Art und Weise die Macht der Pumamaske vorgeführt, als ein Orden von in schwarzes Leder gewickelten Gestalten unter Führung des fiesen Kobras (Donald Pleasence) deren hypnotisierende Kräfte an dessen eigener Tochter anwendet. Kobras’ Ziel ist es, den Pumamann zu finden und zu töten, weil der als einziger die Kräfte der Maske neutralisieren kann, mit deren Hilfe er die Welt unterjochen will.
Pumamännchen himself, bürgerlich Tony Farms, weiß jedoch noch gar nichts von seinem Glück, weil er weder von seiner Abstammung ahnt, noch von seinen schlummernden Kräften und trotz Anstellung im Londoner Museum auch mit aztekischen UFO-Masken wenig am Hut hat. Das soll sich ändern, als mysteriöse Todesfälle in der näheren Umgebung für Aufruhr sorgen:

”Someone’s going to break your bones. Have you seen the victims records? They’re all Americans, like you. Sons of doctors, like you. And their parents were all killed in a plane crashes, like yours.”

Vadinho der Pumaflüsterer
Hinter den Anschlägen stecken natürlich Kobras’ fieselige Attentäter und als schließlich ein vermeintlicher Bösewicht in Tonys Labor den Erlenmeyerkolben schief ankuckt, kommt es zu einer Verfolgungsjagd, die auch den jungen Professor zum Fenster aus dem dritten Stock hinausführt. Doch siehe da, der Hatzen hat nicht umsonst das Wort “vermeintlich“ eingebaut, denn der aztekische Hüne entpuppt sich als hilfreicher Sidekick Vadinho, seines Zeichens weiser Haudrauf und zukünftiger ’Kato’ zu Farms ’Green Hornet’ (insofern, dass er die meiste Zeit über weitaus kompetenter, entschlossener und hartärschiger rüberkommt, als Pumaman selbst).

“Tell me the truth, Vadinho. Is invulnerability one of my powers?“
“No.”
“Then a single bullet can kill me?”
“Yes.”
“Well then, just watch the leap I take. The biggest leap a Pumaman ever took…”
“To go where?”
“TO GET OUTA HERE!”

Um die Verwandlung zum Superhelden komplett zu machen, erhält Farms von seinem neuen Begleiter einen magischen Gürtel, durch den er phantastische Eigenschaften freischalten kann, die jedem Puma innewohnen: Er kann durch Wände gehen, verfügt über eine eigene Version von Spidermans Spinnensinn und kann fliegen. Ganz recht, Freunde; außerirdische Pumas vom Lampion-Planeten der Andromeda-Galaxis können das. Schlagt’s nach. You heard it here first.

Der Typ fliegt nicht, er fällt und fällt und fällt...


Und während unser Held das Heldendasein probt, planen die Schurken Schurkisches und versuchen, seine Identität zu enttarnen:

“Now let’s take care of that American paleontologist.”
“And if he’s the wrong man, too?”
“He’ll die immediately! If on the other hand, he’s the right one, he’ll die after having proved, that he’s the Pumaman.”

Was ja auch eher “immediately“ wäre, gelle?

Ja, wenn man muss, dann muss man.
Schwindelerregende Logiken wie jene gibt es zu Hauf in ’Pumaman’ (in English they say “Pjumamän“), aber nichts anderes erwarte ich vom Regisseur des bekloppten ‘Miami Golem’. Und was De Martino hier an unterhaltsamen Blech-Geschützen auffährt, lässt den dusseligen Holper-Plot, seinen lahmärschigen Helden und die kontinuierlichen Ermüdungserscheinungen beinahe vergessen.
Mit Highlights wie ’Cardboardhenge’ (dem italienischen Stonehenge), den krudesten ’Mann-am-Draht-fliegt-vor-Leinwand’- Tricks seit Erfindung der Blausschirm-Zahnseide und dem grandiosen Finalkampf ’Pumaman vs. Helikopter’ bietet der Streifen in Sachen trashiger Spaßunterhaltung genug, um den einmaligen Rundgang durchzuwinken.
Die Aufmachung ist jenseits von billig, die Musik gehört eher in eine italienische Sexklamotte oder an den Wolfgangsee und das Tempo gerät durch Expositions-Gelaber und deplatzierte Drama-Anleihen ununterbrochen ins Stottern.
Das alles wäre vielleicht zu verschmerzen, wenn der Titelheld selbst sich nicht als unglaublich unsympathische Kackbratze entpuppen würde: Er ist frech, ungeduldig, feige, verliert irgendwann die Kräfte, heult rum, muss von Vadinho (Miguel Ángel Fuentes, ’Feuerwalze’) immer wieder zurechtgewiesen und aufgepäppelt werden und am Ende kriegt er trotzdem die nette Blondine. Der Typ stinkt.

Dracula hat angerufen und meint, das
zählt immer noch nicht als "fliegen"!
Allerdings hat Darsteller Walter George Alton (der in genau drei weiteren Filmen noch mitspielen durfte, bis er in der verdienten Versenkung landete) auch das Charisma eines Zollbeamten in der Midlife-Crisis. Mit dieser Besetzung war Pumaman von vornherein zum Eitern verurteilt. Oder um es so zu sagen: Versucht mal, auf Löschpapier Tintenkunst zu fertigen.
An dieser Stelle müsste ich mir von Rechts wegen ein “Glanzpunkt der Besetzung ist natürlich Donald Pleasence“ abringen. Aber das wäre schlichtweg gelogen. Wie so oft in jenen Tagen, war Donaldo im Auftrag der Bank unterwegs, was grundsätzlich nicht schlimm ist, wenn man dem Zuschauer etwas mehr als den puren Wiedererkennungswert des abgenutzten Antlitzes bietet. Leider ist dies hier nicht der Fall. Statt wie in ’Halloween’ und ’Raw Meat’ durch wasserfeste Charakterisierung zu glänzen, ist er im vorliegenden Film ununterbrochen damit beschäftigt, furchtbar abgeschmackte One-Liner auszurotzen: ”You cannot escape me, Pumaman!“, “You’re just a small insignificant human being!”, “You must obey me.”, “I will destroy your powers.”, “I will destroy your mind”, “You belong to me now.”, “You cannot escape me!“ Und die hier stammen ungelogen allesamt aus einem Satz. (Die Anführungsstriche habe ich selbst zum Spannungsaufbau eingefügt.)

Entweder haben die Macher das Konzept von "forced perspective" nicht begriffen
oder Pumaman (the greatest hero of world!) jagt hier einen Spielzeughelikopter

Laut imdb.com behauptete Pleasance später, dass dies der mieseste Streifen sei, an dem er je mitgewirkt hat und auch wenn ’Pumaman’ wirklich kein Highlight in irgendjemandes Vita ist, gibt es hier doch genug unterhaltsamen Unfug und angestaubte Albernheiten zu finden, um zumindest in Trashkreisen über die eckigen Runden zu kommen. Fans des wahrlich amüsanten europäischen Superheldentums greifen selbstverständlich lieber zu den Kollegen ’Supersonicman’ und ’Argoman’.


Hudson