The Psychotronic Man



Originaltitel: The Psychotronic Man (1980)
Regie: Jack M. Sell Drehbuch: Peter Spelson & Jack M. Sell
Darsteller: Peter Spelson, Chris Carbis, Curt Colbert FSK: 18


Mr. Foscoe ist Frisör. Sein Schnurrbart sitzt, seine Koteletten haben Stil, sein Haar ist voll und dem Beruf entsprechend kommod geschnitten. Er hat eine Frau und zwei Kinder, einen schicken Schlitten und wahrscheinlich ein festes Einkommen. Eigentlich könnte sich Mr. Foscoe (dessen Vorname Rocky lautet) nicht über sein Leben beschweren, doch Alkoholismus und allgemeine Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation, gepaart mit einigen schrägen Halluzinationen in der jüngsten Vergangenheit, trüben das Idyll. Des Nachts steigt er aus seinem Auto aus und hängt plötzlich in luftigen Höhen, im Frisörladen schnippeln die Scheren ohne manuelles Zutun und als ein alter Mann, der ihn aus reiner Nettigkeit nach einer Panne in seine nahe liegende Butze einlädt, ihn einmal zu oft fragt, ob’s noch’n Tässchen Kaffee mehr sein darf, findet die Polizei besagten Opa ein paar Stunden später wortwörtlich mit dem Arsch in der Wand seiner Hütte.
Als Mr. Foscoe schließlich bei seinem Arzt Rat sucht, der lieber die Polizei benachrichtigen will, kippt die Stimmung bald und Mr. Foscoe wird vom ratlosen Frisör zum Psychotronic Man, einem telekinetischen Killer auf der Flucht…

Schicke Haare ...

“Dieser Foscoe ist etwas besonders. Möglicherweise der einzige einer seltenen Rasse in dieser Hemisphäre. Unserer Nachrichtenabteilung ist bestätigt worden, dass dieser Foscoe im Besitz von psychotronischer Kraft ist, die von allergrößtem Nutzen sein könnte für die Nationale Sicherheit.“
“Zu welchem Preis?!“

Laut der offiziellen Website des Streifens, war ’The Psychotronic Man’ das Traumprojekt des Versicherungsvertreters und gescheiterten Schauspielers Peter Spelson (’The Psychotronic Man’) „…who decided the best way to be in a feature film was to make one himself…“
Wer jetzt denkt “Moment mal! Ist die beste Art und Weise in einem Spielfilm mitzuspielen nicht die, der bestmöglichste Schauspieler zu sein?“, der sollte sich eventuell noch mal das Cover und den Titel (’The Psychotronic Man’) anschauen und verstehen: Wir sind hier direkt in der Drive In-Hölle. Denn bis auf die gute frisierte Tolle und ein launiges Starren gibt Peter Spelson (auch Co-Autor dieser sinnfreien Sause) seiner Rolle rein gar nichts, gereicht dem Begriff ’Schauspieler’ zu keinerlei Ehre und befindet sich damit in bester Gesellschaft. Seine Gegenspieler sind dicke Amateur-Chargen, wahrscheinlich aus dem Fundbüro des Hausmeisters der ’Method School of Acting’ geangelt und auf unfähig gebürstet:

... Heiße Karren ...
Eine handvoll Cops, u. a. der weiße Bruder von Lando Calrissian, eine fette Oliba-Version von T. J. Hooker, ein Arzt, der selbst so krank und fertig aussieht, dass ich nicht einmal eine Ferndiagnose in Betracht ziehen würde und ein Geheimdienst-Beamter mit scheußlicher Krawatte, Knopf im Ohr und Klischee-Anliegen (“Ich erhalte meine Anweisungen und sie erhalten ihre Anweisungen von mir!“). Das Heißeste am ganzen Streifen ist die Mucke. Da wird beinahe jedes Register gezogen. Country meets Glockenschlag feat. mysterious Rumgesumme, Romantik-Geklimper, Glamrock, Bingo Bongo-Getrommel und Synthie-Disco-Krabimsel. Alles dabei. Auch in Sachen Sound FX lässt man sich nicht lumpen. Sobald jemand etwas von ’psychotronischen Energien’ erwähnt oder selbige mit den beschränkten Mitteln des Budgets angedeutet werden, gibt es die volle Säuselton-Breitseite (Ist es eine sterbende Katze? Ist es eine Polizeisirene? Nein, es ist, sich anbahnende Psychotronic Energy!)
Beschränkte Mittel ist hier das Stichwort schlechthin. Archiv-Aufnahmen von der Autobahn, Polizeiuniformen, die stark nach Marinebekleidung ausschauen, ein SWAT- Team in Blaumännern und ein konsequenter Verzicht auf allzu überzeugende Effekte. Nein, doch eher ein konsequenter Verzicht auf irgendwelche Effekte.
Der Film gipfelt schließlich in einer irren Verfolgungsjagd über die Landstraßen des County, bis hin in die Großstadt, bei welcher Mr. Foscoe (der seine Macht mittels ’an den Kopf fassen und böse gucken’ entfesselt) sich … nun, sehr oft an den Kopf fasst und die deppschen Bullen den Zuschauer nach dem Muster ’anhalten, Tür auf, schießen, wieder einsteigen, weiterfahren’ je nach Gesinnung zum Lachen oder Weinen bringen.

“Möglicherweise wollte mir der liebe Herrgott nur mal zeigen, dass er zornig ist.“

... Dicke Herren

Fazit: Carries Frisör vs. Police Force Schwabbel. Ohne Frage ein schlechter Film. Aber den Soundtrack zu dem Streifen hätt’ ich echt gerne. Ich weiß zwar noch nicht, warum und wofür, aber sobald ich drauf komme, gebe ich euch Bescheid.


Hudson