Prototype


‘Mankind doesn't stand a chance.’


Originaltitel: Prototype (1992)
Regie: Phillip J. Roth Drehbuch: Phillip J. Roth & George Temple
Darsteller: Lane Lenhart, Robert Tossberg, Brenda Swanson FSK: 18


Folgt dem Voice Over!

“Wir schreiben das 21. Jahrhundert. Die großen Städte versuchen verzweifelt durch Unterdrückung die Bevölkerung unter Kontrolle zu bekommen. Es werden kybernetisch umgewandelte Menschen geschaffen, die Omegas.
Jedoch schon nach ein paar Jahren beginnen die Omegas ihre Programme selbstständig zu verändern. Das Omega-Projekt gerät außer Kontrolle.
Aus diesem Grund entwickelt man neue kybernetische Wesen, die Prototypes. Sie sind auf eine einzige Funktion programmiert: Die Vernichtung aller Omegas.“

Endzeit-Hofpause
Ich versuch das grad selbst zu verstehen. Also… Im 21. Jahrhundert gibt es zu viele Menschen und die machen Stunk. Um Ruhe einkehren zu lassen, entscheidet die Regierung (der Welt), dass man noch mehr Menschen macht, allerdings künstliche, die pflegeleicht sind, nicht aufmucken, und den echten Menschen die Leviten lesen. Dann entpuppen sich die pflegeleichten Schupos plötzlich selbst als eigensinnige Rasenlatscher.
Was macht die Regierung (der Erde)? Sie lässt noch mal neue Menschen machen, diesmal allerdings komplett synthetisch, also anstelle des unauffälligen ’Blade Runner’-Modells einen echten, mattsilber bestrichenen Roboter, der spastisch durch die Gegend stakst.

Joa, warum auch nicht. Kommen wir zum Film.

Los Angeles, 2057.

Hach, hätte ich meinen
Helmfetisch nur schon
vor dem Unfall gehabt!
Es stellt sich heraus, dass die “großen Städte“ tatsächlich nur riesige Ruinen sind, in denen die Prototypes Jagd auf die Omegas machen, während der dreckige Rest der Menschheit in genau so dreckigen Katakomben verharrt und sich mehr schlecht als recht durchs Leben beißt. Programmierer Hawkins hat (abgesehen von seiner lächerlichen Vokuhila-Matte) ein ganz anderes Problem: Er sitzt im Rollstuhl und ist unsterblich in die junge Chandra verliebt. Auf Hawkins Avancen reagiert diese jedoch nur mit dem Heart Crush-Klassiker: “Lass uns doch Freunde bleiben!“ (Männer hassen das!). Nach langem Hin und Her (man ersetze ’Hin und Her’ durch, Bully Drama, Cybersex und sehr, sehr viele, meist nur Verwirrung stiftende Dialoge) entschließt sich Hawkins dazu, die Umwandlung in einen Prototype vornehmen zu lassen.
Gesagt, getan. Doch, oh Schreck, oh Graus, es stellt sich heraus: Chandra ist eine der letzten Omegas. Das konnte ja keiner wissen…

Tja, da hat Regisseur Phillip Roth uns ja wieder einen dicken Fisch zwischen das Fleisch geschmuggelt. Was soll das sein? Action? Drama? Science Fiction? Womöglich alles, jedoch nichts davon ganz, dafür aber mit speckigen Steinzeit-CGI-FX, überforderten Darstellern und einem penetranten Farbfilter, wie wir ihn schon aus dem ähnlich verqueren ’M.A.R.K. 13’ kennen.

Ooooah, du starker,
glänzender, großer,
mächtiger Heeelm!
Apropos ähnlich: Man möchte meinen, dass Roths ’APEX’ auf ganz ähnlicher Scheiblette rotiert (Endzeit, Cyborgs and all), doch der setzte tatsächlich komplett auf Stringenz und Schauwerte und schenkte sich das krude, zwischenmenschliche Trara, dessen Abwesenheit bei ähnlichen Streifen dieser Couleur ja eigentlich immer bemängelt wird. Wenn man sich das Ergebnis bei ’Prototype’ allerdings anschaut, sollte man eher froh sein, dass die meisten Genre-Brüder gleich gänzlich auf (löchrig, plumpe!) Charakterentwicklung verzichten, gleich zur Sache kommen und sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben.
Denn genau dahin führt auch ’Prototypes’ gelber Backsteinweg aus Sülzrhabarber, als Proto-Hawkins seiner Chandra endlich gegenübersteht und aus voller Robo-Kanne röhrt: “Ich liebe dich… ich bin so allein.“, woraufhin sie antwortet: “Kannst du mich fühlen, Hawkins?“, was uns wiederum ins Innere von Hawkins Helm bringt, aus welchem wir Chandra nun nackt sehen, während seine Stimme: “Ja, ich fühle dich.“ eimert.

Das Ende jeder Cyborg-Action:
Lichtblitze, Rauch und weggefräste Fressbretter.

Fazit: Man mische im Kopf eine Prise ‘Blade Runner’, ‘Ghost in the Shell’ und ‘Terminator’, dazu denke man sich jede Menge Schrottkulissen und selbst gebastelte Technosuits, viel vergeblich dramatisches Geseier, zaubere einen Gelbstich über das fertige Gespinst und man hat einen ungefähren Eindruck, um was es sich bei ’Prototype’ handeln könnte. Erklären kann ich euch den Streifen auch nicht, davon abraten aber schon. Savvy?


Hudson