Die Prophezeiung


‘The Monster Movie.’


Originaltitel: Prophecy (1979)
Regie: John Frankenheimer Drehbuch: David Seltzer
Darsteller: Robert Foxworth, Talia Shire, Armand Assante FSK: 16


John Frankenheimer ist eigentlich ein zuverlässiger Fachmann für spannende und hinterfragende Stoffe. Mit ’Botschafter der Angst’, ’French Connection 2’ und ’Powerplay’ bewies er nicht nur sein Geschick für relevante und brisante Themen, sondern auch für unterhaltsames Thriller-Kino. An dem vorliegenden Veruch eines umweltbewussten Mutations-Tier-Horrors biss sich der Meister allerdings die Zähne aus.

"Ey, Helm is Pflicht! Aber naja
bei deinem Afro werden wir
mal 'ne Ausnahme machen!"
Als die Zänkereien zwischen Indianischen Ureinwohnern und einer Papierfabirk in Maine eskalieren, wird Ghettoarzt Dr. Verne (Robert Foxworth) samt Weibchen (Talia ’Yo, Adrian’ Shire) ins Waldparadies berufen, um ein Gutachten über die Astreinlichkeit der Fabrik zu verfassen.
In Neu England angekommen, scheitern seine Versuche, zwischen Fabrikbesitzer Isley (Richard A. Dysart) und dem sturen Indianer-Häuptling Hawks (Armand Assante) zu schlichten. Doch nachdem ihm beim Angeln ein gigantischer Lachs über den Weg schwimmt, beim Abendbrot ein verrückt gewordener Waschbär die Hosenbeine hinaufläuft und er eine Katzen-große Kaulquappe am Ufer des Flusses findet, beginnt Verne an der
Umwelfreundlichkeit der Papiermühle zu zweifeln. Als nach Mutationen und Totgeburten in der Bevölkerung auch noch ein schleimiger Riesenbär auftaucht, wechselt der Kurs und alle Beteiligten werden Gejagte in einer monströsen Hatz auf Leben und Tod…

Die Pythons hatten Unrecht. Ein Holzfäller zu sein ist nicht ok!

Hier sind all die Indianer hin
Hier verlor das Ziel den Sinn
Die baden die Bäume nämlich in Quecksilber und sind dran Schuld, dass Rockys ’Aaaadrian’ irgendwann ein Mutantenbaby bekommt, weil sie einen dreiäugigen Fisch gegessen hat. So prophezeit es jedenfalls ’Die Prophezeiung’, der Film, an dem sich Mr. Frankenheimer (ganz ähnlich wie 17 Jahre später mit ’D.N.A.’) ordentlich verhob. Die anfangs zentrale Industrie-Kritik versickert im Laufe der 2. Hälfte, als der Film zum Trashmonster-Debakel wird, das trotz Spannung einfach nicht funktionieren will.
Tragisch, dass sowohl Schauspieler, als auch Musik und Kamera-Arbeit deutlich über dem Durchschnitt rangieren und der Film eine recht eindringliche Spannung aufbauen kann.

Nichts geht über Bärenmarke,
aber die hier klumpt schon
Doch dann kommt die Tagline zum tragen und das Monster erscheint. Ohje, ohje. Haben denn Regisseur, Special Effects-Leute und die Schauspieler nicht bemerkt, was für ein unwürdig designtes Scheusal hier auf den Zuschauer losgelassen wird? Dass diese Mischung aus dem ’Toxic Avenger’ und einem verschmorten Wildschweinbraten den ganzen Film verbrezeln würde, hatte ich auch erst nicht gedacht. Aber ja, es ist so. Denn was man in dem einen Film zu feiern weiß, macht im anderen alles kaputt. (Oder hätte statt ’Bruce’, dem weißen Hai, ein aufgequollener Riesen-’Elmer’ das gleiche Ergebnis beim Publikum erzielt?)
Nee, hier wird ein quäkender Monstersäugling als Beweisstück beschlagnahmt und durch die Pampa geschleppt (das hat ja auch später bei ’Jurassic Park 2’ bestens funktioniert), bis zu dem Zeitpunkt, an dem er anfängt selbst anzugreifen. (Die Szene, in der die Protagonisten durch den Fluss zur Hütte schwimmen und das Vieh immer noch beißend und krallend am Hals der Indianer-Lady hängt, könnte direkt aus einer Parodie stammen.)
Und während die ökologische Message im luftleeren Raum der Inkonsequenz verpufft, kippt das Gummimonster Lastwagen um und reißt ganze Häuserwände ein. Warum nicht gleich Godzilla rufen?

Run Forrest, Run!

Ich weiß durchaus zu würdigen, was Frankenheimer hier zunächst versuchte. Doch sein Film sackt nach der ersten Hälfte ganz hoffnungslos auf ein völlig anderes Niveau ab. Und da man sich hier weder für Fisch noch Fleisch entscheiden konnte, darf auch ich weder Trashfans, noch engagierten Ökos eine vollständige Empfehlung aussprechen. Es gibt viel, viel schlechtere Monster-Filme als den hier, doch verpasste Chancen sind meist die bitterste Medizin für Filmliebhaber. Dennoch schimmert hier genügend handwerkliches Geschick durch, um ’Die Prophezeiung’ als unausgegorenen, unterhaltsamen und grafisch grotesken B-Film stehen zu lassen.


Hudson