Gefangene im Weltraum


‘Ein erbarmungsloser Kampf in den Tiefen des Alls…’


Originaltitel: Prison Ship (1988) Regie: Fred Olen Ray
Drehbuch: Miriam L. Preissel, Michael Sonye & Fred Olen Ray
Darsteller: Sandy Brooke, Susan Stokey, Ross Hagen FSK: 18


Es ist schon merkwürdig, wie oft man auf den Namen Fred Olen Ray in den Credits irgendwelcher aussortierter VHS-Trasher aus den goldenen 80ern stößt. Der Mann muss zeitweise mit dem Eifer eines Wolfgang Hohlbein zur Tat geschritten sein.

Die Truppen des Souverän:
Tom, Tim, Klim, Bim & Bommel

Und wer Olen Rays Werke kennt, wundert sich kein bisschen über den sleazig-exploitiven Start in den Film; als eine ’Gefangene im Weltraum’ (also eine dürftig bekleidete Dame in Ketten) von einer ’Gefängniswärterin im Weltraum’ (ähnlich nur in Leder) einen Blutegel vom Rücken abgepuhlt bekommt, welchen letztere prompt verspeist.
Guter Einstieg, wenn ihr mich fragt. Weiter geht’s mit den Credits, die sich optisch an Barcodes, und musikalisch an John Williams ’Raiders’-March orientieren.
Dann kommen auch schon die ersten lustigen Space-Stillleben und schließlich sind wir auf dem Planeten der gelblich-braunen Kamrea-Filter und lustigen Bi-Ba-Butzemann-Melodeien. Dort läuft ein Rabbi in Fantasy-Gewändern übers Feld und trifft auf zwei Gnome mit Kochtöpfen auf der Omme und die liebenswerte, aber harte Blondine Taura, die ihn auch gleich zur Maden-Suppe am Lagerfeuer einlädt.

Keine Bange:
Reine Knast-Routine!
Unterbrochen wird diese gesellige Runde von den Truppen des sogenannten ’Souverän’. Diese mit Football-Panzern, Zorro-Masken und Eishockey-Handschuhen bekleideten Eimerköppe, angeführt von Über-Akteur Ross Hagen (’Phantom Empire’) als Scheucher ’Bantor’ (typischer Zufalls-Generator-Name, wie Musklor, Wampor oder Schnorchlor). Bald haben diese Herren die frommen Sprüchen des alten Moses ( “Der Souverän spottet der Kraft des Tao.“) satt und sie pulverisieren den alten Zausel mitsamt der Mini-Mes. Taura, die blonde Power-Amazone, is not amused und setzt sich zur Wehr. Ein paar Tote später hat Bantor seine rechte Hand an ein Säure-Bad verloren und Taura ist Gefangene des Souveräns.
Es folgt ein Gastauftritt von John Carradine als alter Herold, der vor einem ’star-spangled Green-Screen’ die Urteilssprechung verkündet. Taura wird zu siebenjähriger Haft im ’Starslammer’ (yeah!), dem intergalaktischen Frauenknast verknackt. Dort angekommen erweist dich das Empfangs-Komitee als äußerst unfreundlich. Die bereits anwesenden Ladies zeigen dem Frischling erstmal, dass sie hier nicht auf dem ’Loveboat’ ist. Taura muss ihre knappe Dschungelbekleidung ablegen und bekommt eine ebenso knappe Sportbekleidung zugeteilt. Das Leben auf der Station erweist sich als hart. Das liegt nicht nur an den Aufseherinnen Muffin (ja Muffin) und Warden, die ausschließlich in voller Domina-Montur durch die Gänge rennen (inklusive Augenklappe, Cape, Mütze und Peitsche), sondern auch an der Missgunst der anderen Insassen. Da hilft nur rohe Gewalt, bis sich Taura endlich bewährt hat. Kaum wurde diese Hürde überwunden, steht auch schon Klauen-Hand Bantor vor der Tür, der zwar seinen Verstand verloren, aber nicht vergessen hat, wer Schuld daran ist…

BANTOR!!!
Kaum zu glauben, dass es mir nicht gelungen ist, diese erbärmliche Entschuldigung einer Story in zwei knappe Sätze zu fangen. Aber um Story ging es Olen Ray nie wirklich. Sondern um folgendes:
Ein Monster, das irgendwie an die Kosmokiller erinnert, Space-Ratten, Space-Gürteltiere, Space-Würmer im Haferbrei, Maus-Robots (ja, wie die aus ’Krieg der Sterne’), eine Messerstecherei, die Michael Jacksons konsequent für sein ’Beat it’-Video umsetzte, ein Cameo von ’Urnase’ Aldo Ray (’Bog’) und jede Menge Archiv-Gerümpel von ’Sador’ bis ’Dark Star’.
Damn right, now we’re talkin’ Olen Ray!
Ganz nebenbei zieht der Mann, der uns schon die ’Hollywood Chainsaw Hookers’ gab, hier alles durch den Kakao, was im Genre nicht niet- und nagelfest ist. Dank des Wunders der ’Mehrfarbigen Beleuchtung’ gelingt es Olle Ray mal wieder ein Set wie zehn aussehen zu lassen. Musikalische Vielfalt (von Harfen-Gesäusel bis zum Epischen Paukenschlag), die Unterteilung in Kapitel (Highlight: ’Chapter 3: Arena of Death’) und köstlich dämliche Radio-Durchsagen (“Der für heute angedachte Lehrfilm ’Züchtigung im Zuchthaus’ muss für eine Sonderübertragung aus dem Palast des Souverän verschoben werden.“) machen ’Prison Ship’ (O-Titel) zum schalalalalalustigsten Weltraum-Blödel-Trash seit ’Arena - Todesmatch der Giganten’.
Kurz vor dem Abspann werden wir dann noch gewarnt: “The Adventure of Taura will continue in ’The Chain Gang’!“ Hach, würde Fred Olen Ray seine Versprechungen doch nur halten!

'The Hair-Eating Creature from Outer Rim'

‘Frauenknast from Outer Space’. Diese Star-Farce rockt auf den niedrigsten Frequenzen menschlicher Unterhaltungslust. Am besten mit einem griffbereiten Kasten Bier und in Begleitung einer gröhlenden Rotte XY-Chromosomen konsumieren! I know, it’s only Olen Ray, but I like it, like it, yes I do!

Hudson