Prey


‘Out here, you're the endangered species...’


Originaltitel: Prey (2007)
Regie: Darrell Roodt Drehbuch: Beau Bauman, Darrell Roodt, Jeff Wadlow
Darsteller: Bridget Moynahan, Peter Weller, Carly Schroeder FSK: unbekannt


Wenn eine Spezies im reichlich ausgestatteten Sub-Genre des Tierhorrors noch nicht zur Genüge exploitet wurde, dann sind es die Könige des Dschungel, die Lieblinge römischer Arenen, die Löwen. Da gab es bislang nur den passablen ’Gefangene der Bestien’ und das erstklassige Horror-Abenteuer ’Der Geist und die Dunkelheit’. Schon wunderlich, dass es bislang dabei blieb, denn wenn es ein gefährliches Tier da draußen gibt, vor dem wirklich jeder Schiss haben sollte, dann ist es der Löwe (Eisbären zählen nach Knut einfach nicht mehr).

Tom Newman (ein sichtlich gealterter Peter Weller) soll den Bau eines Staudamms in Afrika beaufsichtigen und nutzt die Gelegenheit, seine neue Braut Amy den Kindern etwas schmackhafter zu machen. Vor allem seine 14jährige Tochter Jess will davon überhaupt nichts wissen. Sie hasst die Steppe, sie hasst das Klima und sie hasst ihre neue Schwiegermutter (gespielt von Bridget Moynahan), die allerdings gar nichts Hassenswertes an sich hat.

Katze auf'm heißen Blechdach
Am ersten Tag nach der Ankunft geht es schließlich zur obligatorischen Safari und da Daddy zu arbeiten hat, können sich Frauchen und die Bratzen endlich mal aneinander gewöhnen. Nach 5 Minuten Fahrt, der Privat-Führer hat längst einen Abstecher von der ’Straße’ gemacht, um den drei Touris das ’echte Afrika’ zu zeigen, fällt dem Bengel ein, dass er Kacken muss. Nachdem der Kopfklatsch-Alarm nachgelassen hat, werden wir Zeuge des Unvermeidbaren. Der Knabe hat noch nicht einmal die Buchsen fallen lassen, da kommt auch schon ein gewaltiges (und vor allem gewaltig hungriges) Löwenpärchen aus dem Busch gewetzt und schnappt sich den Führer. Bon appetit, mon leon amis! Zu allem Übel hatte der Bursche auch noch die Autoschlüssel in der Tasche. Amy, Jessica und little Lord Fecalroy sitzen nun ohne Wasser, Waffen und Waffeln im Wagen fest und werden von den gierigen Bestien belagert. Jede Hoffnung scheint verloren…

Die Götter des Tierhorrors scheinen es mit den Löwen wirklich gut zu meinen. Überraschung: ’Prey’ ist nicht schlecht. Tatsächlich ist er wahrscheinlich besser als das meiste, was uns in den letzten Jahren aus dieser Richtung beschert wurde.

Miezen im Steppengras
’Prey’ nimmt sich Zeit, legt ein ums andere Mal falsche Fährten und vermag dadurch die Spannung noch zu steigern. Und auch wenn es immer wieder ein paar Durchhänger (wie das ewige Hin und Her-Gerenne zwischen Wagen und Steppe) und Drehbuchgefälligkeiten (keine Funkgeräte in Afrika?) gibt, bleibt das Geschehen konstant dramatisch.
Da Peter ’RoboCop’ Weller keinen Löwenanteil der Spielzeit bekam, bleibt die Last der Identifikation an Bridget Moynahan hängen. Die Beste gibt sich auch alle Mühe dabei, überzeugt aber nur bedingt. Vielleicht wurde ich aber auch nur zu sehr von ’Firewall’-Blondinchen Carley Schroeder abgelenkt, die pausenlos rumzickt und so lange nervt, bis man sich wünscht, die verdammten Löwen würden sie endlich holen. Das Szenario mit dem Menschen im Auto und dem danaben lauernden wilden Tier, hat mir rein vom schauspielerischen Aspekt bei ’Cujo’ z.B. besser gefallen. Das Gefühl nackter Panik und hoffnungsloser Verzweiflung (nicht zu verwechseln mit Rumgezicke!) ging mir hier einfach ein wenig ab.
Nun gut, die eigentlichen Stars sind die Löwen und die sind fantastisch, auch wenn kein großes Huibuh um die Biester gemacht wird. Gleich zu Beginn sehen wir einen waschechten Löwenangriff auf eine Zebraherde, inklusive Aderlass und Extrem-Bauchkrauling. Was sie hier am menschlichen Körper anrichten, ist bestialisch, aber immer noch nicht so brutal wie das Treiben der beiden Viecher in ’Der Geist und die Dunkelheit’. Allein die Tatsache, dass mit echten Tieren gedreht wurde, ist schon beeindruckend.

Löwin an der Gurgel

Fazit: Überdurchschnittlicher und spannender Tierhorror in schöner Kulisse, bei dem leider uninspiriertes Schauspiel und Einbrüche in Sachen Script-Originalität zu beklagen sind. Für Fans der Tierhorror-Sparte und Afrika-Abenteurer dürfte ’Prey’ aber schmackhafte Beute sein. Besser als der aktuelle Alternativ-Afrika-Horror ’Fährte des Grauens’ ist er allemal.


Hudson