Poultrygeist


‘Humans... the other white meat... Unless you're black, then it's dark meat... Or if you are Asian, then it's yellow meat... Or if you are Native American, it's red meat...’


Originaltitel: Poultrygeist: Night of the Chicken Dead (2006)
Regie: Lloyd Kaufman
Drehbuch: Daniel Bova, Gabriel Friedman & Lloyd Kaufman
Darsteller: Jason Yachanin, Kate Graham, Allyson Sereboff FSK: ungeprüft


Letztes Jahr in Tromaville auf dem Friedhof beim Trocken-Poppen:

“Im not ditching you, Arbie. And I think you should come with me. There’s still time to apply [to college].”
“Wendy, my mum is a retard and my dad is blind. I mean, how am I supposed to take care of ‘em, when I’m off somewhere, getting smart?”

Corporate business on sacred ground?
Let the shit hit the fan!
Das hätte sich Nerd Arbie vielleicht doch nochmal überlegen sollen. Denn als seine Schnalle vom College zurückkommt, hat sie sich schon sexuell umorientiert und züngelt mit ihrer neuen Dyke-Freundin in einem aufgebrachten Mob vor dem neuen ’American Chicken Bunker’ herum. Der Futter-Palast einer militanten Kette, gegründet vom ehemaligen Ku Klux Klan-Mitglied General Lee Roy, wurde jüngst auf der indianischen ’Tromahawk Begräbnisstätte’ erbaut, was allerlei Hippie-Volk zum lauthalsen Protest vor das Fast Food Restaurant bringt.
Um seine Ex zu ärgern besorgt sich Arbie einen Job im ’Chicken Bunker’ und wird Teil eines Teams, bestehend aus dem menschlichen Abfall des amerikanischen Traums. Noch bevor Arbie die Möglichkeit hat, sich an die Arbeitsbedingungen zu gewöhnen, begehren die Geister der toten Rothäute auf und schlüpfen in das Hühnerfleisch. Wer sich fortan an den Spezialitäten vergreift, hat mit widerlichen Konsequenzen körperwandlerischer Art zu rechnen. Als General Lee Roy zur Besänftigung des Mobs kostenloses Hühnerfleisch verteilt, ist die Kacke am dampfen…

“How can I ever love someone again, who wants me to eat cock?“

Just another day in fast food hell
Lloyd Kaufman hat’s mal wieder geschafft. Der Troma-Kopf, Independent-Meister und Trash-Guru hat mit ’Poultrygeist - Night of the Chicken Dead’ womöglich sein Magnus Opus geschaffen. Wenn ihr meint, ich arbeite auf eine schlechte Pointe hin, dann habt ihr euch getäuscht, ihr armen, zynischen Menschen. Denn ’Poultrygeist’ ist wahrlich die ultimative Troma-Klitsche und schafft es, mit comichafter Gewalt der überzogensten Art, abgedrehten und dennoch sympathischen Figuren, 1001 saudoofen und erstaunlich cleveren Gags und mindestens genau so vielen Wahnsinns-Einfällen ein Feuerwerk der Sinne zu zünden, das von nun an womöglich als Maßstab für Filme dieser Art herhalten wird.
Besonders bemerkenswert ist Kaufmans Fähigkeit, mit diesem (hoffentlich nicht!) letzten Meisterwerk seiner Schmiede sowohl in Sachen Optik, Flair und Thema total im Gleichlang mit den alten Troma-Klassikern der Marke ’Atomic Hero’ und ’Class of Nuke ’Em High’ zu bleiben. Das freut den Fan von gestern, zumal ’Poultrygeist’ richtig gut aussieht, was bei Troma wahrlich kein ’Muss’ ist und den einen oder anderen Filmemacher mit echtem Budget bis auf die Knochen blamieren sollte.

The usual suspects

“That chicken has declared Jihad on us all. Oh, that reminds my, I gotta get a tampon!”

Die Charaktere sind typische Troma-Weirdos, die schnell das Herz des Fans gewonnen haben. Hauptdarsteller Jason Yacharin hat nicht nur Talent, sondern auch eine quirlige Ausstrahlung, die dem ganzen Film zugute kommt, während um ihn herum ein schräger Haufen Unfug stiftet.
Ein schwarzer Militant versucht ein eisernes Regime zu führen, ein mexikanischer Revoluzzer wichst ins Burger-Fleischt, eine muslimische Putzfrau hat Identitätsprobleme (“By the power of Allah, I have the Power!”) und ein Redneck-Hühnerficker hat seine Ausbildung in Harvard abgebrochen, um sein Leben in Gegenwart von totem, kaltem Hühnerfleisch zu verbringen. Ich sach ja; Troma at its best!
Ron Jeremy liefert einen Kurzauftritt als ’Crazy Ralph’-Type mit irrem “Dieser Ort ist verfluuuucht!“-Geschrei und Troma-Fatty Joe Fleishaker gibt das erste Poultrygeist-Opfer, in einer der wohl unappetitlichsten Szenen der gesamten Geschichte glorreicher Filmkunst straight outa Tromaville.

Happy disgust-o-rama, everyone!

“Well at least I’m man enough to have a job and support my family… at 3,50 an hour.”

An Geschmacklosigkeiten jedweder Art wird hier wirklich nicht gespart. ’Titten & Gekröse, Baby!’ ist das Motto. Es wird gerammelt, gefingert, gezüngelt, von vorne, von hinten, jeder mit jedem. Zombies, Menschen, Mutationen.
Ich muss gestehen, dass ich mich außer Stande fühle, den Einfallsreichtum des Hühner-Zombie-Overloads und den daraus resultierenden Supergau von Effekten, absurdem Make Up und purem Splatter-Fun zu beschreiben. Nur soviel sei gesagt: Seit dem Einbruch der Vampire im ’Titty Twister’ hab ich nicht mehr so gefeiert.
Kaufman packt in den Jux nicht nur unzählige Musical-Nummern (und singt selbst in einer herrlichen Nebenrolle seine ganz eigene Version von ‘The times they are a changing’ namens ’A turd is a turd!’), sondern schafft es tatsächlich, eine Sackladung von amüsanten Seitenhieben zu Themen wie Franchise-Unternehmen, Ernährung, Terrorismus, Idealismus, Berühmtheiten und Sexualität im Film unterzubringen. Glaubt es oder glaubt es nicht, aber diese überzogene Trash-Perle hat mehr zu sagen als das Gros der Hollywood-Blockbuster der gesamten letzten Jahre.

Yeah, thrill me!

“If it’s not the Jews or the Americans, it must be the chickens, huh?“

Schon lange hat mich kein Film mehr so effektiv unterhalten wie ’Poultrygeist’. Anstößig, grotesk, einfallsreich, clever wenn nötig, doof wenn’s passt und vor allem zum Totlachen komisch. Eine frische filmische Bibel für Trash- und Troma-Fans.

Hudson