Porno Mania


‘See it - Feel it - Taste it -
Once you have had it you will never be the same!!!’


Originaltitel: Blood Mania (1970) Regie: Robert Vincent O'Neill Drehbuch: Peter Carpenter, Tony Crechales & Toby Sacher
Darsteller: Peter Carpenter, Maria De Aragon, Vicki Peters FSK: 18


Welcome to the Sleaze!

Was für ein passender Zufall, dass das Sleaze-Review, welches 'Porno Holocaust' folgt, dank der deutschen Titelgebung ebenfalls einen 'Porno'-Titel bekommen hat. Der Film selbst heißt im Original allerdings 'Blood Mania' und hat mit Pornographie etwa so viel zu tun wie 'Black Devil Doll' mit gutem Geschmack.

Produziert von Crown International Pictures ('Chain Gang Women') und inszeniert von Robert Vincent O'Neill, der in den 80ern noch den Kultstreifen 'Angel' und dessen Sequel drehen sollte, stellt 'Porno Mania' irgendwas zwischen spannungsarmen Thriller, zahmen Schocker, sleaziger Soap und kaputtem Krimi mit künstlerischem Anstrich dar.

So sieht sich auch unser Spoonie gern
Dr. Craig Cooper (Peter Carpenter, 'Vixen') ist der Hausarzt des alten, bettlägerigen Mr. Waterman, der mit seiner Tochter Victoria zusammen lebt. Während die nymphomanisch veranlagte Victoria (Maria De Aragon) sich dem erfolgreichen jungen Arzt an den Hals werfen will, macht ihr verbitterter Vater ihr das Leben schwer ("Daddy..." - "Don't Daddy me!"). Doch auch Dr. Coopers sorgenfreies Leben hat ein Ende, als eines Abends ein schmieriger Gangster vor seiner Tür steht, um bei ihm Schulden aus längst vergangenen Tagen einzulösen. Nach dem er sich Victoria anvertraut, hat diese eine eigene Idee, wie sie ihrem Schwarm aus der Schuldenfalle helfen kann...

Zu Beginn der sleazigen 70er Jahre entstanden, atmet dieser Film nahezu ein Flair von Sex, Drogen und Obskuriosität.
Was in der ersten Hälfte als ziemlich unterhaltsamer Crime Thriller voll mit nackten Brüsten und einem wunderbar zwielichtigen Gangster anfängt, durch den unser Protagonist von seiner dunklen Vergangenheit eingeholt wird, flacht die Story mit der Zeit leider immer weiter zur Soap Opera ab, die den interessierten Zuschauer abschüttelt.

Und so säh er sich gern von der Seite
(doll not included)
Dabei gewinnt der Film zwar durch einen gewissen Style und einige anschauliche Shots, verliert sich aber durch das zu langsame Tempo gelegentlich wieder. Zu den prägnantesten Szenen gehört wohl die, in der Victoria den Doktor unter Drogen verführt - und wenn man sich die Struktur des Films ansieht, haben eben diese Drogen womöglich auch hinter der Kamera mitgespielt. Relativ wichtige Figuren verschwinden plötzlich, ohne je wieder erwähnt zu werden (Dr. Coopers Frau - nach dem sie sich ihrem Mann zu Liebe von Mobster McSmeerlap vergewaltigen lässt, wird sie im restlichen Film nie wieder gesehen), andere tauchen viel zu spät auf und werden plötzlich zur neuen Hauptperson. Das ist etwa so verwirrend, wie die zusammenhanglose Traumszene in der Intro-Sequenz, die später nie mehr aufgegriffen wird. Und obwohl das Ende so ziemlich der beste Moment im Film und eine durchaus nette Schockszene ist - wirklich Sinn macht auch das nicht.

Send...more...Overacting!
In der Besetzung sind vor allem Peter Carpenter, der übrigens auch das Drehbuch geschrieben und den Film mitproduziert hat, als Dr. Cooper und Maria De Aragon als Victoria zu erwähnen. Lustig ist, dass Carpenter hier eine relativ überzeugende Performance abliefert und sowohl sympathisch als auch eiskalt wirken kann, während De Aragon in erster Linie durch ihren nackten Körper punktet. In so gut wie allen Szenen, die wirkliches Schauspiel erfordern (beispielsweise ihr Gefühlsausbruch bei der Testament-Verlesung) wirkt sie völlig fehl am Platz. Das ist natürlich halb so schlimm, da sie zumindest bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Brüste zeigt, was dem Sleaze-Faktor des Films gut tut.
Und wenn wir schon dabei sind: Sleazig ist dieser Film mit Sicherheit. Zwar sind die meisten Nackt- oder Sexszenen inhaltlich eher harmlos, doch kommen sie zahlreich und schön schmierig zum Einsatz. Am meisten wohl in der Szene, in der sich Coopers Frau dem Gangster schon bereitwillig anbietet, um ihren Mann 'freizukaufen' und dieser sie dann irgendwie trotzdem vergewaltigt.
Abgesehen davon sind die oben erwähnte Sex-Szene unter Drogeneinfluss und alle Mord-Szenen (es sind ihrer zwei) ziemlich nett gemacht.
Wie schon gesagt, hat der Film in seiner Kinematographie durchaus einen versucht künstlerischen Touch, was bei einem Exploitation-Streifen dieser Art aber nicht ganz so viel Eindruck macht. Naja, ein paar nette Momente gibt es wohl, aber auch wenn er es noch so sehr versucht, ist ‚Porno Mania’ kein Hitchcockfilm (trotz des ‚Vertigo’-Zooms auf die Titten).

Honka Honka Burning Love

Fazit: Ob nun 'Blood Mania' oder 'Porno Mania' - ganz so reißerisch wie sein/e Titel ist dieser Film leider nicht. In Sachen Sex wird mehr geboten als es Gewalt gibt, was auch zur Atmosphäre passt, aber ein flotteres Tempo und weniger Dramarama drumherum hätte den Film um Einiges verträglicher gestaltet. Für beinharte Fans von sleazigen 70s-Dramen/Krimis ist der Film sicher geeignet, für Einsteiger hingegen eher einschläfernd.


PS: Wenigstens ein irres Ding muss für alle Nerds da draußen noch erwähnt werden: Maria De Aragon hat Greedo in 'Krieg der Sterne' gespielt!

Spooner