Porno Holocaust


‘An island exposed to nuclear fallout!
A horny mutant cannibalistic zombie!’


Originaltitel: Porno Holocaust (1981) Regie: Joe D'Amato
Drehbuch: George Eastman
Darsteller: George Eastman, Dirce Funari, Annj Goren FSK: ungeprüft


Lange habe ich mit den Obrigkeiten von FilmFlausen.de diskutiert, gefleht und Bestechungsversuche durchgeführt, damit man mir erlaubt meiner Aufgabe als Sleaze-Korrespondent auf der 'ganzen Linie' gerecht zu werden. "Aber der Film heißt 'Porno Holocaust'!", hieß es. "Lass dich vom Titel nicht täuschen - der hat gar nichts mit dem Holocaust zu tun!", konterte ich vergeblich. Doch eines schönen Freitagabends, als ich mich gerade mal wieder fragte, an welchem Punkt in meinem Leben mein Filmgeschmack sich entschlossen hat, DIESEN Weg zu beschreiten, kam die Absolution. "Schreib du mal...", ließ der Chef aus der Lippe fallen. Also habe ich mir einen Scotch (die Sorte, die man lieber MIT Eis trinkt) eingegossen, es mir mit meinem Notizbuch gemütlich gemacht, und was folgte, waren 110 Minuten 'Porno Holocaust'.

"Hey Puppe.. ich war Italian Batman!"

Schon in den Credits begrüßt uns der Film mit seinem flott-eingängigen Soundtrack, und einer Titeleinblendung, die sich lustigerweise genau über die Porno-Schnurre unseres Protagonisten legt. Dieser muss nämlich mit einem Team von Wissenschaftlern (darunter George Eastman!) auf eine tropische Insel fahren, auf der die lokalen Fischer einige grausame Entdeckungen gemacht haben. Jahre zuvor hat man dort eine radioaktive Bombe getestet, weshalb allerlei eigenartige Mutationen aufgetreten sein sollen, denen das Team auf den Grund gehen muss. Auf der Insel angekommen (and that's waaay into the movie) macht die Gruppe schließlich mit 'dem Monster' Bekanntschaft - einem farbigen, radioaktiven Zombie mit Penis-Pilzbefall.

Only on the Greek Island of Lesbos
Regisseur Joe D'Amato, der sich vor allem durch einige berüchtigte Horror- und Sexfilme einen Namen gemacht hat, vereint hier erneut seine beiden Lieblings-Genres. Aber machen wir uns nichts vor - Porno Holocaust ist wesentlich mehr Porno als Horror, da dieser Teil tatsächlich erst sehr spät in der Laufzeit wirklich beginnt. Die restliche Zeit sehen wir unseren Hauptdarstellern beim Kennenlernen und selbstverständlich zahlreichen (8 1/2 Stück, to be exact) Hardcore-Sexszenen zu. Diese wirken an einigen Stellen fast glaubhaft platziert (für 'nen Porno), an anderen wiederum völlig erzwungen ("Morgen bringt uns das Monster vielleicht alle um. Ich möchte noch ein Mal Sex haben, bevor ich sterbe, verstehst du?"). Libidomania herrscht jedenfalls bei allen Figuren. Die erste Sex-Szene findet zwischen zwei Frauen statt (der Gatte hatte keine Latte) und ist mit einer netten Züngelei tatsächlich eine der erotischsten Szenen des Films. Weniger erotisch war die nächste HC-Szene, in der eine der Hauptdarstellerin sich in einem Wohnzimmer-Bordell mit zwei gut gebauten Afroamerikanern vergnügt. Die Szene glänzt zwar durch eine gewisse Komik, da die beiden Kerle eine ulkige Synchro haben, sich vor dem Sex abklatschen und einer zwischendurch sogar mal einen Kamera-Check macht, wirkt seitens der Frau aber eher lustlos.

"Seid froh, dass wir nur DIESEN
Pornobalken von Mark Shannon zeigen!"
Beim nächsten Mal darf dann auch endlich Mark Shannon ('In der Gewalt der Zombies'), den ich mal als unseren Hauptdarsteller ausmache, ran an den Speck. Seine Freundin, gespielt von Lucia Ramirez (war ebenfalls 'In der Gewalt der Zombies' - wurde schätzungsweise auch Back-to-Back gedreht) ist glücklicherweise ganz niedlich - ihre HC-Momente gefallen mir im Film jedenfalls fast am Besten. Shannons Schnurre (vermutlich der gleiche Stunt-Bart, den schon Rene Weller in 'Macho Man', William Smith in 'Seven' und die berühmten 'Karatejäger' tragen durften) erfüllt jedes Porno-Klischee. Ebenso sein übertriebener Zungen-Einsatz beim Küssen, der mich nicht unbedingt angemacht hat. Aber nun! Immerhin lief in den romantischeren Sex-Szenen immer ein schön kitschiges Schmusestück - einmal hat sogar der Soundtrack selbst mit gestöhnt.

The Toxic Avenger V: The Radioactive Rapist
Das 'Monster' selbst lässt sich relativ spät im Film blicken - nämlich erst nach über einer Stunde - und macht dann natürlich auch nur bedingt was her. Zwar ist das mutierte Make Up irgendwie eigenartig genug, um zu gefallen und beinah unheimlich zu wirken, doch die böse Subjective Kamera mit Jason-Atem macht nun wirklich keinem mehr Angst. Stimmungsvoll sind die Szenen, in denen das Monster Marks Freundin in seine Höhle bringt, und wir tatsächlich ein Bisschen Backstory über seine Geschichte kriegen. Beinahe noch emotionaler als das Höhlen-Finale in ‘Man-Eater - Der Menschenfresser’, wage ich zu behaupten. In diesen Momenten merkt man dann auch, dass der Film trotz seiner Laufzeit und dem wenigen Inhalt bis dahin nicht gelangweilt hat (da spreche ich natürlich nur für mich). Allzu graphischer Horror tritt dann nur in zwei, drei Momenten auf, in denen das Monster zwei Männer mittels Stein und Stock tötet, die daraufhin schön blutige Schmodder-Wunden tragen. Auch die Figur des Reporters (gespielt von D’Amato selbst!) und Eastman kriegen eine kleine Portion Kunstblut ab. Die Frauen werden (abgesehen von Lucia) quasi zu Tode geschändet (Tod durch radioaktives Sperma, hab ich irgendwo gelesen).

Creature of the Black Lagoon this is not...

Fazit: Insgesamt ist ’Porno Holocaust’ in erster Linie ein ziemlich eigener Streifen. So schlecht wie sein Ruf ist er nicht - dafür ist er handwerklich zu routiniert gemacht, bietet zu schöne Kulissen und zu viel Atmosphäre bzw. Insel-Flair. Ein obskures Werk hat Joe D'Amato allerdings trotzdem abgeliefert, das zwar vor allem reine Horrorfans zum Einschlafen bringen wird, erwartet bloß nichts im Stil von ‘Buio Omega’ oder ‘Man-Eater’, aber Schmuddel-Freunden womöglich irgendwas geben kann. Jedenfalls dann, wenn man eine Schwäche für alte Pornos hat. Wer sich den Film unter dem Alternativtitel 'Insel der Zombies' ansieht, wird eine derbe Enttäuschung erfahren. Wem genau ich am Ende eine Empfehlung aussprechen soll, kann oder darf, werden Diejenigen vermutlich schon beim Lesen des Reviews gemerkt haben. Solche Filme sind nicht für die breite Masse gemacht, es sei denn, man ist selber breit. Mir hat’s gefallen, da ich 'ne Schwäche für Sleaze, ausgefallenen Horror und alte Exploiter hab. Wer mit solcherlei Sachen was anfangen kann, der soll’s versuchen.


Spooner