Plutonium Baby - Der Alptraum Lebt


‘Be good to him...or he'll tell his mommy.’


Originaltitel: Plutonium Baby (1987)
Regie: Ray Hirschman & William Szarka Drehbuch: Wayne Behar
Darsteller: Patrick Molloy, Danny Guerra, Mary Beth Pelshaw FSK: 18


“Was sind das eigentlich für Fässer, die wir hier ausgraben?“
“Müllfässer von der nuklearen Forschungsanstalt, unten an der Straße.”

Beim Blick auf das Cover war meine erste Frage: Wie schlecht kann es sein?
Beim Blick auf das Backcover kam die Antwort: Ah…
Beim Blick auf die ersten 10 Minuten des Films, streckt sich das zu einem schrillen ’Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!’

Danny ist kein normaler Junge. Seine Mutter wurde als Testperson im eingangs erwähnten ’nuklearen Forschungslabor’ mit radioaktiven Substanzen vollgepumpt und nach seiner Geburt ’entsorgt’. Danny selbst wohnt nun bei seinem Großvater in einer Hütte im Wald, er leuchtet nachts (angeblich), und schlingt tagsüber rohe Fische im Stück hinunter.

Ja, genau so!

Als Opa in einer alten ’nuklearen Abfalltonne’ einen Beweis für die Missetaten der ’nuklearen Versuchsfirma’ findet, schickt diese eine handvoll Killer ins Gehölz, um den Alten zum Schweigen zu bringen. Gesagt, getan. Danny wird Zeuge des Mordes und schließt sich vier Jugendlichen an, die gerade im Wald campen und kurz vorher von einer Trash-Monster-Ratte (sicher auch ein Überbleibsel der ’nuklearen Forschungen’) angegriffen wurden. Gemeinsam auf der Flucht vor den Killern (unfähigen Deppen mit Hüten und Cordhosen), werden auch sie Opfer von ’nuklearer Verseuchung’ und begegnen sogar Dannys Mom, die gar nicht so tot ist, wie erst gedacht.

Laubenpieper Executioner from Mafiosi Hell!

Als wäre das nicht schon Stoff genug für einen abendfüllenden, spannungsgeladenen Supertrasher, gehen die Macher noch einen Schritt weiter und blenden nach ca. 30 Minuten Backwood-Action das gute alte ’10 Jahre später’ ein. Danny ist nun erwachsen und lebt mit seiner Freundin in New York, ihn plagen schreckliche Alpträume und sein Bein juckt. Leider schwächt der Schwachsinn zu Beginn der zweiten Hälfte ersteinmal etwas ab. Aus unerfindlichen Gründen mussten die Macher hier nämlich eine reichlich unnötige Bettszene™, ähnlich unnötige Dialog-Szenen am Hafen™ und eine völlig unnötige Aerobic-Szene™ mit anschließender nun wirklich unnötiger Dialog-Szene im Fitness-Studio™ einfügen. Immerhin folgt nun ein Highlight in Sachen Dummfug:

“Die Tonne! Da stellen wir unser Bier zum Kühlen rein.“

Sowas kommt...
“Wenn du meinst … Ey, dein kühles Bier kannst du vergessen. Hier ist irgendein radioaktives Zeug drin. Ich hab keine Lust mich zu verseuchen.“
“Jetzt spiel doch nicht verrückt. Hast du echt Angst vor diesem Zeug? Ich schwörs dir, wahrscheinlich bekommst du mehr Strahlung ab wenn du zu hause stundenlang vor deiner dämlichen Flimmerkiste hockst.“
“Du hast sicher recht.“
Nein, nein, den Dialog meint ich nicht. Der ist nur das Vorspiel zu der Szene, in welcher der Oberbösewicht (der 10 Minuten bzw 10 Jahre zuvor von Dannys Mutanten-Mutter in genau jene Tonne gekloppt wurde) wieder herausspringt (verseucht, versteht sich), die beiden Dämel umbringt und ebenfalls nach New York geht, um sich an Danny zu rächen…

...von sowas!
Kaum zu glauben, dass dieser Film nicht aus der Troma-Schmiede stammt, hier ist nämlich alles drin, was Big T einst groß machte: Ein radioaktiv hirnrissiger Plot, herrlich bekloppte MakeUp-Gebilde, lachhafte Trashmonster Deluxe, Gore vom Fass und grandiose Sprechogramme a la “Knutsch nicht mit ihm rum! Er ist radioaktiv verseucht.“
Man ergänze das durch Videospiel Synthie-Mucke, innere Monologe (erst von Danny, später von seiner Nemesis) und miese Darsteller, die offensichtlich wissen, in was für einem Murks sie gerade unterwegs sind. Nicht zu vergessen die sinnlosen Füll-Szenen, die erfolglos versuchen, Spannung oder Charakterentwicklung vorzutäuschen, den Zuschauer jedoch nur vorm nächsten Trash-Schub bewahren.
Wer auf Troma-Schoten alter Schule und die Filme von Frank Henenlotter abfährt, der kann ruhig auch das ’Plutonium Baby’ sitten. Versteht mich nicht falsch, der Film ist so faul, wie ein Apfel vom letzten Sommer, der in Omas Bettpfanne schmort, aber mindestens noch einmal halb so albern.


Hudson