Platoon to Hell



Originaltitel: Dog Tags (1988) Regie & Drehbuch: Romano Scavolini
Darsteller: Clive Wood, Baird Stafford, Mike Monty FSK: 18


Mike Monty an der Taktiktafel
Erspart uns unnötiges Geschwafel
Der Auftrag erschien zunächst ganz simpel. Cecil und seine Männer sollten eine handvoll P.O.W.s aus einem Foltercamp des Vietcong befreien und zum vereinbarten Treffpunkt bringen. Dort angekommen hat Captain Newport (Mike Monty) im HQ jedoch andere Befehle parat. Per Funk wird den Männern mitgeteilt, dass sie sich zum weit abgelegenen Checkpoint 2 durchschlagen müssen, wo angeblich kriegsentscheidende Geheimakten aus einem abgestürzten Helikopter geborgen werden müssen. Am Boden zerstört kämpfen sich die teilweise verwundeten G.I. durch die grüne Hölle, von unsichtbaren Feinden belagert, von tödlichen Fallen bedroht. Als sie endlich an der Absturzstelle angekommen sind, stellt sich heraus, dass die so genannten Geheimakten tatsächlich aus Gold sind. Es dauert nicht lange, bis Paranoia die Männer umgarnt, die Psyche zu schlingern beginnt und sich die Kameraden selbst am nächsten sind…

’Platoon to Hell’ ist einer jener Filme, die sich oberflächlich betrachtet zwar bei diversen Klischees des Subgenres ’Kriegsactioner’ bedient, sich im Kern aber wohltuend vom Einerlei dieser Sparte abheben. Wohltuend ist natürlich das vollkommen falsche Wort, denn was dem Zuschauer hier geboten wird, ist schmerzhaftester Survival-Thrill mit all seinen Haken und Ösen.

Sterben in Schräglage
Beschauliche Naturaufnahmen täuschen Idylle vor, doch der Dschungel ist der Feind. Das Überleben wird von gemeingefährlichen Bambusfallen, Booby-Traps und versteckten Sprengsätzen auf die Probe gestellt. Die durchweg unbekannten, jedoch keinesfalls unfähigen Darsteller schleppen sich im Delirium und mit dem Schicksal hadernd durch Dickicht, Flüsse und Höhlen, direkt hinein in ihr Verderben, während ihr Vorgesetzter (eiskalt: Mike Monty, bekannt aus jedem zweiten Vietnam-Actioner ever made) im Hauptquartier den Gewinn kalkuliert.
Regisseur Romano Scavolini unterteilt seine Geschichte um zerstörerische Gier, nackte Angst und den puren Willen zu Überleben in drei Akte (komplett mit Titeltafeln, Prolog & Epilog) und packt das Geschehen in einen Rahmen, in dem ein Journalist die ganze Geschichte Jahre später aufdeckt. Letzterer mag überflüssig sein, und die oben erwähnten Klischees tauchen immer wieder auf, doch bitte ich erfahrene Namflick-Kenner, mir einen Film zu nennen, in dem einem verwundeten G.I. das Bein mitten im Dschungel unter einem Palmendach aufs Blutigste abgenommen wird, er zur Belohnung danach aber einen Blowjob von der netten Dame von nebenan bekommt.

Mola Ram - The Training Years

Dass ’Platoon to Hell’ so endet wie es endet (und damit meine ich nicht die fast schon skurrile Blowjob-Episode), setzt dem unheilvollen Charakter des Films noch die Goldkrone auf. Kurzum: Ein atmosphärischer Survival-Streifen, der sich unter seinesgleichen nicht zu verstecken braucht. Hierzu vielleicht jedoch eher einen feinen Whiskey, als den üblichen Kasten Bier.


Hudson