Platoon Leader


‘War is hell. This was worse...’


Originaltitel: Platoon Leader (1988) Regie: Aaron Norris
Drehbuch: Andrew Deutsch, Rick Marx, James R. McDonough, Harry Alan Towers & David L. Walker (... jedenfalls eindeutig zu viele für so einen Film!)
Darsteller: Michael Dudikoff, Robert F. Lyons, William Smith FSK: 16


Ey, irgendjemand muss Dudikoff wecken!

Leute, wir sind schon wieder in Vietnam und wenn man den Aussagen der hartärschigen Marines des hiesigen Platoons (genau, das vom ’Platoon Leader’) glauben darf, dann …

“Wie es dort ist? Richtig geil! Man geht auf Patrouille und knallt ein paar von denen ab. Und die knallen ein paar von uns ab. Dann geht’s wieder zurück ins Camp, Essen, Schlafen, und am nächsten Tag genau das selbe. Und ehe man weiß, was ist, ist man verwundet oder tot. Richtig geil!“

Bin ich der einzige, den diese
Szene hier an einen gewissen
Ted Stryker erinnert?
Und siehe da, der feine Herr namens Roach (ein übler Schlächter, der aus Spaß tötet und auch mal einem Vietkong das Ohr absäbelt) hat mir gleich die halbe Inhaltsangabe erspart. Die andere Hälfte handelt vom Grünschnabel Lieutenant Jeff Knight (Michael Dudikoff), der in einem entlegenen Außenposten die Leitung übernehmen soll. Es gilt, ein Dorf (die guten, armen, schwachen) Vietnams vor dem Vietcong (die fiesen, kindermordenden Bastarde) zu beschützen. Doch Grünschnabel macht sich bei seinen Untergebenen gleich unbeliebt, stellt ihre Motivation in Frage und versemmelt es gewaltig, als er selbst eine Dschungel-Falle auslöst und im Krankenhaus landet. So schnell lässt sich das Greenhorn allerdings nicht ins Boxhorn jagen. Gestärkt kehrt er zum anfänglichen Unwillen seiner Männer zurück zum Camp und geht die Sache mit neuem Ernst an…

Nicht nur namentlich von Oliver Stones ’Platoon’ inspiriert, ist ’Platoon Leader’ ein recht platter Dschungelreißer, der alle möglichen Klischees aus der grünen Hölle saugt und dazu auch noch mit einem der talentfreisten Action-Akteure in der Hauptrolle zu kämpfen hat.

Leading the Lead into Charlie...
Alles halb so schlimm, denn der von Aaron Norris (’Top Dog’) inszenierte und von der berühmt/berüchtigten ’Cannon Group’ (’Cyborg’) produzierte Film geizt nicht an actiongeladenem Breitseiten-Radau der Marke LAUT!. Die eher unzusammenhängenden Dschungelstreifzüge enden meist in blutigen Auseinandersetzungen, feurigen Explosionen oder Buschbränden und ab der Hälfte rattern die M-16s, Granatenwerfer und Roachs Shotgun beinahe ununterbrochen. Der Höhepunkt ist hierbei ein nächtlicher Angriff auf das Lager der G.I.s, bei dem sogar ein Hubschrauber mit schweren Geschützen aufgeflogen, und die Nacht zum Tag gebombt wird. Da kann man dem Film auch schon mal seine Platitüden und das patriotische Gehabe (’Cannon’, gelle?!) verzeihen.
Die Action ist durch und durch satt, dafür kommt die Musik von George S. Clinton (’American Fighter 2’) wie aus der Mischbatterie, mal in Form gelungener atmosphärischer Urwald-Untermalung, mal als holprig heroisches Bläser-Einerlei.
Wie schon erwähnt, kann man Blassbacke Dudikoff getrost vergessen. Der hohle Blick, die verschwitzte Visage und Sätze aus dem ’Nam-Handbook for the mildly retarded’ (“Verschont die Dorfbewohner. Es wird nur auf Vietcong geschossen!“) sind alles, was wir vom ’American Fighter’ erwarten können. Seine Co-Stars zählen hier zwar auch nicht unbedingt zur Creme de la Creme, allerdings sind Robert F. Lyons (’Murphys Gesetz’) und vor allem William Smith (yeah, William Smith!!!) meilenweit von der Anti-Ausstrahlung ihres ’Platoon Leader’ entfernt.

Ja, komm. Is gut jetzt!

Alles in allem ein durchschnittlicher Action-Humpen aus der grünen Hölle, der mit heißem Krawall punktet, sonst aber kaum etwas bringt, was die Italiener Anfang der Achtziger nicht schon mit Bumms längst breitgewalzt hätten. Ja, komm, beide Hühneraugen zugedrückt und den Dudikoff ausgeblendet, kann der geneigte Action-Aficionado mit Camou-Stirnband und gut aufgefülltem Pilsetten-Vorrat das Ding schon mitnehmen.


Hudson