Planet gone mad



Originaltitel: The Spirits of Jupiter (1985)
Regie & Drehbuch: Russell Kern
Darsteller: James Aerni, Chopper Bernet, Rex Cutter FSK: 18


“Ein Zusammentreffen von Jupiter und Saturn im Sternbild des Widder. Allmächtiger Gott, welch furchtbares Unheil wird uns ereilen?! Die entfesselten Mächte des Bösen werden über den Bergen heraufziehen und der Höllenfürst selbst wird aus dem Dunklen treten, um seinen Durst zu stillen mit BLUT!“

Das klingt doch schon mal gut. Wenn man aber bedenkt, dass diese Worte aus dem Munde des Synchronsprechers von ’Joey Tribiani’ kommen, tja, ’go figure’, wie der Franzmann sagt.

Hubi gone mad
Spaßig geht’s hier auch weiter. Um ehrlich zu sein ist ’Planet gone mad’ einer der beklopptesten Streifen, die ich jemals gesehen habe. Die Story handelt von oben beschriebener Konjunktion und ihrer Wirkung auf die Erde, bzw. deren Bewohner. Nein, auch nicht ganz richtig, denn das Geschehen spielt sich nur in einer kleinen Bergarbeitersiedlung ab, in der erst die Arbeiter der Mine von Big Jim durchdrehen und bald alle anderen auch. Der Lokal-Zwerg Nestor (genannt Nostradamus, er lebt auf dem Schrottplatz und trägt ’nen Hut) hat das alles vorhergesehen, was aber keinem der Protagonisten weiterhilft. Während die Bürger irre umherzappeln und sich vor der Kamera zum Deppen machen (muss ein Heidenspaß gewesen sein), führen sich die Cops der Kleinstadt unter Sheriff Switcher auf wie rumänische Erschießungskommandos und knallen jeden Bürger ab, der falsch parkt oder sie schief anschaut (was ja durchaus vorkommen kann ... on a ’planet gone mad’ and all). Big Jim versucht zu vermitteln und gerät mitten ins Chaos, wird von einem Hund angefallen, verliert ein Kuckerchen und reitet später mit Augenklappe auf seinem Pferd wie der ’Duke’ persönlich durchs Geschehen, um seine entführten Kinder zu retten und die mittlerweile komplett durchgeknallten und fuchsteufelswilden Bewohner seiner Stadt vor größerem Übel zu bewahren. Will sagen: Er knallt jeden ab!

Meine Fresse, wieder einer dieser holzhämmrigen Supertrasher, an deren Existenz man immer erst glaubt, wenn man sie selbst gesehen hat. ’Planet gone mad’ indeed!
Ein wenig erinnert der Film an den Fischhorror ’Barracuda’, nur halt ohne Fische und abbe Köppe am Strand und ohne Leute, die es vertuschen wollen und ohne Mafia und dass die Aggressionen von den Sternen kommen und nicht aus dem Wasser. Eigentlich hat ’Planet gone mad’ gar nichts mit ’Barracuda’ zu tun, ist aber dermaßen durch den Wind, dass ich mich immer noch sammeln muss.

Frauchen gone mad
Hauptdarsteller Rex Cutter ist so eine Mischung aus Richard Harrison und Brian Dennehy. Groß und grauhaarig, etwas tolpatschig und hat dennoch die Dinge immer im Griff. Bloß gut, denn er hat eine Menge Probleme um die Ohren. Erst muss er sich durch eine Kneipe voller Gaga-schäumender Gehirnanchovis boxen (also wenn die Szene nicht ins ’Guinness Buch der Rekorde’ unter die Abteilung ’Dämlichste Aneinanderreihung vergeblicher Versuche anschaulicher Debilität in einem Take’ gehört, weiss ich auch nicht weiter), dann gibt’s Ärger mit einem irre gewordenen Vorarbeiter der Mine, der in den Frontpropeller seiner Passagiermaschine hineinläuft (Zitat: “Immer gibt es Scherereien mit dem Mann!“) und schließlich müssen seinem Sohn auch noch die Pazifismus-Flausen ausgetrieben werden.
Neben Comedy-Sidekick Zwerg ’Nestor/Nostradamus’ (über dessen Bedeutung für den Film ich mir bis dato nicht sicher bin... ist er eine Metapher für die Kleingeistigkeit?) gibt es hier auch einen Hilfssheriff, der den Preis für das unmotivierteste Abfeuern eines Sturmgewehres (natürlich ohne jeglichen Rückstoß) gewinnt, eine heiße Verfolgunsjagd in der Luft, sowie folgende Erklärung der Konjunktion (auf dem Backcover der VHS ’Kunjunktion’ genannt) von zwei zauseligen Wissenschafts-Opas:
“Die Wirkung der Konjunktion ist also eigentlich nur eine Potenzierung von allem was geschieht. Die Gezeiten zum Beispiel. Wie sie vielleicht wissen, entstehen sie einzig und allein durch die Anziehungskraft des Mondes. Im Augenblick haben sie geradezu gigantische Ausmaße angenommen. Enorme Springfluten an beiden Küsten. Und da der menschliche Körper zu 90 % aus Wasser besteht, hat die Konjunktion auch auf uns eine verheerende Wirkung. Am schlimmsten ist der Einfluss auf das Gehirn.“

Cowboy gone mad... und der ganze Rest auch

Da will ich nicht widersprechen. Sterne verschiebt der Film hier nicht. Den Einfluss auf das Gehirn sollte man allerdings nicht unterschätzen. Erst wächst es, dann schrumpft es, dann will es raus und plötzlich ist es ganz warm um die Ohren. Das ist der Takt des Irrsinns, Leute. Und den zieht ’Planet gone mad’ bis zum Bröseln aller Fassungsfassaden gnadenlos durch.


Hudson