Plan 9 from Outer Space


‘Unspeakable Horrors From Outer Space Paralyze The Living And Resurrect The Dead!’


Originaltitel: Plan 9 from Outer Space (1959)
Regie & Drehbuch: Edward D. Wood Jr.
Darsteller: Gregory Walcott, Tor Johnson, Vampira, Bela Lugosi FSK: 16


“My friends. Can your hearts stand the shocking facts about grave robbers from outer space?”

Now, can you?

Jeder halbwegs bewanderte Filmfreund wird schon einmal von ’Plan 9 from outer space’ gehört haben, sei es als Referenz für schlechte Filme oder aus Tim Burtons liebevoller Ed Wood-Biographie. Der Film wurde in der Vergangenheit mindestens genauso oft von ’ernsthaften’ Kritikern verrissen, wie er von ’humorvollen’ Trash-Fans gefeiert wurde. Da ihr euch aber die Mühe gemacht habt, diese Seite zu besuchen, kann ich euch wohl noch einmal erzählen, worum es überhaupt geht.

“You believe there are such things as flying saucers, Colonel?”
“Yes, sir.”
“You’ve seen them?”
“Yes, sir.”
“You realize there’s a government directive stating that there is no such thing as flying saucers?”
“Yes, sir.”

Aien Gestik Grundkurs

Außerirdische Invasoren, zur Erde geeilt in windschnittigen Untertassen, planen den blauen Planeten von den ignoranten Menschen zu übernehmen. Zu diesem Zweck hecken sie acht Pläne aus, auf die im Laufe des Films nich näher eingegangen wird, die ich mir aber wie folgt vorstelle (Speculation follows):

Plan 1:
Einen Roboter auf die Erde schicken, der die Menschheit warnt.
Plan 2:
Eine Horde außerirdische Vielfraß-Fellknäuel vom Planeten Melmac importieren.
Plan 3:
Eine Impotenz-Strahlenkanone an der männlichen Erdbevölkerung austesten.
Plan 4:
Eine gigantische Weltraumputze konstruieren, die allen Sauerstoff aufsaugt.
Plan 5:
Einen Brutaltrupp marsianischer Tentakelwesen anheuern, der die Erde assimiliert.
Plan 6:
Eine intergalaktische Umgehungsstraße direkt durch den Planeten hindurchbauen.
Plan 7:
Ein letztes mal an die Rührseligkeit der Erdlinge appelieren und zwar durch ein schrumpeliges Alien mit leuchtendem Finger und Teleskop-Omme.
Plan 8:
Eine kugelförmige Raumstation bauen, die den Planeten einfach in die Luft jagt.

Alle Päne werden noch in der Planungsphase abgebrochen, hauptsächlich aufgrund Materialmangels und schlechter Beziehungen zu den Nachbarplaneten. (Speculation ends.)

“What plan will you follow now?“
“Plan 9. […]”
“Plan 9. Ah yeah, Plan 9 deals with the Resurrection of the Dead.”

Geburt, Leben und Tod eines UFOs

Und so werden die beiden humanoiden Pailletten-Aliens Eros und Tanna von ihrem tuntigen Anführer (John ’Bunny’ Breckinridge) auf eine Mission geschickt, die Filmgeschichte schreiben soll.
Pilot Trent ist der erste, der die flimmernden Untertassen am Himmel sieht, doch schwenkt der Film bald zum gramgebeugten Bela Lugosi, der in seiner letzten ’Rolle’ einen alten Knacker gibt, dessen Frau kürzlich verstarb, was ihm selbst jeglichen Lebensgeist raubte. Warum der namenlose Trauer-Opi in Dracula Aufmachung durch’s Gelände schreitet bleibt das Geheimnis Ed Woods. Viel Screentime bleibt ihm ohnehin nicht, nachdem er die Bildfläche verlassen hat, hören wir Reifen quietschen und Blech krachen, was offensichtlich den Unfalltod des Alten verdeutlichen soll.
Nicht lange nach seiner Beisetzung in einer Gruft, die augenscheinlich aus ein paar Spanplatten zusammengezimmert wurde, kraucht der alte Mann (bzw. sein Double; Lugosi selbst war zum Zeitpounkt dieser Aufnahmen bekanntermaßen bereits verstorben) aus selbiger schon wieder heraus und wird mit seiner ebenfalls reanimierten Frau (Vampira) vereint.
’Plan 9’ ist gelungen. Tote Menschen leben wieder. Doch sind sie unter Kontrolle der außerirdischen Invasoren, die sich nun in ihrem Plan bestätigt sehen und eine ganze Armee Untoter zu ihren Zwecken einsetzen wollen. Können Militär, Polizei und Pilot Brent (der rein zufällig direkt neben der Einsatzzentrale der Aliens wohnt) sie stoppen?

Leben, Tod und Wiedergeburt eines dicken Polizisten

UFOs, Zombies, Friedhöfe, Vampira, ein schwedischer Wrestler, Bela Lugosi, Außerirdische und TV-Medium Criswell, der den ganzen Schmus mit einem bedrohlich ernstgemeinten Voice Over versieht… ’Plan 9 from outer Space’ hat alles, was eine Bad Movie-Parade braucht und vergeigt dementsprechend auch einiges und danach noch einiges mehr!
Die Mischung aus miesem Schauspiel (Laiendarsteller rattern gekünstelt und/oder verwirrt absurde Texte - “What in the world?“ “That’s nothing from this world!“ - runter), unfassbaren ’Effekten’ (Grabsteine aus Pappe, SiFi-Interieurs aus dem Kurzwarengeschäft und UFOs, die den Begriff ’Fliegende Untertassen’ neu definieren), hahnebüchenem Storykonstrukt (ohne Gleichen!), verkackter Continuity (Tageszeiten wechseln willkürlich) und in die Fresse gedrückter Message (“Your STUPID STUPID MINDS!) ist objektiv Tinnef zum Quadrat.
Aber objektiv sind nur bezahlte Kritiker renomierter Tageszeitungen und Leute die keinen Spaß verstehen. Denn den bringt das gesellige Anschauen dieser Perle des schlechten Geschmacks (sieht man von vereinzelten Gähnstrecken ab) beinahe Non Stop!
Seien es die Versuche Woods, Lugosis Figur durch den Chiropraktiker seiner Frau zu ersetzen, der da wie Count Dumbula die Fresse hinter dem hochgeschlagenen Cape zu verstecken versucht, Tor Johnsons Bemühungen aus einem Grab hinauszukraxeln, Beckinridges tuffige Darstellung des Alien-Rulers oder Criswells spukiges Gefasel (“Can you prove that it didn’t happen? […] God help us in the future!”)… das Herz des B-Movie Fans lacht hier mit und nicht ausschließlich über den Film, vor allem wenn man die Hintergründe des wirrköpfigen (und ganz sicher nicht schlechtesten Regisseurs aller Zeiten) Edward D. Wood Jr. kennt.

Bilder, die die Welt bewegen!

“This it mad!”
“MAD? Is it MAD, that you destroy other people to save yourselves? You’ve done this! Is it MAD, that one country destroys another to save themselves? You have also done this! How then is it MAD, that one planet must destroy another that threatens its very existence!”

Und genau so wenig ist ’Plan 9 from outer Space’ der schlechteste Film aller Zeiten, da gib es weitaus schlimmere Zelluloid-Verbrechen jüngerer Tage. Auch ist der Streifen kaum der König aller ’So bad, it’s good!’-Vehikel, passt in diese Schublade aber so perfekt, wie die Pappgruft auf den Kulissen-Friedhof.
Nach dem Motto ’Zum Gruseln gedacht, zum Lachen gebracht’ sollte sich jeder Filmliebhaber wenigstens einmal auf ’Plan 9’ einlassen. Aber bitte bedenkt: Low Budget doesn’t get much lower than this!


Hudson