Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt


‘At the End of the World, the Adventure Begins’


Originaltitel: Pirates of the Caribbean: At World's End (2007)
Regie: Gore Verbinski Drehbuch: Ted Elliott & Terry Rossio
Darsteller: Johnny Depp, Orlando Bloom, Keira Knightley FSK: 12


’Yohohoho a pirate's life for me...’

Capt'n Hudson kommt gerade aus der verfluchten Karibik gehinkt und kann nun nicht anders, als im filmtrunkenen Taumel den Versuch eines (spoilerfreien) Kino-Gutachtens zu wagen.

"Oh Will!" "Oh Elizabeth!"
Ohje ohje!
Die Story dürfte hinlänglich bekannt sein. Capt'n Jack Sparrow (Johnny 'Hab endlich gelernt auf dem Mainstream zu schippern' Depp) wurde vom Kraken gefressen und muss befreit werden, weil er ja nun mittlerweile der Hauptdarsteller ist (hat aber tatsächlich noch andere Gründe). Die East India Trading-Company unter dem blasierten Giftzwerg Lord Beckett (Tom Hollander) geht nämlich immer rabiater gegen Piraten vor, mit denen der Zuschauer ja nun sympathisieren soll. Denn auch wenn sie rauben, morden, brandschatzen und vergewaltigen, sie waren halt die Rockstars ihrer Zeit. Ein Treffen der großen Piraten-Clans (Franzosen, Nubier, Chinesen, Türken und was sonst noch so alles die sieben Weltmeere unsicher macht, nur von Lou Ferrigno und Wikingern keine Spur!) soll unter Aufsicht der jeweiligen Captains eingeläutet werden, doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Mithilfe des kürzlich aus dem Reich der Toten auferstandenen Captain Barbossa (Geoffrey Rush) und Sao Feng (Chow Yun-Fat), einem zwielichtigen Piratenhauptmann aus Singapur, versuchen Elizabeth Swann (Kiera Knightley) und ihr Geliebter Will Turner (Orlando Bloom) den eitlen Jack aus der ewigen Verdammnis am 'Ende der Welt' zu befreien. Doch die East-India-Trading-Schufte schlafen nicht und haben mittlerweile den Klabautermann Davy Jones (Bill ’Stepdad’ Nighy) und sein kampfstarkes Schiff unter ihrer Fuchtel. Und auch Jones selbst hat mit dem einen und anderen Seemann noch eine Rechnung offen...

"Mehr Dampf!"

Sagte ich ’die Story dürfte hinlänglich bekannt sein’? Ich Idiot!
Also schön, wo fangen wir an?! Ahja, zuerst einmal bei der Stimmung. Ich mag das Wort zwar nicht besonders, da es andauernd in den Beschreibungen von dritten Teilen aktueller Trilogien auftaucht, aber ja: Düster.
Vornehmlich optisch, aber auch thematisch. Dünkel, Verrat und Misstrauen sind in der ersten Hälfte auf der Tagesordnung und nicht nur deshalb scheint das Ganze für Kinder schon nicht mehr unbedingt geeignet zu sein.
Nach dem ersten Drittel gingen mir die Plotwendungen der Sorte 'Jeder gegen Jeden/Jeder darf mal böse sein/wat is nu los, wat macht der jetzt, warum macht er das und wieso wechselt er jetzt schon wieder die Fronten?' ein wenig auf den Kranz. Schließlich hatte ich mich dann aber damit abgefunden, dass das bei echten Piraten wohl so ablaufen muss.

The Return of Mr. Tentacle Guy
Ab der Mitte hellt es auch endlich ein wenig auf, nur um sich dann wiederum in ein actiongeladenes Bombenfinale zu stürzen, das endlich alles richtig machte. Sprich: Düster, überraschend und schlüssig!
Auf eine befriedigende Art und Weise werden beinahe alle Storyfäden miteinander verstrickt. Beinahe wohlgemerkt! Denn einige Angelegenheiten werden hier nur beiläufig gelöst, andere hingegen ratzifatz schnell hinfort gewischt und ganz andere rotzfrech über den Haufen geworfen (oh Kraken, mein Kraken).
Hans Zimmers Musik unterstreicht den epischen Charakter der Geschichte hervorragend und brezelt so herrlich eingängig in den Gehörgang, dass ich genau in diesem Moment immer noch mitpfeifen muss.
Der Film verfügt über eine wahrlich exzellente Ausstattung und ein atemberaubendes Produktions-Design ('Shipwreck Cove' und Singapur sind unglaublich). Die tollen Effekte von ILM hauen alles bisher gesehene vom Thron (Davy Jones Crew hat ein neues Mitglied, von dem ich in naher Zukunft bitte einen Stand-Alone-Tierhorrorfilm-Ableger sehen will. Working Title: 'The Eery Eelhead-Terror'.)
Die Optik ist zweifelsfrei State-of-the-Art, bietet einen Augenöffner nach dem anderen, und lässt den Zuschauer in der fantastisch designten Welt versinken. Wie schön, dass auch die Schauspieler da wieder wie Arsch auf Eimer passen. Über Depps charmantes Gay-Suffi-Acting muss kein Wort mehr verloren werden. Der Mann ist schon genug (und ja, zurecht) gelobt worden.

'Silent Bob' Cotton
Blooms ’Will Turner’-Charakter, der im zweiten Teil recht stiefmütterlich behandelt wurde, bekommt eine würdige (und überraschende) ’Auflösung’ und Knightleys Metamorphose zur kompletten Piratenbraut ist durchweg gelungen. Aber genug von den Stars, gehen wir ans Eingemachte, nämlich dahin, wo die Stärken vieler großer Filme liegen: Bei den Nebendarstellern. Meine Favoriten hier sind Chow Yun Fat und Geoffrey Rush. Die beiden sind Weltklasse-Darsteller und lassen auch durch den ganzen Schmutz, die Bärte und Narben und die blutunterlaufenen Augen keinen Zweifel daran.
Erneut herzerwärmend ist die Crew der ’Black Pearl’ (Gibbs, Marty, Pintel, Ragetti, Mr. Cotton, sein Papagei und Lil' Jack), die für den (zuweilen bitter nötigen) Comic-Relief sorgen. Der längst fällige Cameo von Keith Richards (mein Gott, diese Fresse wurde gemeißelt um ’nen Piraten zu spielen) gibt es ebenso, wie ein Wiedersehen mit den beiden Wach-Dödeln aus Teil eins. Das klingt vielleicht etwas überladen (dabei hab ich die anständigen Leistungen von Hollander, Jack Davenport und Stellan Skarsgard noch nicht einmal angeschnitten) aber der Film ist auch knapp drei Stunden lang und gibt allen genug Raum, um mehr als nur Pappkameraden darzustellen. Und eines kann man dem Film wahrlich nicht vorwerfen, nämlich dass es ihm nicht um seine Charaktere geht. Die zahlreichen Damen und Herren (jeder ein eigenes Ziel vor Augen, jeder seine eigenen Macken auslebend) sind Dreh und Angelpunkt der gesamten Geschichte. Das tolle Design ist zur Rückendeckung der Figuren da und nicht etwa umgekehrt. Ich denke, genau darin liegt die Stärke des Films und seiner Vorgänger. Eine Stärke, die andere Blockbuster der Traumfabrik nur allzu oft schmerzlich vermissen lassen.

The Final Cap-Thing

Alles in allem ist 'Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt' (Was zum… Erst 'Fluch der Karibik', dann 'Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2' und jetzt DAS? Man überreiche dem deutschen Verleiher eine steinerne Narrenkappe und lasse ihn Kiel holen!) visuell beeindruckendes, top besetztes Unterhaltungskino, das ich trotz seiner knapp dreistündigen Laufzeit nie als langweilig empfand und dessen Autoren in Punkto Plot (von vornherein) vielleicht den einen oder anderen Strang (und einige Wendungen) über Bord hätten werfen sollen.
Dennoch hat die schicke Piraten-Saga ein würdiges Ende verpasst bekommen und auch wenn einige Shipmates den Silberlöffel abgegeben haben und in ’Davy Jones Truhe’ (oder sollte ich sagen, in … nein, sollte ich nicht!) hinabgestiegen sind, ist noch reichlich Personal für eine weitere Trilogie vorhanden. Also von mir aus sehr gerne! Schenkt ein, Piraten, yoohoo!




PS: Der 'Grausame Pirat Roberts-Gedächtnispreis' geht an: Orlando Bloom
Der rechtmäßige 'Preis für das Setting von Davy Jones Locker' geht an: Vincezo Natali
Und den Preis für die beste 'Mix'n Mojo - Mix dir einen Piraten-Kurs auf einer runden verschiebbaren Drei-Teile-Karte' teilen sich: Guybrush Threepwood, die Voodoo-Lady aus Monkey Island (2) und Captain Barbossa


Hudson