Piranha 2 – Fliegende Killer


‘It all started just as a vacation’


Originaltitel: Piranha Part Two: The Spawning (1981) Drehbuch: H.A. Milton
Regie: James Cameron (angeblich) Ovidio G. Assonitis (in echt!)
Darsteller: Tricia O'Neil, Steve Marachuk, Lance Henriksen FSK: 16


Stellt euch folgendes Szenario vor:
Nachts auf dem karibischen Meer. Eine Dame und ein Herr sitzen im Ruderboot. Sie unterhalten sich nett, dann meint die Frau: “Also los, du weißt, warum wir hier sind!“
Und das tun sie auch. Tauchermontur umgeschnallt, Brille, Schnorchel, Tank und ab ins Wasser. Was denkt ihr, kommt jetzt?

’Taucherbrille’ und ihre
Haut bleibt geschmeidig.
A.) ’Nightswimming’ von R.E.M. setzt ein und die beiden tummeln sich im Plankton wie Di Caprio und diese Französin in ’The Beach’?
B.) die beiden sind Forscher und wollen ein Wrack untersuchen, in dem eine seltene Art von Meereskrebsen haust, die nur nachts aus der Muschel kriechen.
oder C.) die beiden sind zwei rollige Tauchficker, die es sich im Wrack bequem machen, sich mit dem Tauchermesser die Klamotten vom Leib schneiden und… Liebe machen?
Na? Welches Szenario klingt am unglaubwürdigsten? Als Uneingeweihter würde ich auf Option ’B’, danach vielleicht auf ’A’, obwohl beide schon albern genug sind.
Aber nein, es ist ’C’, der Koitus Subaquarius (oder so) und (liebe Leute, entschuldigt die schändliche Abstinenz von Romantik an dieser Stelle), das ist doch wohl wirklich bekloppt hoch drei... oder seh nur ich das so?
Wie dem auch sei, der Film heißt Piranha und jeder, der bis 2 zählen kann, weiß was jetzt passiert: Das gurgelnde Blubber-Geräusch aus Joe Dantes humorigem ’Jaws’-Verschnitt ’Piranha’ ist wieder da und kommt mitsamt den Killerfischen zum Bullauge herein, um die zwei Turteltaucher zu vernaschen.

Vampiranha?
Damit die beiden keine Ausnahme bleiben, werden uns anschließend die Protagonisten dieses Fischstäbchen-Horrors präsentiert. Da sind Hippie-Sheriff Lance Henriksen und seine Ex-Frau, eine nette Mitarbeiterin des nahegelegenen Strandhotels, deren Sohn bei einem Yacht-Captain anheuert und sich in seine dralle Tochter verkuckt. Desweiteren gibt es zwei Touri-Schnepfen mittleren Alters, von denen eine auf den anwesenden Doktor scharf ist (welcher dem Publikum dank ewig knirschender Klapp-Sonnenbrille als Depp vermittelt wird), ein schwarzer Dynamit-Fischer, eine Horde dauergeiler Beachgirls, ein stotternder Koch, diverse Animateure und der ignorante Boss der Ferien-Anlage (der in keinem ’Seetier-Horror’-Streifen fehlen darf).
Kurz gesagt: Jede Menge Futter für die Fische. Der Witz an der Sache: Die Opfer müssen dazu gar nicht mehr ins Wasser steigen. Nein! Die Viecher (die ja schon in Teil eins Mutanten waren) haben sich weiter entwickelt (also eine Mutation einer Mutation) und können jetzt fliegen. Quasi ohne Mindestbestellwert und ’on the fly’.

Wer auch immer auf die Idee kam, ’fliegende Fische’ als Bedrohung in einem Horror-Film zu verwenden, sollte eigentlich einen Preis verliehen bekommen.
Wenn man jetzt noch jemanden gefunden hätte, der diesem Thema ein clever-satirisches Script hinzufügt, wären vielleicht sogar alle zufrieden gewesen. Aber nein, anstelle dessen bekommen wir den selben alten Fischsud erneut aufgewärmt: Es blubbert, es beißt, es suppt und, ja, jetzt fliegt’s auch. Ein Mensch nach dem anderen wird vom Schirm geputzt.

“Uups, falscher Film!“
Dass es dabei zu den ewig gleichen Dialogen aus tourismus-gebundenem Tierhorror kommt, (“Sie müssen alle Aktvitäten absagen!“ “Sie sind gefeuert!“) ist nur ein weiterer Laut im ohrenbetäubenden Hupkonzert auf dem Highway der Klischees.
Da hilft es nix, dass Lance Henriksen (dessen Name im Vorspann dick mit einem Obacht-Kästchen umrandet wurde… auch noch nie gesehen) hier am ’böse Kucken’ ist.
Gut, es geht blutig zur Sache, das muss man dem Film lassen, die fliegenden Fische (die unter Wasser übrigens keine Flügel haben) sehen aber so dämlich aus, dass es ein Wunder ist, wenn ihre Opfer sich nicht vorher totlachen. Sie fliegen aus Bäuchen heraus, wie das ’Alien’ persönlich, flattern am Strand entlang oder segeln durch geschlossene Fenster (wenn sie nicht dran abprallen). Das mag witzig klingen, war aber ganz bestimmt nicht beabsichtigt. Und der gewollte Humor, der hin und wieder eingestreut wird, ist plump und hält den Vergleich zur bissigen Ironie von Dantes Erstling nicht stand.

“Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch!“

Es was ein friedlicher Urlaub. Bis jemand das Buffett eröffnete.

Den haben wir auch bekommen. Leider nicht mehr frisch. Ich weigere mich einfach, anzuerkennen, dass dieser Schund von James Cameron ist. Das muss ein Druckfehler sein oder eine Verschwörung der Directors Guild oder einfach nur ein ganz, ganz dummes Missverständnis.



PS: Laut ’IMDB’ ist tatsächlich Produzent Ovidio G. Assonitis als Schuldiger auszumachen. Dieser riss den Film an sich, nachdem Cameron die Dreharbeiten absolviert hatte und versagte ihm die Beteiligung am Schnitt. Laut seiner Biographie, brach Cameron in den Scheideraum ein und versuchte, seine eigene Fassung zu fertigen. Leider wurde er erwischt und wir bekamen diesen Film.

Hudson