Pin


‘A Plastic Nightmare’


Originaltitel: Pin (1988) Regie: Sandor Stern
Drehbuch: Andrew Neiderman & Sandor Stern
Darsteller: David Hewlett, Cynthia Preston, Terry O'Quinn FSK: 18


Leon und Ursula hatten nicht das, was man allgemein unter einer normalen Kindheit versteht. Ihre Mutter ist Kontrollfreak und Sauberkeitsfanatikerin in einer Person und ihr Vater, Dr. Linden (Terry O’Quinn) ist ein mustergültiger Mediziner, der seine Kinder vor dem Schlafengehen nicht nur mit Rechenaufgaben trainiert, sondern ihnen auch pathologische Weisheiten mit Hilfe einer Puppe namens Pin beibringt.

Für die 'Muppet Show'
zurechtgemacht: Pin
Pin ist nicht irgendeine Puppe aus der Anschauungsmaterialien-Kammer. Pin spricht. Zunächst mit Hilfe des Doktors (der bauchrednerische Fähigkeiten beweist), später auch durch bzw. mit Leon. Dr. Linden ist beunruhigt, als er seinen Sohn alleine mit Pin im Gespräch erwischt und versucht, die Puppe zu entsorgen, kommt jedoch mitsamt Gattin bei einem Autounfall ums Leben. Als frischgebackene Waisen und mit jeder Menge Geld und einem großen Haus, versuchen Leon (David Hewlett) und Ursula (Cynthia Preston) das beste aus der Situation zu machen, doch schon bald stresst das kürzlich hinzugezogene Tantchen, die nicht minder kontrollbesessen ist als ihre Schwester. Kurze Zeit später ist auch sie tot. Leon benimmt sich immer merkwürdiger. Er besteht darauf, Pin in Vaters alte Klamotten zu packen und ihn mit an den Esstisch zu setzen. Der junge Mann hat offensichtlich eine ungesunde Affinität zu der Puppe entwickelt, die weit über natürliche Mensch/Anschauungsmaterial-Verhältnisse hinausgeht. Als Ursula den netten Sportstudenten Stan (John Pyper Ferguson) kennen lernt, knallen bei dem verrückten Protein/Hartplaste-Gespann die Sicherungen durch…

Bitte recht gruselig!
Ein psychologischer Horrorthriller im Wust der Schiltzer- und Gummimonster-Filme der Achtziger Jahre kommt sicherlich jedem gelegen, der an einer Überdosis Video-Klischees leidet.
Wenn der Film dann auch noch funktioniert und nicht in den Schnarchschluchten belangloser Labereien endet, die Darsteller ganze Arbeit leisten und die Spannungsschraube bis zum gespenstigen Finale konstant angezogen wird, freut das Genre-Fans mit etwas Geduld für das gemächliche Schrauben. Und Hollali, genau so läuft es bei ’Pin’.
Der sehr junge und blonde David Hewlett (’Nothing’) zeigt hier eine frühe Kostprobe seines Könnens. Seine Wandlung vom verwirrten zum komplett gestörten jungen Mann ist mehr als ungemütlich. Terry O’Quinn ist immer ein Gewinn für einen Film (Ausnahmen wie ’Technofear’ bestätigen die Regel) und Cynthia Preston widersteht der Schizophrenie ihres Leinwandbruders als wehrhafte Frau am Rande des Nervenzusammenbruches.

‘A Plastic Nightmare’ indeed

Ein Psycho und seine Puppe. Kein Film für den Videoabend mit den Bierkumpels und auch kein Date Movie. Aber für die Freunde des Kopfhorrors ein kleines Fest im Alleingang. Es muss nicht immer ’Schreien, Hetzen & Matschen’ sein.


Hudson