Pigs


‘It's Horror! It's Murder! As Daring as Has Ever Been Shown Before!’


Originaltitel: Daddy's Deadly Darling (1972) Regie & Drehbuch: Marc Lawrence
Darsteller: Toni Lawrence, Marc Lawrence, Jesse Vint FSK: 18


Die Siebziger, Leute, da war was los. Es gab geile Autos, heiße Musik, tolle Hemden. Es wurden Leute wie ich gezeugt und Filme wie ’Pigs’ gedreht (nein, das steht nicht in unmittelbarem Zusammenhang). ’Pigs’ ist einer dieser Streifen, der gemeint ist, wenn Cineasten und Glotzköppe über das gewagte, verrückte Kino dieser Dekade reden, über Bahnhofskino oder Grindhouse. Auf der einen Seite tief verwurzelt im Schund, aber auch mit künstlerischen und inszenatorischen Ansätzen versehen, die so vorher niemand je in seinen Film gepackt hätte.

Daddy's Little Darling

Das geht hier schon mit der Story los, die von einem geschändeten Mädchen namens Lynn handelt, welches ihren Peiniger umbringt, nämlich den eigenen Vater, daraufhin in eine Anstalt eingewiesen wird, wo sie jahrelang der McMurphy-Spezialbehandlung unterzogen wird, bis sie schließlich fliehen kann. In den Backwoods gerät sie in die Gesellschaft des seltsamen alten Zambrini, einem Cafébesitzer und Schweinezüchter (give this guy a break, he’s from the backwoods). Zambrini ist nicht unbedingt beliebt bei der Nachbarschaft. Seine Schweine machen mehr Lärm als eine Gulaschkanone im Schleudergang und überhaupt ist man sich sicher "Something’s wrong with that man. Something wrong, up here."
Frei nach dem Motto ’Da haben sich zwei gefunden’ blüht eine bizarre Freundschaft zwischen Zambrini und Lynn (gespielt von Autor/Regisseur/Produzent Mark Lawrence und dessen leiblicher Tochter Toni), die bald folgenschwere Konsequenzen für Leib und Leben der grimmigen Nachbarschaft nach sich zieht.

Oach, immer nur Blut, Gewalt, Sex und Tiere...

"The temperature is normal. All you have is an overheated imagination."

Schnelle Schnitte, verzerrte Close Ups, eine Geräuschkulisse, die alle fünf Minuten die Gefühlswelt der Protagonistin darstellt - Mark Lawrences ’Pigs’ ist ebenso unkonventionell in Szene gesetzt, wie die Story verrückt ist. ’Pigs’ vereint Elemente aus unterschiedlichen Sparten (Psycho-Drama, Backwood-Krimi, Tierhorror) zu einer originellen Mischung mit reichlich experimentellem Charakter. Ich war anfangs von der ungewöhnlichen Schnittmontage eher verwirrt als angeregt. Aber hat man sich erst einmal an den eigenen Rhythmus des Filmes gewöhnt, stört auch der Wechsel von eher schwerfälligen Einstellungen zu hektischen Hallu-Schnitteinlagen nicht mehr.
Zentral ist hier die Beziehung zwischen Mark Lawrence und Tochter Toni, welche auch auf dem Schirm eine Art Vater-Tochter-Bindung entwickeln, die man so sicher nicht im Vorabendprogramm der dritten Programme oder im Multiplex zu sehen bekommt.

Schweine fressen Menschen auf!

Filme dieser Art können mächtig in die Hose gehen und den Zuschauer zu Tode langweilen (’Die Todesfarm’) oder mächtig in die Hose gehen und den Zuschauer ins Lachkoma rütteln (’Blood Freak’). Wenn man es allerdings richtig anstellt, kommt dabei so etwas wie ’Pigs’ raus. Es wäre einfach, den Film hier unter Exploitation einzutüten und es dabei zu belassen. Aber ’Pigs’ kann mehr, verstört, unterhält und schüttelt die Sinne durch.


Hudson