Phönix



Originaltitel: Phoenix the Warrior (1987)
Regie: Robert Hayes Drehbuch: Robert Hayes & Dan Rotblatt
Darsteller: Kathleen Kinmont, B.B. Bowen, Barbara Buck FSK: 18


“Als die Abrüstung der Supermächte beinahe komplett war, begann der bakteriologische Krieg.“

Na Leute, schwant euch an dieser Stelle schon wieder Übles?

Tja, es ist heiß, es ist wüst und es hat einen Voice Over bei dem vom Ende der Welt berichtet wird. Klaromio, es ist Endzeit! Schon die Schnauze voll? Dann wartet mal den nächsten Satz ab!

“Die Seuchen, die sich daraufhin von Kontinent zu Kontinent ausbreiteteten, töteten nach und nach alle Männer.“

Na? Schon interessanter, gelle? Denn, was das in Verbindung mit dem Cover zu bedeuten hat, dürfte nicht nur sabbernden Chauvinisten und augenrollenden Emma-Leserinnen klar sein.

They call her MOTHER!
Und dann sind wir auch schon mittendrin im schönsten Dune-Buggy-Racing des Tina Turner-Fanclubs, nahe den malerischen Ausläufern vom Steinbruch Ost.
Die Frauen haben sich in wilde Clans aufgespalten. Ein besonders ruchloser Haufen sind die Anhänger der ’ehrwürdigen Mutter’. Diese besitzen das Geheimnis des ’Samens’ und woher auch immer sie es haben, einem Mädel gelingt es, diesen zu rauben und sich selbst damit zu befruchten. Auf ihrer Flucht trifft sie auf Phönix, die dollste Kriegerin eines benachbarten Stammes, die von nun an ihre Beschützerin ist. Die Zeit vergeht im Flug. Wo eben noch ein flacher Bauch unter dem Top hervorlugte, purzelt im nächsten Moment auch schon das Blag aus dem Schoß. Es ist ein Junge und Phönix’ Kollegen sind außer sich (“Ich freu mich jetzt schon darauf, wenn der kleine groß wird.“) Doch die Scherginnen der ’Mutter’ sind längst auf ihren Spuren und wollen das Kind, um das Schicksal der Menschheit zu bestimmen…

Die 'AAs': Angenehme Apocalyptikerinnen

Ungeniert kopiert ’Phönix’ genau so frech bei der australischen ’Mad Max’-Reihe, wie beinahe jeder einzelne Postapo-Actioner der 80er, aber er macht es mit tapsigem Charme, humordurchsetzter Atmosphäre und halbnackten, pompös frisierten Frauen, die sich unter Beschallung eines fesch dahin drommelnden Synthie-Scores mit unverschämt großen Wummen beschießen und auch sonst gut austeilen können.

Ja was dachtet ihr denn?
Der Tod ist ein Mann.
Klar ist der tot!
Die ’Damsel in Distress’ erkennen wir daran, dass sie im Gegensatz zu den knapp bekleideten Amazonen eine frisch gewaschene Knapp-Kombination in den Farben der Achtziger trägt. Unsere Heldin erkennen wir daran, dass sie im Gegensatz zu den knapp bekleideten Amazonen noch knapper bekleidet ist.
Und die Widersacherin (gespielt von Persis Khambatta, die auch schon in ’Megaforce’ die Endzeit unsicher machte) erkennen wir nicht nur an ihrem rauhen Benehmen, dem fiesen Grinsen, dem schwarzen Outfit, den riesigen Ohrringen und dem Namen ’Kobold’, sondern auch an der Tatsache, dass sie regelmäßig Rapport bei einer mutierten Oma abliefert, die in einem geheimnisvollen Zelt aus riesigen Einkaufstüten wohnt.
Der Ausstattungs-Abteilung ließ das offensichtlich knappe Budget immerhin schicke Outback-Vehikel, eine Vielfalt riesiger Kaliber und lediglich einige 08/15 Sets (Arena, Wasteland-Folterstätte), dafür aber auch ein paar lustige Schmelz-Mutanten, die irgendwas von der ’Sesamstraße’ und ’British Airways’ sabbeln.

Lucky Surviving Male Bastard!

Sicherlich ist ’Phönix’ meilenweit weg von einem eigenständigen, originellen Film und weder mit tollen Schauspielern noch mit der Qualitätssicherung einer Big Budget-Produktion gesegnet, aber wisst ihr was: Das ist vollkommen schnuppe, denn das Teil unterhält (trotz einigen Dursttrecken) auch ohne diese Optionen und befindet sich innerhalb seines Sub-Genres ganz klar im oberen Drittel.


Hudson