Das Phantom mit der Stahlmaske


‘The kill machine with the megaton mind’


Originaltitel: Who? (1973)
Regie: Jack Gold Drehbuch: Algis Budrys & Jack Gold
Darsteller: Elliott Gould, Trevor Howard, Joseph Bova FSK: 16


Die deutsch-deutsche Grenze, 1973:

“Ihr werdet mir nie glauben,
wie dieser Typ aussieht!“
Der durch einen Unfall furchtbar entstellte und verkrüppelte Wissenschaftler Dr. Lucas Martino wird aus der Deutschen Demokratischen Republik in die westdeutsche Botschaft der Vereinigten Staaten übergeben. Martino war Entwicklungsleiter des ’Neptun-Projekts’ in Florida, was ihn für die Amis verdammt wertvoll macht. Doch bei der Übergabe treffen FBI und US-Behörden nicht etwa auf das ihnen bekannte Gesicht, sondern eine Gestalt, deren Körper beinahe vollständig von Metall überzogen ist. Nach seinem Unfall wurde Martino von den Russen ein zweites, künstliches Leben geschenkt. Doch ist es wirklich Martino, der den Amerikanern übergeben wurde? FBI-Mann Rogers ist sich nicht sicher und nimmt ihn in die Verhör-Zange. Fest steht, dass der Wissenschaftler dem Feind was preis gegeben haben muss. Doch als Rogers nach tagelanger Zermürbungstaktik kein Geständnis des halb künstlichen Menschen herausbekommt, wird dieser zurück in die Staaten geschickt, um weiter am ’Neptun’-Projekt zu arbeiten. Doch auch hier wird Martino auf Schritt und Tritt verfolgt. Noch immer ist den Autoritäten nicht klar, ob er wirklich der ist, der er vorgibt zu sein…

Bei ’Das Phantom mit der Stahlmaske’ haben wir es wieder einmal mit einem Fall von völlig verhunztem Cover-Marketing zu tun. Auch ich fiel darauf rein, bzw. glaubte ich beim Vergleich zwischen Cover und Backcover (wo man erkennt, wie das ’Phantom’ tatsächlich aussieht) eine Trash-Granate gefunden zu haben. Ich meine, zieht euch das mal rein:

“Sir, ich würde sie bitten, nicht so zu starren.“

Da musste ich doch zugreifen, oder?
Doch ich war doppelt überrascht, da sich der Film bald als ernstzunehmender Polit-Thriller herausstellte, der die Paranoia des kalten Krieges und ihre Auswirkungen auf alle Beteiligten zum Thema nahm.
Nach der Übergabe an die Amis und der Rehabilitation bei den Russen, steht vornehmlich die schonungslose Befragung Martinos im Vodergrund. Rückblenden seines Lebens mischen sich mit den Verhören durch den russischen General Azarin, der von Hollywood-Altstar Trevor Howard mit eher gleichgültiger Mine verkörpert wird.
Schauspielerisch schwergewichtiger ist da Elliot Gould (’Der Tod war sein Partner’). Er spielt den unnachgiebigen FBI-Agenten, der sein ’Opfer’ bis zum Äußersten treibt, mit einer unsympathischen Kaltschnäuzigkeit, die ich ihm gar nicht zugetraut hätte.
Trotzdem Hauptdarsteller Joseph Bova über die volle Spielfilmlänge unter der (mit Verlaub) lächerlichen Metall-Maskierung agieren muss, bringt er das Drama des Protagonisten verblüffend eindringlich zum Tragen. Die Rückblenden werden übrigens ausschließlich in der Egoperspektive dargestellt. Das wahre Gesicht Martinos bekommen wir also den gesamten Film über nicht zu sehen.

“Nirgendwo haben sie irgendwelche Rechte. Die Verfassung der Vereinigten Staaten wurde nicht für Metallmenschen geschrieben. Es steht nirgends, dass Burschen mit Metallköpfen und Augen, die beim Öfnnen ’Klick’ machen, irgendwelche Rechte hätten.“

Er vermisst die Vogelscheuche, den Löwen und Dorothy ganz schrecklich!

Fazit: Gewagter Versuch der Paranoia-Kritik, mit unverständlich alberner Maske und noch unverständlich albernerem deutschen Titel. Ansonsten aber für Politthriller-Fans mit Schwerpunkt ’Kalter Krieg’ wirklich zu empfehlen.


Hudson