Pass des Todes

aka

Die Passage


‘An ice-swept escape route in front of them. A cold-blooded killer behind them. The only way out is up.’


Originaltitel: The Passage (1979)
Regie: J. Lee Thompson Drehbuch: Bruce Nicolaysen
Darsteller: Anthony Quinn, James Mason, Malcolm McDowell FSK: ungeprüft


Anthony Quinn -
Baskischer Berglöwe
Der amerikanische Wissenschaftler Bergson (James Mason) ist mit seiner Familie auf der Flucht vor den Nazis. Da Himmler persönliches Interesse an dem Flüchtling hat, ist die SS dem Professor bald auf den Fersen und jagt ihn durch Frankreich. Die einzige Chance der Bergsons besteht darin, einen Pass über die Pyrenäen nach Spanien zu nehmen. Ohne Hilfe ist die Passage jedoch unmöglich für die Familie. Deshalb heuert ihr Kontakt in der französischen Resistance (Michael Lonsdale) einen bärbeißigen baskischen Hirten (Anthony Quinn) an, der sie über den ’Pass des Todes’ begleiten soll. Wenig davon angetan, aber durch eine stattliche Bezahlung entlohnt, macht sich der Baske mit der Familie auf den Weg durch das von Nazis besetzte Frankreich, auf der Flucht vor dem wahnsinnigen SS-Offizier Berkow (Malcolm McDowell). Als sie den Pass schließlich erreichen, beginnt ein mühseliger Aufstieg. Nicht alle werden die Grenze lebend erreichen…

“Kommt schon. Ich hab ein gutes Gefühl bei diesem Fall. Das letzte Mal, als ich so ein Gefühl hatte, nahmen wir Polen in einer Woche.“

Ich gebe zu, dass ich mir ’Pass des Todes’ nur wegen des reißerischen Covers und der beeindruckenden Starbesetzung aus der Grabbelkiste gefischt habe, doch wurde ich letztendlich von Qualitäten ganz anderer Art überrascht.
Hier trifft Flüchtlings-Drama auf Exploitation, schonungslose Gewalt und atemberaubende Spannung.
Da gibt es zum Beispiel eine Szene, in der Christopher Lee vor den Augen seines Zigeuner-Clans auf einen Stuhl gefesselt und mit Benzin übergossen wird. McDowell versucht Informationen über den Verbleib der Bergsons aus ihm herauszupressen, während die Familie mit ihrem Führer den Berg erklimmt. Abwechselnd wird zwischen diesen beiden Szenen hin und her geschnitten, bis die Spannung ihren Höhepunkt erreicht hat und man nicht mehr sicher sein kann, was als nächstes passiert.

Malcolm McDowell -
SS-Mann mit Mördermacke
Dass Malcolm McDowell 10 Minuten zuvor lediglich mit Hakenkreuz-Strapsen bekleidet eine irre Schlafzimmer-Show abliefert, gibt nur einen kleinen Einblick in die kreuz und quere Gefühlswelt dieses kleinen, fiesen Filmes aus dem Jahre 1979.
Sowas funktioniert natürlich nur mit einer Riege an Ausnahmedarstellern und die kann ’Pass des Todes’ auch vorweisen. James Mason (’20.000 Meilen unter dem Meer’) spielt den verzweifelten Wissenschaftler, der mehr um seine Familie besorgt ist, als um alles andere mit angenehmer Ruhe. Viel wird ihm hier nicht abverlangt, aber was uns Mason bietet ist genug, um seiner Figur die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen. Anthony Quinn gibt den griesgrämigen Bergführer mit vollem Körpereinsatz und meistert den Part auf ungefeilt-sympathische Art. Christopher Lee und Michael ’Hugo Drax’ Lonsdale haben vergleichsweise kleine Rollen, deren Schicksale jedoch entscheidend zur Stimmung des Filmes beitragen. Und dann ist da Malcolm McDowell, dessen Darstellung des manischen Oberstrumpfbandführers einfach nur mit einem WOW! beschrieben gehört. Irre Movie-Nazis gab’s schon viele, aber der hier ist aus dem Urschleim geschlüpft. Seine Leistung ist nur noch von der Absurdität seiner Art des Ablebens zu toppen.

“Was ist denn los, schlägt ihnen der Krieg auf den Magen? Sie schaffen’s nie zur SS!“

Christopher Lee - Gypsy King

’Pass des Todes’ ist eine hochspannende Angelegenheit, die sich gleichermaßen mit dramatischer Schwere und exploitiver Absurdität dem Zuschauer unaufhaltsam in den Schädel bohrt, bis er vor Verwirrung nicht mehr weiß, ob er zittern, weinen oder jubeln soll. Kein perfekter Film, aber ein ungewöhnliches und leider vergessenes Stück Unterhaltungskino.


Hudson