Paco - Kampfmaschine des Todes


‘Ein Kampfroboter sieht rot!’


Originaltitel: Vendetta dal futuro (1986) Regie: Sergio Martino
Drehbuch: Elisa Briganti, Sergio Martino, John Crowther, Lewis E. Ciannelli, Ernesto Gastaldi, Dardano Sacchetti & Saul Sasha
Darsteller: Daniel Greene, Janet Agren, George Eastman FSK: 18


Paco – Kampfmaschine des Todes: “30 % Mensch, 70 % bionisch.“
Eine einfache Rechnung. Adjektive haben die Mehrheit.

Just the facts, ma'am.
Paco ist Cyborg und Cyborg sein, ist schwer. Im Auftrag eines dicken Konzerns soll er ein politisches Schwergewicht der umweltfreundlichen ’No Future’-Bewegung umbringen. Eigentlich ein hehres Ziel, denn wer will schon keine Zukunft, selbst wenn sie umweltfreundlich ist? Doch kurz bevor er den Finger am Abzug hat, kommen die 30 % durch und Gewissensbisse knabbern an den berechnenden Schaltkreisen. Paco verweigert den Befehl und ist fortan selbst in der Schusslinie seiner Auftraggeber. Um sich von deren Häschern nicht den Tag verderben zu lassen, flieht Paco in die Wüste. Genauer gesagt in die Kaschemme von Linda, die als Auffangbecken für den schlimmsten Abschaum diesseits von Mos Eisleys Raumhafen dient: Dicke, schwitzende Männer mit speckigen Bärten, Saufköppe, Nichtsnutze, Wife Beater, Schmierlappen und George Eastman, der immer gern gecastet wird, wenn irgendwo eine Armdrück-Szene mit Protagonisten italienischer Genre-Ware winkt.
Dieses Dreckspack kommt Paco, mittlerweile als Handlanger bei Linda in Lohn und Brot Öl, bald in die Quere, doch der eigentliche Feind, konkurrierende Killer-Cyborgs im Auftrag des großindustriellen Bösen (unter Administration einer gewissen Doktor Peckinpah), sind der sanften Robo-Fönwelle längst auf den Fersen…

Meteorologische Bedingungen jenseits aller Richtwerte

Sergio Martino, kreativer Kopf hinter Käseasten-Klassikern wie ’Fluss der Mörderkrokodile’, ’Insel der neuen Monster’ und ’Fireflash’ liefert mit ’Paco’ einen allzu oft verulkten Rohdiamanten der Genrefilm-Geschichte.
Der Film über den klassischen Kampf des vom Gewissen geplagten, muskelbepackten Cyborg mit Identitätskrise gegen die Unterdrückung durch einen gewissenlosen Konzern, ausgeführt durch dessen ebenfalls kybernetische Handlanger (sowie John Saxon und Donald O’Brien), ist dank käsiger Ausstattung, blöder Sprüche und windiger Frisuren zwar für diverse Lacher gut, funktioniert dank Martinos Regie und der Arbeit ganzer sieben Autoren (!) allerdings auch als ganz eigene Variante der ’Horst-in-the-Shell’-Thematik.

Pacos Todesschlag:
Die Rückhand-Dublette
(Laut fact sheet 100 % effizient)
Klar, in gewisser Weise kopieren die Macher den ’Terminator’ (u.a. die komplette ’Doktor-mir-selbst-am-Techno-Arm-rum’-Szene), aber dank der Sympathie, die für die Titelfigur aufgebaut (zumindest aber suggeriert) wird, hat der Film eine ganz eigene Geschichte zu erzählen und greift damit Filmen der Marke ’RoboCop’ und ’Universal Soldier’ vor.
Paco wird von Serien-Gusche Daniel Greene (’Falcon Crest’) als eine Art als tumb-stierenden Rasierklingenschmuggler dargestellt, dessen Selbstzweifel an die Grenzen von Greenes darstellerischem Spektrum knallen. Eine Interpretation für sich, die allen Freude bereiten wird, die ein Herz für solche Grobis haben und schon immer wissen wollten, was dabei rauskommt, wenn man Lorenzo Lamas und Lou Ferrigno in die Brundle-Kammer packt.
Auf der Besetzungsliste findet man auch illustre Namen wie John ’Sador’ Saxon, der sich seinen Gehaltscheck gewohnt grimmig verdient, Janet Agren, die schon neben Zombies an Glockenseilen rumhing, Genre-Fresse Donald O’Brien (’Yeti – Der Schneemensch’), mit dem man laut Forenonkel und Genre-Spezi Dick Cockboner grundsätzlich nichts falsch machen kann, sowie George Eastman, unser aller Lieblings-Kawenzmann mit Sleaze-Attitude und Go-to-guy für italienische Brutalinskis mit Vollbart.

Keine Angst... alles nur Drähte, Kautschuk und
synthetische Polymere mit Teewurst-Geschmack!

Abgesehen von seiner kruden Seventies-Ghettoreißer-Optik, ist ’Paco’ handwerklich gekonnt geschustert. Martino reichert seinen Film (dessen Dramaturgie immer wieder über Füllerszenen stolpert) mit einigen amüsant fiesen Effekten an und liefert im letzten Drittel die Action-Breitseite mithilfe diverser Shoot-Outs und Verfolgungsjagden, von denen eine leider, leider, leider Schauspieler Claudio Cassinelli (’Hercules’) das Leben kostete.

Der Schorsch von der Patenbrigade
Normalerweise beschwere ich mich über die allzu eintönigen Synthie-Scores solcher Streifen ja gerne, aber die Mucke von ’Paco’ geht ins Blut und lädt zum Mitwipping und Fistpumping ein. Kein Wunder, den Notenschlüssel schwang hier Claudio Simonetti, Komponist diverser Klassiker-Soundtracks (’Suspiria’) und Keyboarder der Italo-Mucker ’Goblin’. (Ich könnte schwören, dass Samples daraus in einem Milli-Vanilli-Song verwurstet wurden.)

Amüsant ist die Tatsache, dass der Zuschauer zwischendurch immer wieder mit preiswerten Mitteln daran erinnert werden soll, dass wir es hier mit einem futuristischen Szenario zu tun haben. Da kommen dann Killertruppen mit Motorradhelmen herbeigestürmt, Autos haben alberne Rohr-Peripherie und zum Finale im Heizungskeller wird eine exorbitante Laser-Wumme ausgepackt. Die Art und Weise, mit der Paco schließlich seinen Schöpfer aus der Welt schafft, ist poetisch und bekloppt zugleich. Ich liebe es!

“Du hast die Hölle gewollt. Jetzt kriegst du sie!“

Der ewige Kreislauf der Gewalt und seine ulkigen Superlative

Trotz einiger grober Schnittfehler, dem Verschleiß offensichtlicher Pappkulissen und den erwähnten Dramaturgie-Füllern, ist ’Paco’ genau die Art von B-Kino, wie ich es mir öfter wünsche: Gut geklautes Konzept, nach eigenen Motiven umgewandelt, mit Rabatz angereichert und auf einem schwitzigen Tablett von groben Robo-Raufbolden serviert.



PS: An dieser Stelle auch mal Dank an den deutschen Verleih. Ich meine, ’PACO – KAMPFMASCHINE DES TODES’, das ist doch mal ein Titel! Da können die Amis mit ihren Alternativtiteln ’Hands of Steel’, ’Fists of Steel’, ’Atomic Cyborg’ und ’Return of the Terminator’ nur abstinken.


Hudson