Outlander



Originaltitel: Outlander (2008) Regie: Howard McCain
Drehbuch: Dirk Blackman & Howard McCain
Darsteller: James Caviezel, Sophia Myles, Jack Huston FSK: ungeprüft


Was haben wir denn hier? Einen gut betuchten Genre-Film mit Wikingern, Raumschiffen und Aliens? Im Kino? Im Ernst? Da staunt der Science Fiction-Fan nicht schlecht, wenn förmlich nach B-Movie riechendes Material, das sonst nur eine Direct to DVD-Auswertung bekommt (wie jüngst die ’Mutant Chronicles’) es in die Lichtspielhäuser schafft. Zumindest erst einmal in den USA und ins Fantasy Film Fest ’08, wo sich die FlausenCrew diesen Genre-Schinken anschauen durfte.

Norse E.T.

Irgendwann um 700 nach Christi rauscht ein außerirdisches Raumschiff in einen See im nordischen Reich der Wikinger. An Bord befindet sich Kainan (James ’Jesus’ Caviezel), seines Zeichens Alien-Siedler mit tragischer Vergangenheit. Grund für die Notlandung auf dem blauen Planeten ist ein ’Moorwen’, ebenfalls außerirdischer Herkunft, jedoch nicht humanoider Art, sondern eher eine exorbitante Variante des Xenomorphs der ’Alien’-Saga. Wie schon jene Biester, führt die Kreatur nichts Gutes im Schilde und macht sich bald auf in die Wälder, die umliegenden Siedlungen zu verwüsten. Als Krieger eines lokalen Stammes unter König Rothgar (John Hurt in Bestform) Kainan bei der Jagd nach dem ’Moorwen’ erwischen, wissen sie zunächst wenig anzufangen, mit dem seltsam gekleideten Mann, der behauptet, aus dem Norden zu kommen und einen Drachen zu jagen. Nach den üblichen misstrauisch-abtastenden Annäherungen, stellt sich bald heraus, dass an Kainans Geschichte etwas dran ist. Der Drache lässt sich nicht lange bitten und stattet dem Hof Rothgars, der verzweifelt auf der Suche nach einem Nachfolger ist, einen verheerenden Besuch ab. Der junge Wikingerkrieger Wulfric (Jack Huston), Rothgars wehrhafte Tochter Freya (Sophia Myles) und der zwielichtige Stammesführer Gunnar (Ron Perlman) schließen sich dem ’Outlander’ im Kampf gegen den ’Moorwen’ an…

Erik der Wikinger. Die jungen Jahre.

Der vertraute Klang der Inhaltsangabe kommt nicht von ungefähr. Wartet ab, bis ihr den Film erst seht! Ein belagertes Wikingerdorf, in dessen Mitte eine riesige Halle steht. Ein Ungetüm, das nur vom tapfersten Krieger erschlagen werden kann. Royale Erbschafts-Zwiste. Namen wie Freya, Rothgar und Unferth…
“Knock Knock“ “Who’s there?“ “Wulf?“ “Wulf who?“ BEOWULF!
Und hey, vielleicht war’s ja auch so. Vielleicht entstand das berühmte Heldengedicht auf historischer Basis genau dieser Vorlage: Grendel als außerirdisches Biest, sein Bezwinger ebenfalls von den Sternen und ein Typ namens Boromir als Comic Relief (do I smell copyright issues?)

Yeah, Hurt ’em!
Spott beiseite, die Mischung funktioniert. Nicht, dass die Story den Zuschauer aus den Socken haut, vor Originalität strotzt oder vollkommen unvorhersehbare Ereignisse ihr Eigen nennt. Nein, hier kracht die Optik, der Drive und das herrliche Vergnügen, einem 1A Monster bei der Verwüstung zuzusehen. Sicher, es wird auch an’s Gefühl und den Humor appeliert, doch bleiben wir einfach bei der Wahrheit des simplen Set Ups: Alien vs Wikingor!
Ein phantasievolles Monster-Design & erstaunlich gediegene FX (ausschließlich aus dem Rechner, dennoch exzellent), anspruchsvolle Sets (’Meduseld’ lässt grüßen), Kamerafahrten durch wunderschöne Landschaften, dazu ein stimmungsvoller, mitreißender Soundtrack und eine handvoll überzeugender Darstellungen treiben ’Outlander’ voran.

Perlman Stampede
James Caviezel ist zwar nicht die charismatische Leading Man-Bombe, die ich mir für einen Film dieser Art gewünscht hätte, dennoch macht er seine Sache gut, bringt vor allem notwendiges emotionales Potential auf die Leinwand und vermag auch optisch der Titelrolle des Außenseiters zu entsprechen. Sein Konkurrent Jack Huston (’Shrooms’) hat zwar meiner Ansicht nach nicht die Statur eines echten Wikingerkriegers (what’s with your skinny arms, dude?!), kommt nach etwas Eingewöhnungszeit als ’Eomer’-Lookalike jedoch auch gut ins Spiel. John Hurt beweist, dass auch er noch Ärsche treten kann und Sophia Myles (’Hallam Foe’) verpasst ihrer Figur den ’Eowyn’-Anstrich mit ’Red Sonja’-Applikationen. Leider ist einmal mehr zu beklagen, dass Ron Perlman geradzu verschenkt wurde und hey, wenn schon nordischer Genre-Smash, warum wurde dann nicht Sven Ole Thorsen gecastet?
Neben den wirklich exzellenten Monster-Auftritten, mit dem Augenmerk auf eine Sequenz, welche die ’Moorwen’ auf ihrem Heimatplaneten zeigt und dem Zuschauer fantastische Planeten-Szenarien zu kosten gibt, hat der Film auch einige witzige Einfälle im Gepäck. Da wäre zum Beispiel die Art und Weise, wie Kainan die Sprache, Kultur und Geschichte der ’Nordmänner’ auf schmerzhafte Weise im alien-technologischen Schnellgang lernt (hm nee, dann doch lieber büffeln), Kainans Adoption von Erik dem Wikinger oder die Konfrontation eines christlichen Priesters mit dem ’Moorwen’, welches er für den Leibhaftigen hält.
Zimperlich geht es hier nicht zur Sache. Saftige Wikinger-Scharmützel, Höhlen voller Leichen, Monster Mayhem, ein Bärenkampf und Ron Perlman mit zwei Kriegshämmern in Händen sorgen für blutrote Tünche. Bis die mit Alienstahl gewappneten Helden im finalen Lavalevel angekommen sind, wurden einige Extraleben verbraucht.

Zeit für's letzte Abendmahl.

Gottseidank eher im Geiste von ’Predator’ meets ’Der 13. Krieger’ als ’Dark Angel’ meets ’Pathfinder’, ist ’Outlander’ ein ausgezeichneter Genre-Mix mit fantastischen Bildern, einem fabelhaften Monster und trotz überraschungsarmer Handlung unverschämt unterhaltsam.

Hudson