Orion-3000, Raumfahrt des Grauens



Originaltitel: Il pianeta errante (1966) Regie: Antonio Margheriti
Drehbuch: Ivan Reiner & Renato Moretti
Darsteller: Giacomo Rossi-Stuart, Ombretta Colli, Enzo Fiermonte FSK: 16


“In den nächsten drei, vier Tagen werden die seismischen Erschütterungen die Intensität von Richter 10 erreichen.“
“Was sagen sie? Richter 10?!?! General, das wäre das Ende unserer Welt!“
“Nach unseren Berechnungen werden die Stürme in der nördlichen Hemisphäre zu dreifacher Orkanstärke anschwellen.“
“Was? Dreifache Orkanstärke? Das ist ja unverstellbar!“
“Sie haben vielleicht den Computer mit falschen Daten gefüttert und der Weltuntergang findet nicht statt.“
“Das wird sich ja bald erweisen.“
[…]
“Das hört sich ja sehr schön an, aber was können wir denn tun?“
“Testament machen!“

Es sieht zwar ähnlich aus, aber es ist nicht die olle Raumpatrouille!

Der Himmel brennt, die Generäle fliehen und wir ersticken in Wolken der Panik!
Ursprung des ganzen Tohuwabohus ist ein im All umhertrudelnder Planetoid, dessen Bahn gen Erde führt. Da Bruce Willis gerade mal elf Jahre alt ist, muss nun Schmalztolle Commander Jackson, Raumpilot und Alphamännchen vom Dienst, den blauen Planeten vor dem Untergang retten. Nachdem Verluste beklagt, Bedingungen geklärt und Streitgespräche ausgetragen wurden, schickt die Raumfahrtbehörde Jackson und seine besten Männer auf Erkundungsflug zum Planetoiden, der sich erstaunlicherweise als lebendiger Organismus entpuppt...

Wohl eher die Schaumpatroullie...

’Orion 3000’ ist der dritte Eintrag in der vierteiligen ’Gamma 1’-Reihe, die Italiens famoser B-Film-Regisseur Antonio Margheriti (’Einer gegen das Imperium’) Mitte der Sechziger innerhalb eines Jahres abdrehte. Das geringe Budget ist der käsigen Science Fiction-Mühle (deren Reise vom dunklen Weltall auf schwarzer Sternen-Leinwand, über die Pappsets einer Raumstation, bis in die Tiefen eines blubbernden Pudding-Planeten führt) in jeder Szene anzusehen. Stock Footage, Billig-Dekors und Bunsenbrenner-Effekte sind allerdings nicht das Problem von ’Orion 3000’. Bestenfalls lenkt die launige Ausstattung sogar von der leider viel zu tranigen Natur des Streifens ab.
Giacomo Rossi-Stuart (’Krieg der Roboter’), der in der deutschen Version übrigens von Rainer Brandt synchronisiert wird, gibt einen amüsant altmodischen Haudegen, mit kantigem Kinn und gewaltiger Haarpracht, während die Herrschaften um ihn herum größtenteils mit dem Austeilen allzu alberner Dialoge beschäftigt sind. (“General, ich habe eine Panne am Gyroskop. Haben sie überhaupt eine Ahnung, was das bedeutet?“)
Das ’Armageddon’-Konzept ist sicherlich nicht das dümmste (auch wenn uns Michael Bay 1998 vom Gegenteil überzeugen wollte), doch hier fehlt es einfach an Tempo und das potentielle Drama wird entweder durch panisches Technobabble offenbart (die Zerstörung der Erde findet aus Geldgründen natürlich ’off screen’ statt) oder durch unfreiwillig komische Abgänge versiebt.

Italienisches Kopfkino, wie wir es lieben!

Für Fans angestaubter italienischer Genre-Ware ist ’Orion 3000’ vielleicht einen Blick wert. Alle anderen dürfte dieses Epos aus fliegenden Bunsenbrennern, sämigen Doomsday-Labereien und antiquiertem Heldentum eher kalt lassen.


Hudson