Orca - Der Killerwal


‘Terror just beneath the surface’


Originaltitel: Orca (1977) Regie: Michael Anderson
Drehbuch: Luciano Vincenzoni, Sergio Donati & Robert Towne
Darsteller: Richard Harris, Charlotte Rampling, Will Sampson FSK: 12


Killer? Moment mal! Doch nicht etwa dieser nette Schwertwal aus den Kinderfilmen mit Michael Madsen?! Moment mal! Kinderfilme mit Michael Madsen?! Aber ich schweife ab.

Richard Harris - Der Mode weit voraus

In ’Orca’ einem Tierhorror-Abenteuer im Fahrwasser des ’Weißen Hai’ geht es tatsächlich um einen Schwertwal, auch Mörderwal genannt (weil die alten Römer ihn einst so tauften), der bittere Rache fordert? Das Opfer seiner Begierde ist Fischer Nolan (Richard Harris), der beim Versuch ihn zu fangen, sein Weibchen schwer verletzte, welches sich daraufhin in die Schiffsschraube stürzte und schließlich auf Deck gezogen auch noch ihr ungeborenes Walbaby auf die Planken kotzte. Starker Tobak, gelle?! Aber hat man die obszön gellenden Schreie der Walmama erst einmal vernommen, glaubt man gerne, dass Walpapa eine Stinkwut auf Lümmel Nolan hat, dem auch baldigst die Reue in die Fontanelle steigt. Doch das Biest lässt nicht locker. Es rüttelt die Nachbarschaft auf, indem es Boote mit der stahlharten Schnauze torpediert, schafft es sogar, ein Feuerwerk in der nahegelegenen Küstenstadt zu entfachen (fragt nicht!), lässt ein Steghaus einstürzen und verhilft schließlich Bo Derek zu einem Holzbein. Genug ist genug denken sich die Anwohner, die längst wissen, dass das Tier auf Nolan scharf ist. Sie zwingen den Fischer hinaus auf die See, wo er gefälligst den Ahab machen soll. Warum er dafür ausgerechnet die tierliebende Meeresbiologin Rachel (Charlotte Rampling) mit an Bord nimmt, bleibt ungewiss…

“Der Wal ist hinter ihnen her.“
“Sie hat Recht, sie sagt die Wahrheit. Sie hat es auf der Universität gelernt und ich weiß es von meinen Vorfahren.“
“Na wie schön, da hab ich wieder etwas dazugelernt. Wer sind sie eigentlich?“

The Money Shot

Regisseur Michael Anderson, der im Jahr zuvor den Science Fiction-Klassiker ’Logans Run’ inszenierte, brachte mit ’Orca’ einen der besseren ’Jaws’-RipOffs auf die Leinwand. Selbstverständlich ist die Story genau genommen hahnebüchen, wenn aber alles andere stimmt, und das ist bei ’Orca’ mehr oder weniger der Fall, muss man es eben nicht so genau nehmen. Den Wal als intelligentes Biest mit eigenen Intentionen jenseits der üblichen ’Natur schlägt zurück’-Galoschen zu charakterisieren (und tatsächlich kann man bei ’Orca’ von einem echten Charakter sprechen) ist mal etwas anderes und wird durch die tollen Aufnahmen des Tieres visuell eindrucksvoll untermauert.
Die menschlichen Protagonisten geben sich recht durchwachsen. Richard Harris (’Der Mann den sie Pferfd nannten’) deckt als Ahab/Quint-Verschnitt das Spektrum von ’zerrissen bis kernig’ ab, während Bo Derek (wie so oft) schmückendes Beiwerk bleibt, Will Sampson (’Chief’ aus ’Einer flog über’s Kuckucksnest’) die Klischee-Rolle vom weisen Indianer spielt und Charlotte Rampling ein pseudo-wissenschaftliches und reichlich verklärters Voice-Over zum Besten gibt. Vergeben und vergessen, bedenkt man den (gewohnt) bemerkenswerten Score von Ennio Morricone.

Schollen-Showdown

Fazit: Der Revenge-Thriller unter den Tierhorror-Streifen. Ein Wal fordert blutige Rache, sein Opfer will Walfisch-Steaks und die Zuschauer wollen tatsächlich wissen, wie’s ausgeht. Ich wollt’s erst selbst nicht glauben, aber hat man Intention und Intelligenz des Tieres erst einmal geschluckt, funktioniert der wunderschön fotografierte und spannend in Szene gesetzte Film. Auf seine Art.


Hudson