Operation Overkill


‘Sie suchen das Paradies und finden die Hölle!’


Originaltitel: Warriors of the Apocalypse (1985)
Regie: Bobby A. Suarez Drehbuch: Bobby A. Suarez & Ken Metcalfe
Darsteller: Michael James, Deborah Moore, Ken Metcalfe FSK: 18


Nachdem ich den Trailer zu ’Operation Overkill’ (aka ’Warriors of the Apocalypse’ aka ’Time Raiders’) im Anhang einer uralten VHS vor ein paar Monaten sah, wusste ich: Den musste haben, sonst geht die Welt unter!
Dass Vorfreude dann doch die schönste Freude ist, sollte sich in den folgenden 90 Minuten mal wieder bestätigen.

Return of the Michelin-Man!
Alles beginnt mit ’stilechten’ Archiv-Aufnahmen von Atom-Pilzen und der Synchron-Stimme von Homer Simpson, die uns erzählt, dass 50 Jahre seit dem Atom-Krieg vergangen sind. Holla, das fängt ja gut an.
Jetzt sind wir in der Wüste. Die Sonne brennt. Unerträgliche Hitze sengt einer handvoll Männer den letzten Vertsnad aus der Birne. Leider sind die Jungs in dicke Leder-Nieten-Klamotten (und pinkfarbene Strinbänder, huhu) gekleidet, was sie zwar als Endzeit-Söldner qualifiziert, aber nicht wirklich die passende Montur für ein solches Klima ist. Sie sind auf der Suche nach dem Voodoo-Mountain, dem sagenumwobenen Berg des Lebens.
Nach einigen genre-typischen Gefechten mit Angehörigen der Konkurrenz gelangen die Jungs in den Dschungel (hier soll der Berg angeblich stehen… in einem Wald. Na ja doch!), wo brandgefährliche Eingeborene mit niedlichen Baströcken und weniger niedlichem Tötungs-Besteck auf sie warten. Wild-quietschende Killer-Pygmäen attackieren die Protagonisten mit heimtückischen Blasrohren. Nach einer Weile merken die Söldner jedoch, dass die Kurzen trotz unübersehbarer Einschüsse nicht sterben wollen. So sind sie gezwungen, sich zu ergeben und werden zum Berg des Lebens geführt, bei dem es sich dann doch nur um eine olle Inka-Pyramide handelt.

"Sucht euch eine aus!"
Hier herrscht Shela, die Herrin des Dschungels, mit ihren Perl-Bikini-Amazonen und dem Hohe-Priester Guruk. Letzterer hält nicht viel von den Neuankömmlingen, war er doch bisher der einzige Hengst im Stall. Shela jedoch will den lästigen Eumel endlich loswerden und heißt die Testosteron-Knaller aus der Wüste herzlich willkommen. Doch der Zustand lustvoller Glückseligkeit soll nicht lange anhalten, denn unterhalb des Berges befindet sich ein Atom-Reaktor, der von versuchten Rest-Zombies am Laufen gehalten wird. Als ihnen zum Ausbruch verholfen wird, scheint das Paradies seinem sicheren Untergang geweiht zu sein…

Nun, als der vom Trailer versprochene Über-Hammer stellte sich ’Operation Overkill’ dann doch nicht heraus, immerhin hat er jedoch genug Schauwerte, um die 90 Minuten mehr oder weniger schadlos zu überstehen.
An den Darstellern liegt das allerdings nicht, denn diese latschen, springen und schießen derartig tumb und talentfrei über den Schirm, dass einem ’Peter Steiners Theaterstadl’ im Vergleich dazu wie Shakespeare vorkommt. Die Charaktere bleiben eindimensionale, lieblos ins Geschehen geworfene Bartschatten-Bratzen, Zwerge und Titten-Mäuse.

"Was soll der Geiz!?
Ich nehm sie alle!"
Die Action ist mal flott, mal unter Einsatz von Zeitlupe nett visualisiert. Es gibt genug Schießereien, Prügeleien und Speer-Werfereien, um einen ganzen Fernseh-Abend damit zu füllen. Leider ist das auch das Haupt-Augenmerk des Film: Es wird sich von einem Action-Set zum nächsten gehangelt. Zwischendurch gibt es lahme Dialoge, hirnverbrannte Dialoge und zum Schmunzeln anregende Dialoge (“Wartet bis zum nächsten Vollmond. Dann finden unsere Fruchtbarkeits-Riten statt.“ “Was heißt das? Ist das sowas wie freie Jagd?!“). In Sachen schräg-billiger Absurdität kann man diesem Streifen allerdings kaum das Wasser reichen. Seien es die Kämpfe mit den Pygmäen, das irre Augen-Laser Duell (das Bild wird eingefroren und aus den Augen schießen Zeichentrick-Blitze) oder Shelas Stein-Thron, dessen Lehnen mit Raketen versehen wurden. Das ebenso absurde Finale in der Bambus-Stadt zählt eindeutig zu den Highlights des Films, dessen musikalische Untermalung allerdings eher dürftig ausfällt (bei einer Liebes-Szene der Hauptfigur (namens Trapper, hmhm) mit der Amazonen-Königin wird immerhin Saxophon-Musik gespielt).

Ein Mann sieht rosa!

’Operation Overkill’ ist ein verrücktes Stück Endzeit-Film und seinen Postapocalypse-Kollegen 'Rush 2' und 'Texas Gladiators' allemal überlegen. Das hat letztlich aber wenig zu sagen, zu allerletzt, dass der Film wirklich gut ist. In seinen besten Momenten ist er verdammt nahe an einer Top-Flop-Bewertung; in seinen schlechtesten einfach nur doof. Wem’s gefällt…

Hudson