Omega Cop


‘The year is 1999. John Travis is the toughest cop alive.
He’s the only cop alive!’


Originaltitel: Omega Cop (1990) Regie: Paul Kyriazi
Drehbuch: Denny Grayson, Paul Kyriazi, Salli McQuaid & Joe Meyer
Darsteller: Ronald L. Marchini, Adam West, Stuart Whitman FSK: 18


Go West!

Wenn sich die Postapokalypse in den Gewerbegebieten von East L.A. abspielt, das Prologgelaber dem Ozonloch die Schuld am Ende der Menschheit gibt und Ron Marchini als Karate Tigger durch die Gassen spurtet… tja, wie beende ich diesem Satz jetzt, ohne den großzügigen Gebrauch der Worte “billig“, “einfallslos“ und “überflüssig“?

„Ich war erst zwölf, als die Welt vor die Hunde gegangen ist.“
„Sie sind immer noch zwölf, Travis.“

Schlips, Schlaps,
That's the sound of Spec Police!
Der aus ’Commander Rainbow’ bekannte Marchini spielt hier John Travis, das Ass der ’Special Police’, einer Endzeit-Einsatztruppe, die unter Leitung von Adam West… und wer jetzt noch mitliest, ohne sich ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen, hat selbst Schuld.
Die Special Police fährt regelmäßig die Fabrik-Schluchten ihrer Hood in ihrem Jeep zu Musik von den Screech Boys ab (die Beach Boys konnte man sich nicht leisten, genau so wenig wie irgendetwas anderes, das dem Begriff “Schauwert“ nahekäme), sorgt für Ordnung und lässt sich dabei abknallen. Same old, same old.
Als es alle Cops (’Cop Alfred’, ’Cop Frank’ und ’Cop Mike’ - Rollennamen den Credits entnommen and I ain't even joking) aus seinem Team erwischt hat, ist Travis der Letzte, in einem Film, der das Letzte ist. Gleichnis? Karma? Schubidu?
Wurscht. Denn Travis ist so wenig funktionierender Titelheld, wie sein Gegenspieler Wraith eine ernstzunehmende Bedrohung ist. Die Protagonisten und das Backcover der VHS reden von letzterem, dem Anführer der Endzeit-Griepschfressen (vom Begleittext großzügig als “wahnsinnige Mutanten“ beschrieben, es sind aber nur schlecht gekleidete Statisten aus der örtlichen Judo-Baracke), als sei er Sauron persönlich.

"Ich erhebe mein Glas, auf den
geschmacklosen Wichser, dem ich
diese Mütze geklaut hab!"
Aber wenn der Schurke dann auf dem Schirm ist, entpuppt er sich als lächerlicher Grummel-Opa im SS-Mantel mit Reitgerte, der vielleicht als Barkeeper in der ’Blue Oyster Bar’ durchgeht, aber nicht als Mitglied der Liga von P.A.-Schurken, die grandiose Exemplare wie den Lord Humongous, den Toecutter oder gar Teagan Clives Mantis in ’Interzone’ hervorgebracht hat.
Das ist besonders ärgerlich, da der Film mit Batman West und Stuart Whitman zwei durchaus präsentable Kultfressen zu bieten hat, die diesem Job zumindest einen professionellem Ansatz hätten verleihen können. Troy Donahue spielt auch mit, *räusper*.
Wests Rolle ist leider nicht mehr als ein Cameo und Whitman (’Das Geheimnis des blauen Diamanten’) spielt einen netten Arzt, mitten in den Ruinen der gar nicht so ruiniert aussehenden Großstadt, der an den Folgen der populären Naturkatastrophe ’Sonnenfeuer’ (sprich: es regnet Sonnenstrahlen…brocken) erkrankt, die sich Lepra-ähnlich über den Körper ausbreiten und den Befallenen aussehen lassen, wie einen angebrannten Kuchen.

Sieht richtig gut aus, gelle?
Bitte nicht blenden lassen!
Eine der Kardinalsünden dieses unerträglich schleppenden Stückes Endzeit-Schrott, ist das Abhandensein einer nachvollziehbaren Motivation für seine(n) Protagonisten. Travis gondelt planlos durch die Gegend, sammelt Bräute auf, kloppt Henchies weich, bekommt von Adam West über Funk ein paar Befehle und gondelt weiter. Was will der Vogel und worauf wollten die Macher (vier Autoren - VIER!) hinaus? Zudem ist Travis dämlich wie fünf Meter Feldweg und wird von Marchini als unsympathischen Klotzkopf mit der Ausstrahlung eines fünf Jahre alten Stücks Toblerone portraitiert. Immerhin kann er rennen wie ein Wegekuckuck. Und es wird viel gerannt in ’Omega Cop’.
Wenn wenigstens die Action fesch wäre, könnte man ja... nee ach, könnte man nicht. Das ist auch nur eine Entschuldigung für Nassbirnen, die nix anderes als Geballer und Gewemse sehen wollen. Get some standards!

Amüsement bescheren lediglich die vortrefflich bescheuert hergemachten Endzeit-Brontos, die ähnlich grandiose Namen wie ihre rechtschaffenen Widersacher haben und in Klamotten rumlaufen, die ganz offensichtlich mit akkuraten Schneiderscheren auf alt und abgerissen getrimmt wurden (ja, so wie unsere Muttis das früher beim Fasching für uns gemacht haben). Mein Favorit ist ’Racoon Face’, der eine blonde Minipli-Perücke über dem schwachzen Augen-Make-Up trägt und an Ralle Möllers Figur aus Pyuns ’Cyborg’ erinnert.
’Racoon Face’ und seine Kumpis (’Half Face’, ’Bad Bob’, ’Tough Guy’, ’Not So Tough Guy’ - erneut den Credits entnommen. I could not possibly make this shit up.) motivieren sich gegenseitig mit “Vernichtet Travis! Vernichtet Travis!“-Chants, nur um später von selbigem mit einem BFG-Ballermann von der Bildfläche gebröselt zu werden. Obwohl… das ist nicht die ganze Wahrheit. Travis feuert nämlich nur einen Streuschuss ab, danach schmeißt er die Wumme in den Staub, um den Rest der Bande mittels Karate zur Strecke zu bringen. Später spricht er einen der Schurken mit den unsterblichen Worten: “Ey, das ist mein Hut, den du da trägst!“ an. Es kommt erneut zu Karate mit Todesfolge. Man kennt das.

Behold the awesome awesomeness of 'Racoon Face'!
(Name nicht von der Redaktion geändert)

Die ernüchternde Erkenntnis, dass ’Omega Cop’ eine Graupe ist, gepaart mit trauernder Anteilnahme an den fehlenden Production Values und dem mangelnden Talent der Beteiligten, ereilt den genre-gierigen Zuschauer, der so hungrig nach Endzeit-Futter ist, dass er tatsächlich zu diesem Schund hier greifen muss, relativ früh im Film. Das ist dann auch der Punkt, wo jeder einfach ausmachen sollte, um nach einer Alternative zu greifen. Mir gebietet die Reviewer-Ehre, dranzubleiben, um Wort-Perlen wie „Die Welt ist zugrunde gegangen, weil ihr schuld daran seid“ zu lauschen und Minus-Mime Marchini beim steifen Martial-Arts-Gekloppe zuzuschauen. Ihr müsst das nicht. Also macht von eurem Recht Gebrauch. Aber so isses nun mal, Freunde, man muss durch den ganzen Schund, um zum richtig guten Stoff zu kommen, wie überall im Leben… Ob nun in den Diamantenminen von Burkina Faso oder im Grabbeltisch der Videothek eures Vertrauens.

Fast at the draw, slow at the face.

Alles sollte mehr wie ’Mad Max’ und weniger wie ’Omega Cop’ sein, aber ich fürchte letzterer ist die Norm per Erwartungshaltung. No pain, no gain. Hoffen wir für die Zukunft und für das, was danach kommt, in einer Welt voller schlechter Frisuren, Ozonlöcher und Karate Cops.
Hmmm… wie rette ich mich jetzt aus dieser selbstgerechten Besinnlichkeit? Achja: ’Omega Cop’ - Die filmgewordene Sollbruchstelle. Alles bröselt, sobald man es auf Herz und Nieren abklopft. Aber die Musik ging ins Ohr. Ich hoffe, der Blutverdünner richtet das wieder.
Bleibt am Ball für das Sequel, ’Karate Cop’, erneut mit Marchini und mit David Carradine. Ich wünschte, ich würde scherzen, aber es steht schon im Regal und wartet auf mich.


Hudson