Oktaman – Die Bestie aus der Tiefe


‘From the depth of space they came to vanish beneath the sea...’


Originaltitel: Octaman (1971) Regie: Harry Essex
Drehbuch: Leigh Chapman & Harry Essex
Darsteller: Kerwin Mathews, Pier Angeli, Jeff Morrow FSK: 12


Und wieder tönt das Voice-Over von den üblen Folgen menschlicher Atomversuche, Gentests und wissenschaftlicher Experimente.
Besonders schwer trifft es angeblich Latainamerika, so will es uns jedenfalls diese mexikanische Trash-Produktion aus dem Jahre 1971 weismachen.
Hier findet ein Wissenschafts-Team zwei seltsame, kleine Krakenwesen in einem Fluss (!) nahe der Wüste (!?!) Mexikos. Eines der Wesen bringen sie in ihr Laboratorium, in dem ihr Finanzier ihnen das sagt, was der Zuschauer bereits weiß: ’Schrott!’
Niedergeschlagen kehren sie mit zwei neuen Clowns (ein Cowboy und ein Zirkusdirektor) zum Fundort zurück, an dem der zurückgelassene Wissenschaftler tot aufgefunden wird. Der Oktaman, ein Wesen, halb Oktopuss/halb Mann (doch!), hat sich aus den Tiefen seines Tümpels erhoben und sorgt nun unter den Ankömmlingen für Angst, Schrecken, Mord und Totschlag…

…und Trash!

'Creature from the Black Lagoon'
für Arme. Kapiert? Für ARME!?
Meine Fresse! Dieser Film ist so schippe dämlich… nee, viel tiefer kann man die Messlatte gar nicht in den Boden schieben.
Das fängt schon bei den Darstellern an. Bis auf Kerwin Mathews, bei dem ich mich ernsthaft frage, warum er sich zur Teilnahme bei diesem Murks hat erpressen lassen (hey, der Mann war schließlich Sindbad und Gulliver!), ist die Belegschaft durch die Bank weg für die ’Oktopussy’. Da der Film aus dem Jahre ’71 ist, wollen wir es ihm verzeihen. Aber unter uns: Diese Tümpel-Stümper wandern einer wie der andere direkt in die 'Olle Kamelle'-Kategorie (Stichwort ’Indo der Indianer’ … oh, don’t get me started!).
Verglichen mit dem Titelmonster, haben wir es hier aber mit karrieregeilen Method-Actors zu tun. Der Oktaman ist ungelogen eins der witzigsten, weil dümmlichsten, ergo albernsten Geschöpfe der Film-Geschichte.
Schlürfend, keuchend, schmatzend und stöhnend schleppt er seine Gliedmaßen durch die mexikanische Pampa, als trüge er Oma’s schwere Einkaufstüten. Übrigens verfügen seine Augen über ’Fünf-O-Vision’, will heißen, er sieht alles fünffach (was später auch seinen Kontrahenten zu gute kommt, die ihn mit einer, also fünf Taschenlampen blenden). Seine (an Fäden hängenden) Tentakeln werden bei Bedarf auch mal dünner und länger und können nicht nur mit einem Schlach auf die Fresse die Augen dessen Opfers entfernen, sondern letztere auch ’aufspießen’!

"Seine Augen!? Was habt ihr
mit seinen Augen gemaaacht!?"
Die Close-Ups auf seine schlecht gepappte, bouncende Bummi-Rübe (das Maul immer offen, damit auch jede Fliege ihren Weg hinein findet) gehören wirklich zum bescheuertsten, was ich je in einem filmischen Machwerk betrachten durfte (und schaut euch hier mal um, ich hab mittlerweile einiges durch!).
Nachdem das uninspirierte Story-Garn erst einmal abgewickelt ist, pflastern bald ausgeschlonzte Katzen seinen Weg, während seine menschlichen Opfer in spé durch Sümpfe schleichen, durch Höhlen und durch’s Unterholz. Dann fahr’n sie über’n See, über’n See, dann fahrn sie über’n…
Die Setzbaukasten-Wissenschaftler hauen dabei eine Dialog-Bombe nach der anderen ins offene Feld (“Ich glaube, ihr unterschätzt das bis jetzt nicht erwiesene Tier!“ oder “Die Gegend schient unwirklich!“ “Ja, wie auf einem anderen Planeten.“), sphärische Säuselklänge werden von unerträglich grottiger Trommel-Mucke übertönt. Das hierfür ein Trash-Test-Dummy verliehen wird, sollte euch zeigen, wie ernst ich das eben gesagte meine!

"Hey, hallo! Wo soll ich die Dame hinlegen? Ich... ähm... hallo?!"

Eine als Glotter-Version des ’Schrecken vom Amazonas’ getarnte Gruselgurke.
Wer einen Scheiß-Tag hatte und sich den ganzen Mist mal so richtig von der Seele lachen will, den schubse ich hiermit in die Arme des Oktaman.

Hudson