Odyssee im Alptraum


‘What would happen if you knew the secret of soul traveling... If you could make your wildest dreams come true?’


Originaltitel: Dreams Come True (1984)
Regie: Max Kalmanowicz Drehbuch: Steve Kinjerski
Darsteller: Michael Sanville, Stephanie Shuford, Ken Charlton FSK: 18


Lee, ein junger Mann, der tagsüber in einer Stahlfabrik schuftet und sich nach Feierabend um seine katatonische Mutter kümmern muss, hat in letzter Zeit immmer wieder merkwürdige Träume, die sich kurz darauf bewahrheiten. Als er in einem dieser Träume das Mädchen Robin kennenlernt, ändern sich die Dinge schlagartig. Robin und Lee können im Schlaf ihre Körper verlassen und sich an jedem Ort nach Belieben treffen.
’Und sie tun, was alle Verliebten tun. Sie tun es überall auf der Welt.’ Wie uns das Backcover erzählt. Robin und Lee verstricken sich immer tiefer in ihre hormonell gesteuerten Seelenwanderungen, bis Lee seinen Job verliert und um seine Existenz und das leibliche Wohl seiner Mutter fürchtet…

Mädchen träumen rosa...

Yikes! Sowas kann nur von TROMA produziert/veröffentlicht worden sein. Ein Film, in dem ein Typ in 40 von 90 Minuten nur in weißer Unterhose über die Leinwand spurtet und dessen weiblicher Gegenpart ihm dramatisch vom Missbrauch durch den widerlichen Onkel erzählt, woraufhin die beiden erst mal anfangen, sich zärtlich zu entkleiden und nichts anbrennen lassen. Hier sind nicht nur Sexualpsychologen begeistert.
Zum Schießen sind auch ihre Traumausflüge nach Paris, wo sie erst als fluoreszierende Cartoonfiguren durch Archivaufnahmen vom Eiffelturm fliegen und dann in einem französischen Restaurant die Zeche prellen (Zitat des Maitre d’: “Jetzt betrügen die Amerikaner auch schon. Womit soll ich denn meine Geliebte bezahlen?!“)
Überhaupt stellen sich die Protagonisten bei Dinner-Dates etwas unbeholfen an. (Frau: “Ein Cheeseburger und ein Bier.“ Mann: “Nehm ich auch. Und dazu noch gehackte Zwiebeln.“) Wem das nicht trashig genug ist, der lese und staune, dass Robin und Lee in einer Szene ein Kino besuchen, in dem ’Kinder des Todes’ läuft (tatsächlich sogar mit Szenen, die auf dem deutschen Tape dieses Filmes geschnitten sind. Das Grützgesicht auf dem Cover oben stammt auch direkt aus ’Kinder des Todes’, da dachte sich wohl jemand, das verkauft noch ein paar Exemplare mehr). Später gibt’s dann auch noch einen traumhaften Gastauftritt der ’Children of Ravensback’‚ die unsere Helden kurz durch ein Alptraum-Szenario jagen. Irre.
Zur seltsamen Stimmung des Filmes gesellt sich die passend groteske Pop-Musik der Gruppe ’Spooner’, deren Gitarrist Duke Erikson und Drummer Butch Vig später die Erfolgsband ’Garbage’ gründeten.

... Jungs träumen hellblau.

Fazit: ’Garbage’ ist ein gutes Stichwort. ’Odyssee im Alptraum’ ist eine ab- und ansurde Trashschmonzette mit übernatürlichem Touch, verwirrenden Comedy-Einlagen, einem kurzen Krimi-Ausflug und Dialogen aus der Waschküche. Wer solche Filme dreht, ist selbst Schuld. Wer sie sich anschaut auch. Wer aber ein Herz für unsinnig gequirlten Genre-Quark mit hohem Ulk-Faktor hat, ist hiermit vom ’Abschalten’ befreit.


Hudson